Muri

Die Herrgottskanone in Aktion

Historiker Josef Kunz (l.), Bruderschaftspfleger Hans Keusch und Kirchenpflegepräsident Thomas Suter vor der Michaelsstatue in der Pfarrkirche St. Goar.

Historiker Josef Kunz (l.), Bruderschaftspfleger Hans Keusch und Kirchenpflegepräsident Thomas Suter vor der Michaelsstatue in der Pfarrkirche St. Goar.

Die 1618 gegründete Michaelsbruderschaft feiert nächstes Jahr ihren 400. Geburtstag

Muri pflegt viele schöne Traditionen. Eine davon ist die Michaelsbruderschaft. Die von frommen Murianer Katholiken im Jahr 1618 gegründete Bruderschaft zählt 55 Mitglieder und feiert 2018 ihren 400. Geburtstag. Zur Bruderschaft zählen mehr Frauen als Männer. Deshalb wolle man auch ihren Namen ändern, sagt der pensionierte Kirchensakristan Hans Keusch, der das Amt des Pflegers der Bruderschaft vor zwei Jahren übernahm. Der Historiker und Publizist Josef Kunz aus Villmergen, der das Pfarrarchiv von Muri betreut, arbeitet die Geschichte der Gebetsgemeinschaft auf. Sein Buch erscheint im Jubiläumsjahr 2018.

Front gegen Protestantismus

Die Michaelsbruderschaft ist ein Zeugnis der Erneuerung des katholischen Glaubens. «Man wollte die protestantische Propaganda zurückdrängen», betont Kunz. Die Bruderschaft entstand in der Amtszeit von Gemeindeammann Lorenz Stöckli, der von 1617 bis 1661 die Gemeinde anführte, weiss Kirchenpflegepräsident Thomas Suter.

1618 brach der Dreissigjährige Krieg aus. Der Astronom Johannes Kepler veröffentlichte sein drittes Planetengesetz. «Damals glaubte man noch, dass die Erde eine Scheibe ist», sagt Suter. Ihre Mission sieht die Bruderschaft im Gebet für die Mitmenschen und den Weltfrieden. «Es kommen oft Leute zu mir, die mich bitten, dass die Bruderschaft für sie oder einen Angehörigen beten solle, weil sie in Bedrängnis sind», erläutert der Bruderschaftspfleger Hans Keusch. Die Mitglieder treffen sich zum wöchentlichen Rosenkranzgebet am Freitagabend und zur Nachmittagsanbetung am Mittwoch.

Die Bruderschaft begleitet auch das Pfarreiprojekt «Unterwegs zu dir» und hilft bei Anlässen in der Kirchgemeinde mit. Am höchsten Kirchenfest, an Fronleichnam, tritt die Bruderschaft an der Prozession mit der Herrgottskanone, der eigenen Fahne und sieben Laternen in Aktion. Der Sprengmeister und Bauunternehmer Jörg Weiss lädt dann die Kanone fachmännisch mit Schwarzpulver, einem Kegel und mit Sand. Dann feuert er gezielt und zur vorgegebenen, richtigen Zeit einige laute Schüsse ab.

Kardinal Kurt Koch als Gast?

Es sei möglich, dass bei der Gründung der Bruderschaft das Kloster Muri Pate gestanden sei, sagt der Historiker Josef Kunz. «Ich muss dem nachgehen.» Die Michaelsbruderschaft in Muri sei sicher eine der einzigen des gleichen Namens in der Schweiz, die bis heute überlebt habe. Pfarrer Georges Schwickerath stehe voll und ganz hinter der Bruderschaft, erklärt Pfleger Keusch. Die Zusammenarbeit mit ihm klappe sehr gut, sagt er. Das Jubiläumsjahr wirft laut Keusch bereits seine Schatten voraus. Neben dem geschichtlichen Werk von Josef Kunz präsentiert die Bruderschaft 2018 einen Jubiläumswein aus der Klosterkellerei Muri-Gries im Südtirol, wo die aus dem aargauischen Muri vertriebenen Mönche 1845 eine neue Heimat fanden. Zum Wein tischt der Käser Beat Meier aus Buttwil das «Michaels-Mutschli» auf. Die vielen Gäste wird das sicher freuen. Unter ihnen soll sich auch Kurienkardinal Kurt Koch befinden – wenn es klappt.

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