Muri

Der Martinimarkt in Muri überlebt, weil man im Internet nicht probieren kann

Paul Späni im Gespräch mit Andrea Barrer am Martinimarkt in Muri. ES

Paul Späni im Gespräch mit Andrea Barrer am Martinimarkt in Muri. ES

Das Leben als Marktfahrer ist nicht einfach. Nur wer ruft, hat Kunden, so das Motto vieler Verkäufer. Sie buhlen mit verschiedenen Methoden um die Gunst der Kundschaft und sagen, warum der Martinimarkt in Muri nie sterben wird.

Man muss etwas tun an seinem Stand, damit die Leute stehen bleiben. Paul Späni aus Benzenschwil hat viel Erfahrung darin, besucht seit 16 Jahren den Martinimarkt in Muri und weiss: «Nur wer ruft, hat Kunden.»

Er ist nicht der Marktschreier, wie man sich ihn vorstellt, aber er ist sehr präsent zwischen den aufgebauten Büchsen mit Bouillon, Gewürzen und Nahrungsergänzungen.

Späni verkauft Produkte der Nahrin AG in Sarnen und kann inzwischen auf viele Stammkunden zählen, kennt Dutzende von Leuten, die auf der Marktstrasse an seinem Stand vorbeispazieren.

Ist ein Marktstand in Zeiten des Internets überhaupt noch sinnvoll? «Aber klar», betont Späni, obwohl der Internetverkauf bei der Nahrin im letzten Jahr um 34 Prozent zunahm. «Im Internet kann man nicht probieren.» Er sagts und bietet fast im gleichen Atemzug einer Passantin einen Schluck heisse Bouillon an. Späni hat fast immer Leute an seinem Stand.

Gratis Schuhe putzen

Suleyman Alimis Stand ist kleiner. Ein Sonnen-, beziehungsweise Regenschirm, eine Sitzgelegenheit für ihn, ein Tisch mit Büchsen voll Lederbalsam drauf und ein Holzschemel, um den Fuss draufzustellen.

Er kennt hier, im Gegensatz zu Späni, nicht viele, ist aber trotzdem mit allen per Du. Und putzt allen die Schuhe, wenn sie wollen. Gratis, versteht sich. Nach dem Auftrag mit Lederbalsam träufelt er etwas Wasser auf den Schuh, das abperlt wie an einem fetten Pflanzenblatt.

«Färbt nicht ab», wirbt er, «reicht sozusagen ewig, weil man nur wenig davon braucht.» 29 Franken kostet die kleine Dose, 39 Franken die grosse. «Es ist nicht einfach», sagt der Marktfahrer aus Derendingen zu seinem Job. «Nur wenn man die Leute überzeugt, kaufen sie das Produkt.» Manchmal spürt er nach einem langen Tag das Schuheputzen schmerzhaft im Rücken.

Frisches Magenbrot

«Die Preise sind nicht mit der Konkurrenz abgesprochen», erklärt René Iten aus Bünzen. Er verkauft Magenbrot und brennt Mandeln. «Aber keiner kann natürlich viel teurer oder billiger sein als der andere, gute Ware ist eben ihren Preis wert und Kunden registrieren starke Unterschiede sowohl in der Qualität als auch beim Preis sofort.»

Jährlich besucht er mit seinem Team etwa 25 Märkte. Im Sommer bietet er auch Soft-Ice an, im Winter Marroni. «Reich wird man davon nicht», lacht er. Er legt Wert darauf, dass an seinem Stand alle Kunden freundlich behandelt werden, gibt gern ein Müsterchen drauf und freut sich am Kontakt mit ihnen. «Manchmal erzählen sie einem mehr, als man wissen will.»

Stand zum Jubiläum

Keinen materiellen Profit will «Tischlein deck dich Muri» machen. Zum 5-Jahr-Jubiläum präsentiert sich die Lebensmittelhilfe für Bedürftige auf ungewöhnliche Weise: An ihrem Stand kann man gratis Lebensmittel erhalten, die sonst fortgeworfen würden.

«Viele Leute sind irritiert, dass sie Lebensmittel einfach gratis mitnehmen könnten», sagt Henrieta Suter-Paulik. Wenige getrauen sich zuzugreifen.

Tischlein deck dich Muri verteilt jeweils dienstags von 9.30 bis 10.30 Uhr im Muri 13 nicht abgelaufene, einwandfreie Lebensmittel an bedürftige Personen, eine Hilfe, die sehr geschätzt wird und noch mehr Spender brauchen könnte. Mit der Präsenz am Martinimarkt in Muri will Tischlein deck dich zudem sensibilisieren, dass noch viel zu viele einwandfreie Lebensmittel im Abfall landen.

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