Dottikon

«Der Weg aus der Mutterfalle» – Therapeutin schreibt Buch über die Prägung der eigenen Mutter

Angela Weiss mit ihrem neuen Buch «Mutter lässt grüssen».

Angela Weiss mit ihrem neuen Buch «Mutter lässt grüssen».

Weil die eigene Mutter eine so prägende Rolle einnimmt, hat Therapeutin Angela Weiss aus Dottikon darüber ein Buch geschrieben. Es sei aber keine Abrechnung, sondern ein Ratgeber, wie sie sagt.

Irgendwann kommt sie in der Therapiesitzung zur Sprache. Das ist Angela Weiss aus Dottikon aufgefallen. Die Frage ist meistens nur, wann ihre Patienten anfangen, von ihrer ersten Frau, ja ihrem ersten Menschen im Leben zu erzählen. Ihrer Mutter. «Sie ist der Ursprung von fast allem», sagt Weiss, «die erste Person, die uns prägt. Einen entsprechend grossen Einfluss hat sie auf unser Leben.» Die grosse Bedeutung der Mutter, «unsere erste Göttin im Leben», wie es die 50-Jährige ausdrückt, hat die Gesprächs- und Hypnosetherapeutin sowie Heilpraktikerin dazu inspiriert, ein Buch zu schreiben.

«Mutter lässt grüssen», erschienen beim GU-Verlag, ist jedoch keine Abrechnung mit der Mutter, wie Weiss bereits im Vorwort ihres Buches festhält. Sondern ein Ratgeber, um mehr darüber zu erfahren, warum man die Person ist, die man ist, indem man über die Beziehung zur Mutter nachdenkt und Erlebtes reflektiert. «Ob wir die Eigenschaften beibehalten, die uns unsere Mutter mitgegeben hat, liegt aber an jedem Einzelnen», betont Angela Weiss, die in ihrem Buch auch den «Weg aus der Mutterfalle» aufzeigt. «Um sich von einem Mutterkomplex zu lösen, gibt es nur einen Weg: sich die Beziehung zur Mutter genauer anzuschauen, auch wenn das nicht angenehm ist. Es kann wehtun, sich einer Vergangenheit zu stellen, die nicht mehr zu ändern ist.»

«Hat es dir geschadet?», fragt die Mutter

Die Therapeutin bittet darum, nachsichtig mit der Mutter zu sein und sich in sie hineinzuversetzen. «Welche Gründe gibt es, dass sie uns nicht die Mutter sein konnte, die wir gebraucht hätten?», fragt Weiss. «Musste sie viel arbeiten, um die Familie über die Runden zu bringen? Oder war sie noch sehr jung, als wir auf die Welt kamen?»

Das Buch baut in erster Linie auf den Gesprächen auf, welche die Dottikerin mit ihren Patienten geführt hat. Doch auch Weiss hat sich mit ihrer eigenen Mutter auseinandergesetzt und sie damit konfrontiert. Etwa, warum sie nicht den Kindergarten besuchen durfte und somit direkt in die Schule kam. «Was mich total überforderte», erzählt Weiss. «Und, hat es dir geschadet?», hätte ihre Mutter, darauf angesprochen, geantwortet. «Ja und nein», weiss Weiss heute. Durch die Entscheidung ihrer Mutter habe sie erst spät soziale Kontakte zu gleichaltrigen Kindern aufgebaut. «Weil ich aber so viel Zeit für mich hatte, habe ich gelernt, mich selber zu beschäftigen. Was ich noch heute tue.» Wie etwa durch das Schreiben. «Auch wenn alle Verlage das Buch abgelehnt hätten, ich hätte es trotzdem geschrieben», sagt Weiss, die bereits an ihrem nächsten Buchprojekt sitzt. Dieses Mal gehts nicht um eine Göttin, sondern einen Gott: um den Vater.

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Autor

Fabio Vonarburg

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