Freiämter Sagen

Der Erdmannlistein

Um den Erdmannlistein in Bremgarten ranken sich die Sagen. (G. Aerni)

Um den Erdmannlistein in Bremgarten ranken sich die Sagen. (G. Aerni)

Einer der bekanntesten Sagenorte des Freiamts ist der Erdmannlistein im Wohler Wald – doch es gibt auch unbekanntere Sagen darüber.

Der «Erdmannlistein» liegt in der Mitte des Waldes, der sich von Wohlen nach Bremgarten erstreckt, und wird aus zwei aufrecht stehenden Felsblöcken von mächtiger Grundfläche gebildet, welche wie Spitzsäulen zulaufen und auf ihrem Scheitel eine über sie hergeschobene Felsplatte von der Grösse eines Daches in der Schwebe halten.

Die dreifache Steinlast ruht tief in den Sumpfboden eingesenkt, der freie Mittelraum zwischen den beiden Tragsteinen hat sich meist mit Erde angefüllt und den Zugang zur unterirdischen Höhle mit verschüttet, in welcher die Erdmannli sonst ihre Wohnung aufgeschlagen hatten. Ehemals war es eine Gewohnheit der Landleute aus der Umgegend, hieher zu gehen und die Erdmännchen heraus zu rufen.

Immer folgten diese dann traulich, und gegen ein kleines Geschenk von Kraut, Kohl und Rüben führten sie allerlei Tänze und possierliche Sprünge auf. Weder wurden sie je von den Menschen beleidigt, noch spielten sie ihnen irgend einen losen Streich. Dies dauerte so lange, bis zwei sittenlose Bursche darauf verfielen, ihren Uebermuth zusammen an den Kleinen auszulassen.

Sie riefen nicht, wie es herkömmlich war, in die Höhle, sondern schleuderten gleich mit Steinen hinein, und als die Männchen auch da noch nicht erschienen, schossen Beide ihre Pistolen in die Kluft ab. Sogleich folgte ein arges Winseln und Stöhnen unter der Erde, wie es auch jetzt noch Leute in der Nähe des Steines gehört haben, die des Nachts diesen Weg gegangen sind; aber jegliche andere Spur von den Männchen selbst ist seitdem verschwunden.

Als daher die Hermetschwiler-Nonnen einmal wünschten, die Erdmännchen im Walde ebenfalls zu sehen, war es dafür bereits zu spät. Aber der Klosterknecht, der sie nicht ganz um ihr Vergnügen bringen wollte, beredete ein wunderkleines Männchen von Wohlen, das er gut kannte, hieher zu kommen und verkleidet sich unter den Stein zu setzen.

Am bestimmten Tage erschienen die Klosterfrauen, und der kleine Mann tanzte ihnen so niedlich vor, dass die verwunderten Zuschauerinnen ein grosses Vergnügen empfanden und ihm einen Freitisch in ihrem Kloster stifteten, der ihm bis zu seinem Tode richtig und ungeschmälert verblieben ist.

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