Villmergen
«Der Wirtschaftsstandort Freiamt zieht gute Firmen an»

Montana Bausysteme hat den Swissbau Design Award für die besten Standbauten gewonnen – und das im Jubiläumsjahr. Marcel Kamm, Delegierter des Verwaltungsrates, sagt, wie sich der Standort ist und wie er die Zukunft des Unternehmens sieht.

Verena Schmidtke
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Marcel Kamm, Delegierter des Verwaltungsrates.

Marcel Kamm, Delegierter des Verwaltungsrates.

VS

Marcel Kamm, welche Bedeutung hat der Gewinn des Swissbau Design Awards für die Montana Bausysteme AG?

Marcel Kamm: Wir sind sehr erfreut und überrascht gewesen. Durch Zufall sind wir auf die Idee gekommen, uns daran zu beteiligen. Und es hat perfekt geklappt. Wir pflegen eine offene Firmenkultur, versuchen Neues und wie in diesem Fall diesen spannenden Stand. Das leben wir mit Begeisterung und es hat funktioniert.

Wie begeht die Montana Bausysteme AG die Feierlichkeiten für das 50-Jahr Jubiläum?

Wir haben im KKL in Luzern mit dem Orso The Rock Symphony Orchestra aus Freiburg im Breisgau gefeiert – es war einfach bombastisch. Das Orchester meinte im Vorfeld, sie hätten noch nie ein so exklusives Konzert gespielt – wir waren 650 Zuhörer. Das Orchester selbst besteht aus 200 Leuten. Es war ein fulminantes Konzert, alle waren begeistert. Eingeladen waren Mitarbeiter, Pensionierte, Kunden, Lieferanten und die Gemeinde Villmergen. Für das Konzert selber haben wir zudem 200 Tickets an die Bevölkerung in Villmergen und auch an vier Musikvereine aus der Umgebung verteilt. Danach fand der Gala-Anlass für die geladenen Gäste statt.

Auch als Dank an die Kundschaft?

Wirtschaftlich ist die Situation nicht einfach, auch wenn wir zwei Drittel des Umsatzes in der Schweiz erzielen. Wir exportieren viel, aufgrund des starken Schweizer Franken ist es seit der Finanzkrise teilweise schwierig, an gute Aufträge zu kommen. Aber nichtsdestotrotz erzielen wir ein sehr gutes Resultat für die schwierigen Umstände, und das wollen wir miteinander und mit unseren Kunden feiern. Auch in der Hoffnung, dass das Erlebnis und die emotionale Bindung, die sich ergibt, zukünftige Geschäfte ermöglicht.

50 Jahre sind für ein Unternehmen etwas Besonderes.

Wir haben 50 gute Jahre gehabt, wir sind immer flexibel geblieben, wir haben nie vergessen, woher unsere Saläre kommen. Der Kunde ist wichtig, wir gehen auf seine Wünsche ein, sind sehr flexibel – dafür sind wir bekannt. Das hebt uns auch von den Mitbewerbern ab. Dieses Ansehen müssen wir uns jeden Tag neu erarbeiten.

Gibt es derzeit einen besonderen Auftrag für die Montana Bausysteme AG?

Aktuell liefern wir für das neue Nespresso Kapselwerk in Romont. Dort soll für den amerikanischen Markt produziert werden. Unser Auftrag ist die Fassade, eine spezielle Doppelfassade. Bei solchen Aufträgen sind wir immer einer von mehreren internationalen Anbietern. Wir hatten zwar nicht das günstigste Produkt, trotzdem konnten wir dem Kunden eine Lösung präsentieren, die unterm Strich günstiger für ihn war.

Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens?

Positiv. Wir passen uns den wirtschaftlichen Gegebenheiten an, wir hatten schon immer das Flair, innovativ zu sein: Neue Produkte, oder neue Zusatznutzen für Produkte zu entwickeln und mehr zu bringen. Dadurch schauen wir positiv in die Zukunft.

Ist Villmergen als Standort sicher?

Im Moment ist ein Standortwechsel kein Thema. Ein Umzug wäre mit gewaltigem Aufwand und Kosten verbunden. Unserem Unternehmen geht es hier sehr gut. Die Gemeinde weiss generell, was sie an der Industrie hat. Wir werden gut unterstützt.

Im Jahr 1991 erlebte die Firma ein konjunkturelles Tief. Hatte die aktuelle Wirtschaftskrise Auswirkungen auf das Unternehmen?

Das Unternehmen war damals personell aufgebläht und es musste drastisch reduziert werden. Dies war eine schwierige Zeit und es dauerte eine Weile, bis der Betrieb wieder reibungslos funktionierte. Mittlerweile sind wir bei etwa 110 Mitarbeitenden – gute Leute mit einer guten Einstellung.

Warum ist Villmergen ein guter Standort für das Unternehmen?

Logistisch sind wir gut gelegen. Wir haben keine eigenen Lastwagen, sondern Vertragspartner, die unsere Produkte fahren. Man ist schnell auf der Autobahn. Wir sind auch ideal positioniert zwischen Ost- und Westschweiz und auch der Zentralschweiz. Der Standort ergab sich durch die Unternehmenszusammenführung 1990. Wir haben ihn also nicht selbst ausgewählt.

Gibt es etwas, was Sie sich anders vorstellen? Oder anders gestalten würden, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Nein. Wir leben mit dem, was wir haben. Entwicklungsmöglichkeiten von der Grösse her haben wir nicht mehr, da müssen wir andere Lösungen suchen. Das eine oder andere würde man heute vielleicht anders organisieren. Aber das sind Gegebenheiten und wir machen das Beste daraus.

Wie beurteilen Sie den Wirtschaftsstandort Freiamt?

Ich finde der ist sehr gut. Das zieht auch sehr gute Firmen an. Mein Gefühl ist, dass man durch Kanton, Gemeinde und auch die Handelskammer eine ganz gute Unterstützung hat. In dieser Industriezone, in der wir uns befinden, gibt es namhafte Firmen, kleine Hightech-Unternehmen mit international bekannten Projekten, die man hier gar nicht erwarten würde. Bei uns ist es ja ähnlich, wir bleiben auch eher unscheinbar im Hintergrund. Dabei hatten wir 2004 für die Olympischen Spiele in Athen 16 Projekte gewonnen, mehr als der Rest von unserem ganzen Konzern zusammen. Wir haben ein gutes Netzwerk und sind dadurch näher am Markt. Es hilft auch, offen und kreativ zu sein.

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