Para-Leichtathletik

Die neue Weltmeisterin arbeitet als Primarschullehrerin im Aargau

Catherine Debrunner bahnt sich ihren Weg durch die jubelnden Schülerinnen und Schüler der Primarschule Waltenschwil. Bild: Simon Kuhn

Catherine Debrunner bahnt sich ihren Weg durch die jubelnden Schülerinnen und Schüler der Primarschule Waltenschwil. Bild: Simon Kuhn

Catherine Debrunner ist neue Para-Leichtathletik Weltmeisterin über 400 Meter und Primarschullehrerin in Waltenschwil.

Catherine Debrunner erhielt gestern Morgen eine ganz besondere Begrüssung vor ihrer Schule in Waltenschwil. Alle 280 Schülerinnen und Schüler empfingen die neue Weltmeisterin mit lautem Gejubel, dutzenden Schweizer Flaggen und lauten Glocken. Seit vergangenen Freitag ist sie wieder zurück in der Schweiz und das nicht mit leeren Händen. Während der Para-Leichtathletik Weltmeisterschaften in Dubai gewann die Thurgauerin gleich zwei Medaillen. Einmal die Silbermedaille über 800 Meter und die Goldmedaille über 400 Meter.

Weltmeisterin unterrichtet in Waltenschwil

Neben ihren Wettkämpfen ist Debrunner als Primarschullehrerin tätig. Ihre Leidenschaft, zu unterrichten, entdeckte sie aber erst etwas später. «Als meine Oberstufenzeit zu Ende ging, fand ich immer mehr Gefallen daran, Lehrerin zu werden», erzählt sie. «2011 besuchte ich das Lehrerseminar an der pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen. Während dieses Seminars konnte ich diverse praktische Erfahrungen sammeln und merkte, wie viel Freude mir das Unterrichten bereitet.» Seit diesem Sommer arbeitet Catherine Debrunner nun an der Primarschule in Waltenschwil und ist zusammen mit Tanja Widmer Klassenverantwortliche. «Die Kinder sind ein guter Ausgleich zum Sport», sagt Debrunner. «Sie fordern mich auf eine positive Weise und können mir auch dabei helfen, einmal einen schlechten Trainingstag zu vergessen.»

Anders als beim Unterrichten war Debrunner schon früh von Sport begeistert. Als sie sieben Jahre alt war, besuchte sie in Nottwil ein Sportlager für Kinder und Jugendliche, in dem sie verschiedene Sportarten ausprobieren konnte. Schon früh lernte sie Skifahren, Schwimmen, und entdeckte auch den Rennrollstuhl schnell für sich. 2006 bestritt sie in Irland ihre erste Junioren Weltmeisterschaft und gewann zwei Jahre später in New York gleich fünf Mal Gold.

Trotz der Erfolge ist es für die neue Weltmeisterin nicht immer einfach, Beruf und Training unter einen Hut zu bekommen. «Momentan habe ich es schon ziemlich stressig», sagt sie. «Dies liegt vor allem an den zusätzlichen Medienterminen, die ich nach der Weltmeisterschaft habe. Dazu kommt, dass ich nicht nur einzelne Fächer unterrichte, sondern Klassenverantwortliche bin. Mit einer guten Organisation ist es aber das restliche Jahr über kein wirklich grosses Problem für mich.»

Für alle Beteiligten ein ganz besonderes Erlebnis

Neue Weltmeisterin zu sein, ist nicht nur für Catherine Debrunner ein besonderes Gefühl, sondern auch für ihre Schützlinge. Die Interviews nach dem Sieg haben alle ihre Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Arbeitskollegin Tanja Widmer angeschaut.

«Ich habe alle Rennen meiner Lehrerin mitverfolgt», erzählt der sechsjährige Nalu. «Irgendwie war es schon speziell, sie immer wieder im Fernsehen zu sehen.» Auch die sechsjährige Alissia ist stolz auf den Erfolg ihrer Klassenlehrerin. Sie sagt: «Ich will auch einmal ein Rennen gewinnen genau wie Frau Debrunner.» Der Erfolg der Primarschullehrerin ist auch für ihre Arbeitskolleginnen und Kollegen alles andere als alltäglich. «Ihr Sieg ist schon etwas ganz Besonderes», erzählt Tanja Widmer lachend. «So nah war ich vorher noch nie an einer Weltmeisterin dran.»

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