In Bremgarten im Aargau gibts die Reuss, den Hexen- und den Spittelturm, die gedeckte alte Holzbrücke, die Fohlenweide und seit neuestem 58 XXL-Plätze im Parkhaus. In Bremgarten bei Bern fliesst die Aare der Gemeindegrenze entlang, eine Holzbrücke und XXL-Parkplätze gibt es nicht, aber immerhin ein paar Pferde und einen Kirchturm.

Was beiden Bremgarten fehlt, ist ein Flugplatz. Vom Aargauer Städtchen sind es 33 Kilometer bis zum Flughafen Zürich, 15 Kilometer bis zum Flugplatz Birrfeld und ebenfalls 15 Kilometer bis zum kleinen Flugfeld in Buttwil. Der Flughafen Belpmoos, von dem aus oft auch unsere Bundesräte zu ihren In- und Auslandreisen starten, ist von Bremgarten Bern nur rund 10 Kilometer Luftlinie entfernt, der kürzeste Weg mit dem Auto beträgt jedoch 16 Kilometer.

Direkter Weg per Flaschenpost

Wenn Bremgarter im Aargau oder Bremgartnerinnen im Kanton Bern eine Flaschenpost in die Reuss beziehungsweise in die Aare werfen, dann kommt diese unweigerlich irgendwann im Rhein bei Bremgarten im Breisgau an. Sofern sie nicht irgendwo im Ufergebüsch hängen bleibt, von einer Schiffsschraube kaputtgemacht oder frühzeitig von jemandem herausgefischt wird.

Bremgarten im Breisgau hat keinen Spittelturm, dafür einen Flugplatz-Tower.

Bremgarten im Breisgau hat keinen Spittelturm, dafür einen Flugplatz-Tower.

Bremgarten im Breisgau hat weder Hexen- noch Kirchturm und auch keine XXL-Parkplätze. Aber dort gibt es, was es weder in Bremgarten im Aargau noch in Bremgarten bei Bern gibt: einen Flugplatz.

Und der ist erst knapp 20 Jahre alt: Am Freitag, 6. Juni 1997, wurde der Flugplatz Eschbach-Bremgarten offiziell in Betrieb genommen. Es ist ein sogenannter Sonderlandeplatz mit 1650 Meter langer Piste sowie einer Grasbahn mit 780 Metern Länge und als solcher Teil des Gewerbeparks Breisgau, der rund 20 Kilometer südöstlich von Freiburg liegt. Zugelassen sind auf diesem Flugplatz Geschäfts- und Sportflugzeuge bis zu einem Gewicht von 20 Tonnen.

Initiative der Nato

Gestartet und gelandet worden ist auf diesem Gelände allerdings schon vor rund 70 Jahren. Die französischen Streitkräfte haben 1952 auf Initiative der Nato mit dem Bau des Flugplatzes Bremgarten begonnen, zwei Jahre später ist er eröffnet worden. 1969 wurde er dann von der Bundeswehr übernommen und war bis 1992 Standort des Aufklärungsgeschwaders 51.

Im Zuge der Wiedervereinigung ist das Areal später mit Unterstützung durch Bundesgelder zum interkommunalen Gewerbepark Breisgau gestaltet worden mit dem Ziel, so die Wirtschaft am Oberrhein zu stärken. Das Areal ist insgesamt rund 58 Hektaren gross. Vom Gewerbe wird rund ein Viertel der Fläche genützt, ein weiterer Viertel ist Wald und die übrige Hälfte Naturschutzgebiet. Der mittlerweile zivile Flugplatz konnte übrigens praktisch ohne Widerstand aus der Bevölkerung realisiert werden. Im Genehmigungsverfahren hat es lediglich eine private Einsprache gegeben.

Genügend Zeit einrechnen

Die Entwicklung hat die Vorzeichen allerdings verändert. 1997 wurden auf dem Flugplatz noch knapp 3500 Flugbewegungen verzeichnet, davon rund ein Drittel für das Gewerbe, unter anderem für die Kliniken in Bad Krozingen und Freiburg sowie für verschiedene Firmen in der Region. Mittlerweile werden auf den beiden Flugfeldern jährlich rund 45'000 Flugbewegungen verzeichnet.

Über 90 Prozent davon beträfen Hobbyflüge, und diese würden die Region und deren Bewohner vor allem am Wochenende stark belasten, moniert die Interessengemeinschaft Anti-Fluglärm Gewerbepark, die sich vor allem gegen diese Freizeit-Aktivitäten wendet und Einschränkungen des Flugbetriebs verlangt.

Nun wissen es die Bremgarterinnen und Bremgartner: Man kann per Kleinflugzeug direkt nach Bremgarten fliegen. Allerdings sollte man von dort aus für die Heimreise ins Freiamt oder in den Kanton Bern genügend Zeit einberechnen.