Ungarn
Diese Freiämterinnen führen einen Gnadenhof für Tiere – zur Stemmung der Kosten brauchen sie Hilfe

Esther und Fabienne Frey aus Dottikon fanden ihre Lebensaufgabe in Ungarn. Dort führen sie einen Gnadenhof für Tiere. Nur die Finanzierung der Einrichtung bereitet dem Paar Bauchschmerzen.

Nathalie Wolgensinger
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Fabienne (links) und Esther Frey hoffen, dass ihr grosser Weihnachtswunsch, eine Spende für die Hunde, in Erfüllung geht. Hüpfte von der Strasse in die Frauenherzen: Welpe Madár. Auch Schafe gehören zum Tierpark der beiden Freiämterinnen.
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Hüpfte von der Strasse in die Frauenherzen: Welpe Madár.
Auch Schafe gehören zum Tierpark der beiden Freiämterinnen.

Fabienne (links) und Esther Frey hoffen, dass ihr grosser Weihnachtswunsch, eine Spende für die Hunde, in Erfüllung geht. Hüpfte von der Strasse in die Frauenherzen: Welpe Madár. Auch Schafe gehören zum Tierpark der beiden Freiämterinnen.

Bilder: zvg

«Wir hoffen auf ein Weihnachtswunder»: Mit diesem dring­lichen Aufruf wenden sich Esther und Fabienne Frey an ihre Freunde auf Facebook. Die beiden Frauen, die im Freiamt aufgewachsen sind, leben seit etwas mehr als einem Jahr in Ruzsa, einem kleinen Dorf im Süden Ungarns. Hier fanden sie auf einem ehemaligen Einsiedlerhof auf 6000 Quadratmetern Land ihr Glück und führen ein einfaches, zurückgezogenes Leben mitten in der Natur mit vielen Tieren.

Dass sie nun auf ein Weihnachtswunder hoffen, dort, in ihrem Paradies, hat mit Tieren zu tun. Mit Hunden im Speziellen. Bis vor ihrer Auswanderung führten sie gemeinsam ein Hundehotel und eine Hundeschule in Dottikon. Die Sehnsucht nach Ruhe und Freiheit war es, die sie nach Ungarn brachte.

Wenn der Bürgermeister ans Gartentor klopft...

Dass zwei tierliebende Frauen in das 2800-Seelen-Dorf zogen, blieb ihren neuen Nachbarn nicht verborgen. Kaum auf ihrem Hof angekommen, begannen sie, Zäune um das Haus zu ziehen, damit ihre Vierbeiner nicht ausbüxen. Und während sie noch Hühner, Geissen und Schafe bei sich einquartierten, klopfte es ein erstes Mal ans Gartentor. Es war der Bürgermeister, der darauf bestand, dass sie sich einen Hund anschauen. «Wir kennen im Dorf einen jungen Mann, der gut Deutsch kann. Er übersetzte für uns», erzählt Esther Frey.

So erfuhren sie, dass auf dem Grundstück des Bürgermeisters ein Hund lebte, der offensichtlich nicht dort hingehörte. So kam Emely in ihr Leben, eine weisse Mischlingshündin, die bis auf die Knochen abgemagert und voller Läuse war. «Wir konnten sie nicht ihrem Schicksal überlassen», erinnert sich Fabienne Frey.

Hund Madár kam, sah und siegte

Heute lebt auf ihrem Gnadenhof nebst ihren acht Hunden, Geissen, Schafen, Hühnern und Katzen auch noch Welpe Madár. «Er ist uns buchstäblich vor das Auto gelaufen», erzählt Fabienne Frey. Fast hätte das Ehepaar den kleinen Racker auf der Überlandstrasse überfahren. «Ich bin sofort aus dem Auto ausgestiegen und wollte ihn von der Strasse bringen», erzählt sie. Die Aktion endete damit, dass ihr der Hund nicht mehr von der Seite wich und die beiden ihn schliesslich mitnahmen. «Er war abgemagert bis auf die Knochen, stank erbärmlich und war offensichtlich verwaist», ergänzt Esther Frey.

Wenige Tage später sollte sich herausstellen, dass sie ihm das Leben gerettet hatten: Madár litt an Babesiose, der sogenannten Hundemalaria. Das Schicksal des damals vier bis fünf Monate alten Welpen steht stellvertretend für viele seiner Artgenossen. «Hunde sind in Ungarn dazu da, um Haus und Hof zu bewachen. Die Welpen werden an Wochenmärkten verkauft. Sind sie zu alt, will sie keiner mehr. Dann haben sie Glück, wenn sie ausgesetzt und nicht zu Tode geprügelt werden», erzählt Esther Frey.

Die 50-Jährige verurteilt dieses Handeln nicht: «Die Menschen sind arm, es reicht kaum zum Leben. Da verwundert es nicht, dass Tiere nicht diesen Stellenwert haben wie bei uns im Westen.»

Nun musste das Ehepaar einen Grundsatzentscheid fällen: Wie weit öffnen sie ihre Türen für herrenlose Tiere? Mittlerweile hatten auch einige verwahrloste Büsi ein neues Daheim bei ihnen gefunden.

Die Finanzierung sorgt für Bauchschmerzen

Die Futter- und Tierarztkosten übersteigen bei weitem die finanziellen Mittel des Ehepaares. Sie leben vorwiegend vom Ersparten und von den Pachtzinsen ihres Hundehotels. «Wir haben beschlossen, dass wir einen Gnadenhof gründen und für zwei Hunde eine Pflegestelle einrichten», erzählt Esther Frey. Die dazu benötigten Hundehütten haben die beiden eigenhändig gezimmert. Diese sind zwar isoliert, benötigen aber eine zusätzliche Heizung für die kalten Nächte. Die Heizung soll mit Solarenergie gespeist werden.

Die Finanzierung sorgt nun für Bauchschmerzen beim Ehepaar. Die Investitionen von 5000 Franken können sie nicht selbst stemmen. Von befreundeten Tierschützern haben sie eine Spende erhalten. Nun fehlen noch rund 3500 Franken. Die Coronapandemie macht sich mit Zurückhaltung bei den Spendengeldern im Tierschutz bemerkbar. «Wir sind keine blauäugigen Tierschützer. Wir beschränken uns auf diese zwei Pflegestellen. Wenn ein Hund vermittelt werden kann, wird ein Platz für einen neuen frei», so Fabienne Frey. So ermöglichen sie im Kleinen ein grosses Glück für ungarische Hunde.

Gnadenhof Regenbogen Mehr zum Gnadenhof und zur Sammelaktion gibts auf Facebook unter Tanya Szivárvány/Gnadenhof Regenbogen.

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