Sozial und umweltfreundlich

Diese Menschen retten jede Woche gut 100kg Essen und geben es gratis an Bedürftige weiter

Aufgetischt statt weggeworfen – das neue Team in Oberlunkhofen ist bereit.

Aufgetischt statt weggeworfen – das neue Team in Oberlunkhofen ist bereit.

Das Projekt «Aufgetischt statt weggeworfen» gibt es nach dem Mutschellen jetzt auch im Kelleramt/Bremgarten, in Oberlunkhofen und Bremgarten.

«Dürfte ich vielleicht diese Cherry-Tomaten haben? Und diesen Salat und das Stück Fleisch? Danke vielmals», sagt eine Frau mittleren Alters, die sich sehr darüber freut. Vor ihr bietet sich ein Bild wie im Einkaufsladen. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie am Dienstagabend in Oberlunkhofen bei «Aufgetischt statt Weggeworfen» ansteht und nicht beim Grossverteiler.

Trauben, Blumenkohl, Fleisch und drei Kisten Brot

Zu haben ist praktisch alles, was das kulinarische Herz an Frischeprodukten begehrt. Früchte wie Bananen, Pfirsiche, Trauben oder Johannisbeeren, Gemüse wie Rüebli, Blumenkohl, Kartoffeln oder Kohl. Dazu kommen Käse, Pilze, Fleisch, Milchprodukte, einige Getränke und drei Kisten Brotsorten. Rund 120Kilo Lebensmittel haben die Helfer der neuen Regionalgruppe Kelleramt-Bremgarten von «Aufgetischt statt Weggeworfen» an diesem Abend vor der Entsorgung gerettet. «Die Ware können wir jeweils nach Ladenschluss bei Migros und Coop in Bremgarten sowie der Bäckerei Schwager gratis abholen. Alles ist noch einwandfrei geniessbar, steht aber kurz vor dem Ablaufdatum. Manchmal sind auch Produkte dabei, bei denen nur die Verpackung leicht beeinträchtigt ist», erklärt Doris Peier, die Leiterin der Regionalgruppe Kelleramt. Seit Mitte August verteilen sie und ihr rund 30-köpfiges Helferteam am Dienstagabend in Oberlunkhofen und am Donnerstagabend in Bremgarten die Lebensmittel.

Ein Angebot für Flüchtlinge und Sozialhilfebezüger

Am Abgabeort ist das Team von «Aufgetischt statt Weggeworfen» mit Kühlschrank und Tiefkühler bestens eingerichtet. Zum Bezug berechtigt sind Sozialhilfeempfänger, Flüchtlinge, Bezüger von Ergänzungsleistungen. «Sie können bei ihrer Gemeindeverwaltung eine Bezugskarte abholen. Allgemein Armutsbetroffene dürfen sich an die Kirchgemeinde oder die Caritas wenden», sagt Doris Peier. Bedingung ist einzig der Wohnsitz in einer Kellerämter Gemeinde oder in Bremgarten.

«Wir möchten Angebote wie ‹Tischlein deck dich› ergänzen, das es zum Beispiel in Wohlen gibt», sagt Doris Peier. An diesem Abend erscheinen etwa zehn Personen in Oberlunkhofen. Die Lebensmittelabgabe ist strikt organisiert, einfach drauf los hamstern ist unmöglich. Als symbolischen Beitrag bezahlen die Lebensmittelbezüger einen Franken. Mit nummerierten Pingpong-Bällen wird gelost und die Reihenfolge bestimmt. Auf allen Bezugskarten ist die Haushaltsgrösse mit Anzahl Personen vermerkt. «So können wir eingreifen und verhindern, dass ein Alleinstehender zu viel für sich in Anspruch nimmt», sagt Doris Peier.

Weil die Warenmenge zurzeit sehr hoch ist, dürfen sich die Bezüger in bis zu drei Durchgängen an den beiden Tischen bedienen. «Am Ende kommt praktisch immer alles weg», freut sich Doris Peier. Tatsächlich: Was eben noch eine riesige Auslage an Lebensmitteln war, ist innert zehn Minuten leer. Glücklich verabschieden sich die Menschen mit ihren Säcken und Einkaufswägelchen ins Dunkle der Nacht. Die Möglichkeit, ihr knappes Haushaltsbudget entlasten zu können, schätzen sie sehr. «Im Schnitt verköstigen wir pro Abend 50 bis 80 Personen», erklärt Peier, bevor sich ihr Team ans Aufräumen macht. Eine Woche später werden wieder über 100 Kilo Lebensmittel vor der Tonne gerettet werden.

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