Grossratswahlen 2020

Diese Freiämterin will sich engagieren und ein Vorbild für Frauen sein

Marlis Villiger möchte sich in Aarau bei erfolgreicher Grossratswahl für bessere Familienpolitik starkmachen.

Marlis Villiger möchte sich in Aarau bei erfolgreicher Grossratswahl für bessere Familienpolitik starkmachen.

Die Familienpolitikerin Marlis Villiger (CVP) aus Auw kandidiert für den Grossen Rat. Der AZ erklärt sie, für welche Anliegen sie sich dort einbringen will.

In Marlis Villigers Büro im Gemeindehaus in Auw steht ein kleines Holzwägelchen. Das erhielt sie von ihren Gemeinderatskollegen geschenkt, als sie die Wahl zur Frau Gemeindeammann vor drei Jahren schaffte. Gemeinsam mit dem Holzspielzeug versprachen ihr die Ratskollegen, ihr den Rücken zu stärken und gemeinsam am selben Karren zu ziehen.

«Diese Unterstützung habe ich nach wie vor, das erleichtert meine Arbeit ungemein», lobt sie die Teamarbeit. Vor Menschen hinstehen, das liege ihr nämlich gar nicht, betont die Frau mit den lockigen Haaren. So konnte sie sich nach dem Rücktritt des langjährigen Gemeindeammanns Paul Leu erst gar nicht vorstellen, in seine grossen Fussstapfen zu treten. Ihren Amtskollegen gelang es aber, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Nervös sei sie auch jetzt noch bei jedem wichtigen Termin, versichert sie lachend. «Aber die Arbeit im Gemeinderat ist spannend und bringt mich weiter.»

Dabei hat sie so viel zu sagen. «Ich stehe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und für flexible Arbeitszeitmodelle ein», nennt die Grossratskandidatin, die für die CVP kandidiert, ihre politischen Ziele. Als Mutter dreier Kinder hat sie das klassische Familienmodell gelebt. Das sei den Umständen geschuldet und für sie kein Problem gewesen, kommentiert die 52-Jährige.

Von der Charcuterie über Zahlen zur Politik

Marlis Villiger wuchs als jüngstes von fünf Kindern in Auw auf. Ihre Eltern führten die Gastwirtschaft Ochsen, der eine Metzgerei angegliedert war. Schon früh lernte sie, anzupacken und mit Menschen verschiedenster Couleur auszukommen. «Als Tochter eines Metzgers lag es nahe, dass ich Charcuterie-Verkäuferin lernte», blickt sie zurück.

Nach der Ausbildung besuchte die begeisterte Roman-Leserin die Handelsschule und wagte einen Abstecher in die Hotellerie. Doch nicht für lange. Es folgte die Stelle bei der Finanzbuchhaltung der Schindler Aufzüge AG. Die Arbeit mit Zahlen, so schwärmt sie, sei genau das Richtige gewesen. Nach der Geburt der Kinder Petrissa (24), Maurus (22) und Samuel (20) konzentrierte sie sich auf die Familienaufgaben, «so konnte ich meinem Mann den Rücken freihalten», fügt sie an. Gemeinsam mit ihrer Familie zog sie 2003 von Baar wieder nach Auw. «Mein Mann und ich sind beide in Auw aufgewachsen und hier verwurzelt.»

Kaum war die begeisterte Hundehalterin zurück in ihrem Heimatdorf, wurde sie für verschiedene Ämter angefragt: «Ich habe im Vorstand des Elternvereins mitgearbeitet und unter anderem geholfen, den Ferienpass ins Leben zu rufen», erzählt sie nicht ohne Stolz. Daneben engagierte sie sich im OK des Theaters, organisierte Kirchenfeiern für Kinder und war Vorstandsmitglied der Damenriege. «Und an der Gemeindeversammlung meldete ich mich auch hin und wieder zu Wort», nennt sie die Gründe, die zu ihrem politischen Engagement geführt haben. Nach dem Beitritt zur CVP dauerte es nicht lange, bis sie für das Gemeinderatsamt angefragt wurde.

Daheim wurde schon immer politisiert

«Bei uns wurde immer politisiert. Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist, wie ich an der Hand meiner Mutter zum Wahllokal spaziere», erzählt sie. Ein Engagement in der Wohngemeinde war also die logische Fortsetzung. Die Einführung eines Mittagstisches und von Randstundenbetreuung waren die ersten Geschäfte, die sie an die Hand nahm. Nebst diesem Angebot von den Gemeinden erwartet Villiger auch das Entgegenkommen der Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und Jobsharing.

Für diese Anliegen möchte sie sich nun auch im Grossen Rat einbringen. Dass ihre Wahlchancen mit dem Listenplatz fünf gering sind, stört sie keineswegs, «ich will mich einbringen und engagieren und damit auch ein Vorbild für andere Frauen sein», nennt sie die Motivation für ihre Kandidatur.

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