Die Gemeindeversammlung hatte das Projekt bewilligt, die Baubewilligung war erteilt und der neue Kunstrasen bestellt. Doch die für die Sportplatz-Sanierung in Villmergen verantwortliche Baukommission wurde ein schales Gefühl nicht los: «Die aktuellen Diskussionen um die Auswirkungen von Mikroplastik in unseren Gewässern hat uns nicht kalt gelassen. Vor allem auch, weil die Sportanlage Badmatte unmittelbar an zwei Bäche grenzt. Dazu kamen Anregungen aus der Bevölkerung an den Gemeinderat, nach alternativen Lösungen für die Verfüllung des Kunstrasens zu suchen. Das hat die Baukommission zum Handeln veranlasst und das Projekt noch einmal zu hinterfragen», erklärt Gemeinderat und Baukommissionspräsident Renato Sanvido.

Man habe sich schon in der Planungsphase sehr seriös mit dem Thema auseinandergesetzt, damals aber keine umsetzbare Alternative für das Kunststoffgranulat gefunden: «Bei unseren erneuten Recherchen, an der sich alle Kommissionsmitglieder intensiv beteiligt haben, sind wir dann auf die Variante Kork gestossen», sagt Sanvido weiter. Dafür, dass die Kommission diese nicht schon früher entdeckt hat, gibt es eine einfache Erklärung: Korkgranulat war in der Deutschschweiz bisher kein Thema, weil es bis vor kurzem keinen Anbieter dafür gegeben hat. In der welschen Schweiz hingegen ist die umweltfreundliche Alternative zum Kunststoffgranulat bereits in rund 40 Kunstrasenplätzen verbaut worden.

Mit Kork verfüllte Plätze in der Romandie ausführlich getestet

Und deshalb sind die Villmerger in die Romandie gefahren: «Eine grössere Delegation (Mitglieder des Fussballclubs, Mitarbeiter des Werkhofs, der Sportplatzplaner sowie der Gemeindeammann und der Baukommissionspräsident) haben sich mit Korkgranulat verfüllte Kunstrasenplätze in Lausanne, Montreux und Freiburg angeschaut, sich mit den verantwortlichen Platzwarten unterhalten und alle Vor- und Nachteile überprüft. Die mitgereisten Fussballer haben die Plätze zudem ausführlich getestet. In Lausanne war sogar ein direkter Vergleich zwischen einem mit Kunststoffgranulat und einem mit Korkgranulat hinterfüllten Platz möglich», erklärt der Baukommissionspräsident.

So sieht das Korkgranulat für den Villmerger Kunstrasen aus.

So sieht das Korkgranulat für den Villmerger Kunstrasen aus.

Schon auf der Rückfahrt sei klar gewesen: «Das ist die Lösung, die wir gesucht haben», erklärt Gemeindeammann Ueli Lütolf, und man habe seitens der Delegation dem Gemeinderat einen formellen Antrag für die umweltfreundlichere, aber nicht teurere Alternative gestellt. Und der hat am Dienstag beschlossen, auf die Variante Korkgranulat zu setzen.

«Die bei der Exkursion in die Romandie gewonnen Erkenntnisse waren aufschlussreich und eindrücklich zugleich: Kork überzeugt nicht nur mit seiner ökologischen Verträglichkeit. Er ist auch mit seiner Qualität und Beständigkeit dem Granulat aus Kunststoff ebenbürtig. Der Fussballer spürt beim Spielen auf einem mit Kork verfüllten Platz allenfalls den Unterschied, dass sich der Boden im Vergleich zum Fussballfeld mit Kunststoffgranulat etwas weicher anfühlt», schreibt der Gemeinderat in der Medienmitteilung zu seinem Entscheid. Kunstrasenfussballfelder mit Kork, hält die Behörde weiter fest, würden im Übrigen auch den Anforderungen des internationalen Fussballverbands FIFA genügen.

Nachteile der Korkverfüllung halten sich im Rahmen

Die Delegation und auch der Gemeinderat, erläutert Renato Sanvido, seien sich bewusst, dass Kork auch Nachteile habe: «Bei länger andauerndem Starkregen kann sich das gegenüber Kunststoff leichtere Korkgranulat auf dem Feld verfrachten und muss danach neu eingepflegt werden. Das erfordert jeweils einen Arbeitsaufwand von rund vier Stunden.» Zudem lägen noch keine Erfahrungen bezüglich Lebensdauer des Korkgranulats vor. Die getesteten Plätze in Lausanne, Montreux und Freiburg sind ein bis drei Jahre, der älteste Platz mit Kork 6 Jahre alt: «Es ist möglich, dass wir in ein paar Jahren mit der Korklösung mehr Granulat verfüllen müssen, als das bei Kunststoff der Fall wäre. Die daraus allenfalls resultierenden leicht höheren Unterhaltskosten ist uns der Schutz der Umwelt wert», ergänzt Gemeindeammann Ueli Lütolf.