Niederwil

Der neue Ehrenschränzer ist ein Vampir

Vizeammann Peter Gauch (links) überlässt dem Ehrenschränzer, Dracula Hektor, den Schlüssel zur Gemeinde.

Vizeammann Peter Gauch (links) überlässt dem Ehrenschränzer, Dracula Hektor, den Schlüssel zur Gemeinde.

René Huber wird die Fasnächtler von Niederwil als Dracula Hektor durch die närrische Zeit führen.

Während die neue Zeremonienmeisterin Claudia Gratwohl die letzten Zeilen der Vorstellung des neuen Ehrenschränzers vorlas, wurde es vor der Saaltür unruhig. Der neue Amtsinhaber traf soeben in Begleitung der ehemaligen Ehrenschränzer ein. Gespannt machten sie sich für ihren Einzug in den alten Schulhaussaal parat.

Schon vor der Inthronisation war die Stimmung im Saal heiter bis ausgelassen, neugierig warteten alle auf den Höhepunkt des Abends. Bis es so weit war, galt es eine weitere Amtsübergabe zu regeln. Zeremonienmeisterin Marlis Töngi übergab das ihrige an Claudia Gratwohl mit folgenden Worten: «D’Claudia wird fortan d’Zeremoniimeischtere und eu mit ihrem Enthusiasmus voll begeischtere.» Die neue Zeremonienmeisterin war die Ehrenschränzerin des Jahres 2019, als Schneewittli hatte sie zusammen mit ihren sieben Zwergen Niederwil in eine Märliwelt verwandelt.

Von der Märliwelt zur vampirmässigen Fasnacht

Neuer Job, neue Kleider – frisch im neuen Job angekommen, schlüpfte Claudia Gratwohl auf der Bühne schnell ins neue Gewand. Ihre erste Amtshandlung folgte sogleich. «Hier in Niederwil wuchs er auf und wurde gut erzogen. Seine Lehre machte er in Künten. In jungen Jahren brillierte er im Turnverein», präsentierte sie den künftigen Ehrenschränzer. Im Turnverein sei er nach 40 Jahren Mitgliedschaft nicht mehr so aktiv, dafür seit zehn Jahren umso mehr im Kirchenchor. «Er ist einfach fest verwurzelt in der Gemeinde und wartet nun nervös vor der Tür – René Huber.» Unter grossem Beifall zog der genannte, im Frack, kalkweiss mit blutunterlaufenen Augen geschminkt als neuer Ehrenschränzer in den Saal ein.
Mit Plakette und Zepter ausgestattet nahm er auf seinem Thron Platz und liess sich gebührend feiern. «Wahnsinn, wie viele Leute heute hier sind», stellte Huber fest, «ich bin so überrascht und so berührt.»

Als Claudia Gratwohl ihn vor einigen Monaten fragte, ob er sich vorstellen könne, der neue Ehrenschränzer zu sein, habe er zunächst abgesagt, er habe einfach keine Zeit. «Schliesslich sagte ich doch zu, mit der Bedingung, dass ich den Job so machen kann, wie ich es will», lachte der frischgebackene Ehrenschränzer. «Der Film ‹Tanz der Vampire› von Roman Polanski hat mich zum Namen inspiriert.» Als Dracula Hektor wolle er durch die Jubiläumsfasnacht führen, immerhin gebe es 50 Jahre Ehrenschränzer sowie 20 Jahre Nebelriiter zu feiern und nicht zu vergessen 100 Jahre Turnverein. Ihn begleiten als Vampirdamen Aranka Huber und Brigitte Mettier sowie der getreue Igor, auch bekannt als Rolf Mettier.

Für den Gemeinderat hatte sich Dracula Hektor ein besonderes Schmankerl ausgedacht. Nachdem er vom Vizeammann Peter Gauch den Schlüssel übernommen hatte, verkündete der Ehrenschränzer: «Mein Wunsch ist, dass mich der Gemeinderat, verkleidet als Ochsen und Esel, am Schmutzigen Donnerstag abholt und mich im vampirmässigen Gefährt durch den Ort zum Dorfplatz zieht.» Dort müsse der Gemeinderat alle Leute zum Tanzen animieren. «Am Schmutzigen Donnerstag müsst ihr alle kommen», forderte der Ehrenschränzer die Niederwiler auf. Es sei immer eine gute Fasnacht, wenn man miteinander tanze.

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