Muri

Der Wildbestand wird gezielt kontrolliert - Hasen werden nicht geschossen

Der Marder ist präpariert, aber Hans Keiser erzählt lebendig vom Raubwild in unseren Wäldern.

Der Marder ist präpariert, aber Hans Keiser erzählt lebendig vom Raubwild in unseren Wäldern.

In Muri erleben 320 Kinder mit der Jagdgesellschaft Lindenberg-Muri beim Wald-Wildtag und die Jagd hautnah. Es geht jedoch nicht nur um das Schiessen von Rehen und Füchsen.

Einige Knaben sind hell begeistert, einmal ein richtiges Jagdgewehr in den Händen zu halten und durchs Zielfernrohr zu linsen. Einige Mädchen würden es um keinen Preis anrühren. Am Stand von Jäger Adrian Baumberger ist jedoch spürbar, dass seine Ausführungen über das Erlegen von Wildtieren so oder so fesseln. Nur Bobby, der Jagdhund, döst etwas müde vor sich hin.

Beim Wald-Wildtag der Jagdgesellschaft Lindenberg-Muri geht es jedoch nicht nur um das Schiessen von Rehen und Füchsen, wie ihr Obmann Robert Häfner festhält: «Wichtig ist uns, den Kindern die Zusammenhänge zwischen Wald, Landwirtschaft und Wildtieren aufzuzeigen.» Auf fünf Posten erfahren insgesamt 320 Schülerinnen und Schüler der 4. bis 6. Klassen der Schulen Muri, Buttwil und Geltwil alles über die Jagd. Dafür engagieren sich 15 Jäger und Helfer der Jagdgesellschaft zwei Tage lang im Maiholzwald. Der Höhepunkt ist am Schluss: Ein Schweisshund sucht die Fährte eines verletzten Rehs.

Viele Unfälle mit Wildtieren

Im Aargau werden jährlich 750 Rehe Opfer eines Verkehrsunfalls, im Durchschnitt also jeden Tag zwei. Im Revier der Jagdgesellschaft Lindenberg-Muri sind es jährlich rund 20 Rehe oder alle zwei Wochen eines, das von einem Auto angefahren wird. Dann rücken die Jäger aus, um ein verletztes Tier zu bergen, das heisst zu töten, um es von weiterem Leiden zu bewahren. Auch Füchse werden oft angefahren. Zur Regulierung des Wildbestandes ist schliesslich ein gezielter Abschuss von Wildtieren notwendig, wie die Kinder erfahren. 50 Rehe sind es hier pro Jahr, deren Fleisch jeweils verzehrt wird. «Wenn der Rehbestand zu gross wird, leidet der Wald, weil die jungen Waldbäume zu stark abgefressen werden», macht Häfner klar. Die neun Pächter sind in ihrem Revier schliesslich für die Kontrolle der Leinenpflicht vom 1. April bis 31. Juli für Hunde im Wald verantwortlich oder für die Rettung der in die Wiesen gesetzten Rehkitze. Bevor der Bauer den Mäher startet, schreiten Jäger die Wiese ab, weil die eben geborenen Rehe nicht fliehen, wenn Gefahr droht und deshalb umzukommen drohen, wenn der Messerbalken näher kommt.

Umfassende Ausbildung

Schliesslich sind die Jäger aber einfach auch gerne in der Natur und haben dank einer umfassenden Ausbildung grosse Kentnisse über die Abläufe im Wald. So nisten beispielsweise bis zu 100 Vogelarten in unseren Wäldern, dafür sind die Feldhasen wegen der intensiven Landwirtschaft fast ausgestorben und ihr Bestand kann sich scheinbar nicht mehr erholen. Der Fuchs nutzt den Dachsbau für seine eigene Wohnung und das Reh wird bis zu 14 Jahre alt. Davon erzählten an den fünf Posten Hans Keiser, Beat Bossert, Fabian Dullnig, Adrian Baumberger und Heiri Schweizer. Natürlich gab es auch eine Zwischenverpflegung für alle.

Thema Jagd für jedes Kind

«Für die Jagdgesellschaft ist es wichtig, dass die Kinder ein umfassendes Bild der Jagd erhalten», erklärt Häfner. Deshalb werden diese Wald-Wildtage alle drei Jahre durchgeführt. «Wir wollen, dass jede Schülerin und jeder Schüler einmal mit der Jagd im Wald in Kontakt gekommen ist.» Das bedeutet zwar einen nicht unerheblichen Aufwand für die Jäger des Reviers und ihre Helfer, aber Häfner freut sich mit seinen Kollegen, dass das Angebot bei den Kindern jeweils gut ankommt. «Das Interesse ist sehr gross, die Kinder stellen viele Fragen.» So finden denn an den verschiedenen Posten nicht einfach Monologe statt. Hin und wieder werden von Kindern auch persönliche Erlebnisse im Wald erzählt, es wird nachgehakt, wenn etwas nicht klar ist. Wald und Jagd, das zeigt sich, sind spannende Themen.

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