Wohlen
Die besten Matura-Arbeiten: Zwei unterschiedliche Fragen führten zum Erfolg

Der Rotary Club Freiamt vergibt den Preis für die besten Matura-Arbeiten an Flavia Giudice und Adrian Bertschi. Ihre Arbeiten: eine Handy-Applikation und eine Analyse zweier Romane, in denen es um Freundschaft geht.

Dominic Kobelt
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Flavia Giudice und Adrian Bertschi wurden für ihre Maturaarbeiten ausgezeichnet.

Flavia Giudice und Adrian Bertschi wurden für ihre Maturaarbeiten ausgezeichnet.

Was ist eine gute Freundschaft? Dieser Frage hat sich Flavia Giudice in ihrer Maturaarbeit gewidmet.

Eine ganz andere Frage hat sich dagegen Adrian Bertschi gestellt: Kann ich eine eigene Handy-Applikation programmieren? Beide wurden vom Rotary Club Freiamt für ihre Leistungen ausgezeichnet.

School Schedule heisst die App, die Schülerinnen und Schülern den Alltag erleichtern soll. Mit ihr kann man einerseits seinen Stundenplan verwalten, anderseits seine Noten im Überblick behalten.

Das allein macht die Arbeit von Adrian Bertschi aber noch nicht aussergewöhnlich. «Die Noten könnte man auch mit Excel verwalten und den Stundenplan gibt es online», sagte Markus Stutz, der die Arbeit von Bertschi betreut hat.

Vielmehr sei es das überdurchschnittliche Mass an Hartnäckigkeit und eisernem Willen, das diese Arbeit auszeichne. «Es war ein sehr ehrgeiziges Ziel, das sich Adrian gesteckt hat», so Stutz.

Das ist zweifellos der Fall, bedenkt man, dass der Kantischüler zu Beginn noch keine grosse Ahnung von der Programmiersprache hatte, mit der er seine Software entwickelt hat. «Das Erlernen von Java dauerte sehr viel länger, als ich erwartet habe», gab Bertschi zu.

Zu Beginn sei der Code viel zu lange und umständlich gewesen. Seine Applikation hat er durch geschicktere und komplexere Programmierung von anfangs 9000 auf rund 4000 Zeichen kürzen können.

Auch wenn es einige Mühe gekostet habe: «Die Erfahrung möchte ich nicht missen», sagte Bertschi und gab den Zuhörern auch gleich noch einen Rat mit auf den Weg: «Wenn Sie selber eine App programmieren möchten, tun Sie es, es macht Spass. Falls möglich machen Sie es aber ohne Zeitdruck.»

Flavia Giudice hat in ihrer Arbeit die beiden Jugendromane «Zweier ohne» von Dirk Kurbjuweit und «Asphaltspringer» von Rusalka Reh analysiert, in denen es um Freundschaft geht. Was aber eine gute Freundschaft genau sei, das liesse sich schwer definieren, sagte Giudice: «Wenn man seine Freunde fragt, dann kommen eher Beispiele als Kriterien.»

Die Kantischülerin geht in ihrer Arbeit deshalb von einem Platon-Text («Lysis») und seiner Interpretation durch den Philosophen Markus Hujara aus. Sie habe «einsichtige und differenzierte Kriterien» erarbeitet, heisst es in der Nominations-Begründung.

Eine Freundschaft hat dieser Definition nach einen Nutzen für beide Seiten, beide haben die gleichen Ziele, es besteht keine sexuelle Anziehung und die Freundschaft trägt zur «Förderung des Guten» bei.

Auch Alfred Wasser befasste sich in seiner Laudatio mit der Frage nach der Freundschaft.

«Sind es die 78 Freunde, die mir auf Facebook zum Geburtstag gratuliert haben? Oder sind es dann doch die, die persönlich vorbeigekommen sind?» Die Analyse von Giudice sei sehr ausführlich und detailliert, sagte Wasser und lobte das methodische Vorgehen.

Die Rangierung der Arbeiten sei sehr schwer gewesen, sagte Christoph Käppeli, Präsident Rotary Club Freiamt.

«Mich haben insbesondere der ausserordentliche Einsatz der Verfasserinnen und Verfasser und die hohe Qualität der Arbeiten beeindruckt.»

Die Arbeiten seien sehr unterschiedlich und damit auch schwer vergleichbar gewesen.

Für drei Arbeiten gab es Anerkennungspreise, den ersten Preis teilten sich Giudice und Bertschi. Sie erhalten je 2000 Franken Preisgeld.