Dottikon/Hägglingen
Schulverbände «Am Maiengrüen» planen die Fusion: Auch die Primarschule Hendschiken soll mitmachen

Die Primar- und die Kreisschulverbände «Am Maiengrüen» mit den Standorten Hägglingen und Dottikon geben sich nach der Abschaffung der Schulpflege ab 2022 eine neue Struktur. Es soll nur noch einen Verband geben inklusive Integration der Primarschule Hendschiken. Die Hendschiker Schulpflege ist jedoch dagegen.

Marc Ribolla und Nadja Rohner
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Die drei Gemeinderäte von Hägglingen (Ammann Urs Bosisio, links), Hendschiken (Susanne Hofmann) und Dottikon (Franz Lötscher, Vizeammann) bei der Präsentation der neuen Struktur der Schule «Am Maiengrüen».

Die drei Gemeinderäte von Hägglingen (Ammann Urs Bosisio, links), Hendschiken (Susanne Hofmann) und Dottikon (Franz Lötscher, Vizeammann) bei der Präsentation der neuen Struktur der Schule «Am Maiengrüen».

Marc Ribolla

Derzeit laufen in vielen Gemeinden die Planungen, wie in Zukunft nach der Abschaffung der Schulpflege die Schule geführt werden soll. Intensiv daran sind auch die Gemeinden Hägglingen, Dottikon und Hendschiken.

Die beiden ersteren bilden seit 2003 den «Kreisschulverband Am Maiengrüen» (KSAM) mit der Oberstufe, zu welchem seit sieben Jahren auch die Oberstufe der Schule Hendschiken gehört. Seit 2014 ist auch der «Primarschulverband Am Maiengrüen» (PSAM) tätig, der bisher nur aus Hägglingen und Dottikon besteht. Die Kreisschule der Oberstufe besuchen rund 250 Schülerinnen und Schüler, in der Primarschule sind es knapp 510.

In zwei verschiedenen Arbeitsgruppen haben sich die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten mit der Umsetzung der neuen Führungsstruktur befasst. Hägglingens Gemeindeammann Urs Bosisio, gleichzeitig auch Präsident des Vorstands der PSAM, sagt: «Wir haben teilweise bereits vor dem Volksentscheid letzten Herbst damit begonnen. In den Arbeitsgruppen ging es einerseits um den Erhalt des schulischen Know-hows und wie die Kompetenzen künftig neu geregelt sind und andererseits um den politischen Aspekt, beispielsweise die Verbandssatzungen.»

Neuer Name lautet «Schulen am Maiengrüen»

In allen drei beteiligten Gemeinden fiel am Ende der Grundsatzentscheid, dass man beim System eines gemeinsamen Schulverbandes bleiben will. Die Erfahrungen seien positiv. Bosisio beschreibt einige Ziele so:

«Die Schüler sollen im Mittelpunkt bleiben, die Führung verschlankt und die Kompetenzen der Schulleiter klar geregelt sein.»
Das Schulhaus Risi in Dottikon ist einer der Standorte der «Kreisschule Am Maiengrüen».

Das Schulhaus Risi in Dottikon ist einer der Standorte der «Kreisschule Am Maiengrüen».

Marc Ribolla

Erreicht werden soll dies mit der Zusammenlegung der Kreisschule und der Primarschule zu einem einzigen Schulverband. Der neue Name lautet «Schulen Am Maiengrüen». Als zweite Neuerung soll mit der Reform auch die Primarschule Hendschiken integriert werden. Wird dieser Schritt vollzogen, kämen nochmals rund 135 Primarschülerinnen und -schüler in den Verband hinzu.

Primar-Standort Hendschiken bleibt erhalten

Urs Bosisio sagt: «Wir sind stark daran interessiert, dass Hendschiken auch mit der Primarschule dazukommt.» Dies würde beispielsweise im IT-Bereich das pädagogische Konzept vereinfachen. Dort gibt es zurzeit Unterschiede beim Übertritt der Hendschiker Primarschüler in die Kreisschule. Der Primarschulstandort Hendschiken soll aber auch im neuen Verband erhalten bleiben.

Hendschikens Gemeinderätin Susanne Hofmann erläutert, dass die erwähnten Vorarbeiten dem Rat den Anlass gaben, nun auch mit der Primarschule mitzumachen. Sie meint:

«Wir können jetzt noch aus einer Position der Stärke agieren. Es ist eine Chance für die Zukunft.»

Am 11. Mai soll das Vorhaben der Hendschiker Bevölkerung im Detail vorgestellt werden.

Die drei Gemeindeversammlungen entscheiden separat

Hägglinges Ammann Bosisio streicht hervor, dass in ihrem Fall die bisherigen Schulpflegeaufgaben nicht wie sonst oft üblich an den Gemeinderat, sondern an den Schulvorstand delegiert werde. Dieser soll aus sieben Mitgliedern bestehen: Drei aus Dottikon und je zwei aus Hägglingen und Hendschiken. Aus jeder Gemeinde muss ein Gemeinderat dabei sein.

In den kommenden Wochen werden die Satzungen des neuen Verbands definitiv ausgearbeitet, bevor die Stimmbürger an den Gemeindeversammlungen darüber abstimmen.

Die Hendschiker Schulpflege ist dezidiert gegen einen Zusammenschluss

In Hendschiken gibt es jedoch bereits Widerstand. In der «Dorfpost» legt neben dem Gemeinderat auch die Schulpflege ihre Sicht auf den Beitritt zum Schulverband dar – und die fällt negativ aus. «Unsere kleine Grösse ist unsere grosse Stärke», schreibt die Schulpflege, die das Projekt bereits in der Prüfungsphase ablehnte und – so heisst es in der «Dorfpost» – «entsprechend auch nicht interessiert ist, bei der Ausarbeitung der neuen Strukturen mitzuarbeiten».

Die Schulpflege streicht in ihrer Stellungnahme heraus, dass die Schulleitung heute die Kinder noch persönlich kenne, die Schule Hendschiken als gut funktionierendes System im Dorf verankert und die Identifikation der Lehrpersonen mit der Schule hoch sei. «Würde die Schule dem Schulverband beitreten und die Führung vor Ort aus der Hand geben, bestünde das Risiko, dass die Verbindung zum Dorf und zur Bevölkerung abnimmt.»

Neben einem möglichen Qualitätsverlust drohe auch eine höhere Personalfluktuation, schreibt die Schulpflege weiter. Sie sei der Meinung, dass die Schule Hendschiken eine sehr gut funktionierende und innovative Schule sei. Insgesamt sieht die Schulpflege die Lösung für die Neuorganisation der Führungsstrukturen «nicht in der Aufgabe der Autonomie der Primarschule». Sie könne sich vorstellen, für Hendschiken die Bildung einer Schulkommission anzustreben, «um den Gemeinderat bei seinen künftigen Aufgaben zu unterstützen».

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