Postkarten aus Bremgarten: die Reussbrücke, die Altstadt, der Hexenturm – so stellt man sich das gemeinhin vor. Doch die im Café «Limalimón» ausgestellten Grusskarten entsprechen überhaupt nicht diesem gewohnten Bild. Hier sieht man kleine Wesen mit spitzen Ohren und Nasen oder Gnomen und Feen.

Gemalt hat sie die Bremgarter Grafikerin und Künstlerin Simone Meier, die bereits seit zehn Jahren ihr eigenes Grafikatelier an der Rechengasse führt. Eigentlich malt Meier nur nebenbei. Eigentlich. «Seit meiner Kindheit male und zeichne ich unglaublich gerne. Durch die Ausbildung zur Grafikerin hat sich das noch intensiviert, obwohl ich beruflich hauptsächlich am Computer arbeite.»

Etwas aus dem Nichts Schaffen

Was gefällt ihr an der Kunst besonders? Für sie ist es der Prozess des Erschaffens: «Die Arbeit strukturierten Untergründen und fühlbaren Materialien wird für mich im digitalisierten Zeitalter immer wichtiger. Auf einer weissen Leinwand entsteht etwas mit eigener Persönlichkeit und Eigenleben.»

Meier plant nicht immer, was sie malt, manchmal passiert es einfach: «Ich wollte beispielsweise das Nachbarsmädchen malen. Sie ist sieben Jahre alt. Aus dem Porträt wurde dann aber eine junge Frau. Ich bin gespannt, ob sie in zehn Jahren vielleicht so aussieht, wie auf meinem Gemälde.»

Die Motive der Künstlerin variieren. Meistens lässt sie sich von ihren Gefühlen leiten oder von Büchern inspirieren: «Die darin vorkommenden Fantasie- und Fabelwesen sind oft Vorlagen für meine Werke. Es ist eine Herausforderung etwas zu erschaffen, dass es eigentlich nicht gibt.» Meier malt gerne dann, wenn sie gerade erst aufgewacht ist: «Dann bin ich noch zu müde, um gross nachzudenken, wie ich was darstellen möchte.»

Simone Meier zeigt ihre Werke im eigenen Grafik-Atelier an der Bremgartner Rechengasse.

Simone Meier zeigt ihre Werke im eigenen Grafik-Atelier an der Bremgartner Rechengasse.

Von geltenden Stilmitteln oder Voraussetzungen lässt sich die Grafikerin nicht einschränken. Sie malt auf allen möglichen Flächen, mit verschiedenen Materialien und Techniken. Sie macht einfach das, was ihr gerade gefällt, und ist damit erfolgreich: «Einige Bilder habe ich bereits verkauft. Am liebsten würde ich die Werke den Leuten einfach schenken, aber es steckt doch viel Engagement dahinter.»

Die Motivation zum Malen findet Simone Meier im Ausgleich zum Alltag und ihrer Arbeit als Grafikerin: «Im Grafikgewerbe geht es ums Funktionale und Materielle, wobei Malen eine schon fast therapeutische Wirkung hat.» Wenn Simone Meier zeichnet, vergisst die Künstlerin ihre Sorgen. «Mir kommt es manchmal so vor, als würde das Bild meine darin investierte Energie aufnehmen.»

Ein Zeichen zum Weitermachen

Am letzten Artwalk Festival in Bremgarten stellte Meier ihre Bilder das erste Mal aus. Warum tat sie das nicht schon früher? «Ich glaube die Angst davor, nicht genügend gut zu sein, hinderte mich daran.»

Neue Begegnungen bestärkten Meier aber, ihr Hobby stärker zu gewichten, es gar von einer Freizeitbeschäftigung zu einem zweiten Beruf zu machen: «In letzter Zeit kamen immer mehr Leute zu mir und haben mit Komplimente zu den Bildern gemacht. Ich denke, das ist ein Zeichen.»