Der Zivilschutz im Aargau wird umgebaut. Das hat die Aargauer Regierung vor fünf Jahren beschlossen. Statt wie bis anhin 22 Zivilschutzorganisationen (ZSO) wird es ab 2020 nur noch 11 geben. Grund für die Neuorganisation sind vor allem strategische Überlegungen. Den Zivilschutzorganisationen fällt es zunehmend schwerer, genügend Personal zu rekrutieren und insbesondere die Kaderpositionen zu besetzen. Zudem hat sich auch der Aufgabenbereich des Zivilschutzes verändert. Er ist heute primär auf Katastrophen ausgerichtet und weniger auf Kriegssituationen. Er soll vor allem dann eingreifen, wenn die Ersteinsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehren und professionelle Rettungsorganisationen eine Aufgabe personell nicht mehr bewältigen können.

Zwei Fusionen im Freiamt

Die Anpassung erfolgte deshalb auch aufgrund einer Änderung im Bundesgesetz über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz, die am 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist. Der Aargau hat seine Zivilschutzverordnung darauf gestützt per 1. Januar 2015 revidiert.

Im Freiamt ist im vergangenen Herbst über eine erste grosse Zivilschutz-Fusion abgestimmt worden. 22 Gemeinden haben die ZSO Freiamt gegründet, die aus den bisherigen Organisationen ZSO Muri-Boswil und ZSO Oberfreiamt gebildet worden ist. Dazu gesellten sich auch fünf Kellerämter Gemeinden, die bisher der ZSO Mittleres Reusstal angehören. Die neue Organisation gilt per 1. Januar 2020.

Der zweite Zusammenschluss betrifft die bisherigen Zivilschutzorganisationen Mittleres Reusstal, Mutschellen, Reusstal-Rohrdorferberg und Region Wohlen mit aktuell knapp 1300 Zivilschutzangehörigen. Ab 2020 wird es die neue Organisation «Bevölkerungsschutz und Zivilschutz Aargau Ost» geben. Sie umfasst auf der Nord-Süd-Achse den Raum von Fislisbach bis Waltenschwil und von Westen nach Osten jenen von Villmergen bis Rudolfstetten. 28 Gemeinden mit einer Bevölkerung von zusammen rund 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern werden dem neuen Gemeindeverband angehören, das neue Zivilschutzkorps hat Bataillonsstärke mit vier Kompanien und einem Sollbestand von 940 Dienstpflichtigen.

Geplant ist auch die Bildung einer Bereitschaftskompanie, die bei Ereignissen wie Unwettern oder anderen Notlagen innerhalb von zwei Stunden einsatzfähig ist und die zivilen Rettungsorganisationen schnell unterstützen kann.

Entscheid über Satzungen

«Dank einer professionelleren Organisation wird die neue ZSO/RFO (RFO = Regionales Führungsorgan) trotz reduziertem Bestand in der Lage sein, ihre Kernaufgaben wahrzunehmen», erklärte der Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud bei der Präsentation des neuen Konzepts. Perroud hat eine aus den Kommandanten der bisherigen vier ZSO und RFO sowie den Verbandspräsidenten gebildete Arbeitsgruppe angeführt, welche die Fusion vorbereitet hat. Der neue Verband wird von fünf Vorstandsmitgliedern geleitet, weiter soll mindestens einmal jährlich eine Abgeordnetenversammlung durchgeführt werden. Das Personal der bisherigen vier Organisationen wird übernommen, das Kader der ZSO/RFO Aargau Ost aber erst noch bestimmt.

Vorderhand, erklärte Arsène Perroud an einer Medienkonferenz zum Thema, müssten von den involvierten Gemeinden die Satzungen genehmigt werden, das Geschäft sei an den bevorstehenden Gemeindeversammlungen traktandiert. Danach werde ein Übergangsvorstand erste personelle und Infrastruktur-Entscheide treffen. Vorderhand (noch) nicht im Boot sind die Gemeinden Rudolfstetten und Oberwil-Lieli. Hier gibt es offenbar noch verschiedene Differenzen zu bereinigen. Bei der Vorstellung des neuen Konzepts wurde erklärt, man hoffe, dass die beiden Kommunen die Verbandssatzungen im Herbst vor ihre Gemeindeversammlungen bringen würden. Verzögerungen beim Projekt gibt es deswegen nicht.

Die Kosten für die neue Organisation, deren Büro- und Lagerstandort sich in Wohlen befinden wird, sollen trotz ausgeweitetem Leistungsauftrag nicht höher werden als bisher. Gerechnet wird in einem Richtbudget mit Nettokosten von Fr. 18.50 pro Einwohner.