Türkisches Fast Food
Dürüm aus Seitan und Cappuccino mit Hafermilch – jetzt hat auch Wohlen seinen «Veganer»

Wo vorher der Chicorée Kleider verkaufte, serviert Turac Aslan seit Anfang Mai vegane Speisen und Getränke. So hat Wohlen an der Zentralstrasse 11 mit dem «Vegano» sein erstes veganes Bistro erhalten. Nur beim Kaffeerahm scheinen die Freiämter noch keine Kompromisse eingehen zu wollen.

Andrea Weibel
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Turac Aslan hat in Wohlen Anfang Mai das «Vegano» eröffnet. Dort verkauft er türkisches Fast Food, aber alles vegan.

Turac Aslan hat in Wohlen Anfang Mai das «Vegano» eröffnet. Dort verkauft er türkisches Fast Food, aber alles vegan.

Britta Gut (11. Mai 2021)

Darauf haben nicht nur eingefleischte Veganer lange gewartet: Endlich hat auch Wohlen einen «Veganer». Auf der Speisekarte stehen spannende Namen wie Cigköfte, Borani und Saksuka, aber auch Döner, Burger und Nuggets gibt es hier – nur eben alles ohne tierische Inhaltsstoffe. Letzteres mag einzelne Kunden abschrecken, das weiss der Inhaber Turac Aslan. Doch sein Ziel ist es, so lecker zu kochen, dass auch Nichtveganer nichts auf dem Teller vermissen.

Am 3. Mai hat der gebürtige Türke, der diese Woche seinen 50. Geburtstag gefeiert hat und seit 26 Jahren in der Schweiz lebt, sein neues Restaurant an der Zentralstrasse 11 direkt neben dem Manor eröffnet. Dort, wo bisher Chicorée Kleider verkaufte. Obwohl er wegen Corona noch keine Gäste drinnen, sondern nur im Aussenbereich bewirten darf, ist er positiv überrascht: «Vor allem am Wochenende waren viele Leute hier, haben Kaffee getrunken, aber auch bei mir gegessen.» Er kann berichten:

«Sie waren neugierig auf das neue Lokal und das vegane Essen. Ich habe fast ausschliesslich positives Feedback erhalten.»
Derzeit bietet das «Vegano» sechs Hauptspeisen, die je nach Laune ergänzt werden können. Bald sollen aber neue Rezepte folgen.

Derzeit bietet das «Vegano» sechs Hauptspeisen, die je nach Laune ergänzt werden können. Bald sollen aber neue Rezepte folgen.

Britta Gut (11. Mai 2021)

Das freut ihn umso mehr, weil er selber sehr hinter veganem Essen steht, obwohl er erst seit zwei Jahren Vegetarier ist. Aber wie kommt ein Türke, dessen Eltern Bauern waren und selber Kühe hatten, dazu, in Wohlen ein veganes Lokal zu eröffnen?

Der Name war sofort klar: «Komm, gehen wir zum Vegano!»

Vor 26 Jahren begann Aslan als Reinigungskraft in einem Restaurant in Basel seine Karriere in der Gastronomie. Er erzählt die klassische Geschichte: Er hat sich hochgearbeitet, wurde Tellerwäscher, später Pizzaiolo und hat am Ende sein eigenes Restaurant im Reusstal Center in Mellingen geführt. Ende Oktober 2019 verlängerte Coop wegen eines Umbaus den Mietvertrag jedoch nicht.

Turac Aslan hat in Wohlen Anfang Mai das «Vegano» an der Zentralstrasse 11 eröffnet; dort verkauft er türkisches Fast Food, aber vegan.

Turac Aslan hat in Wohlen Anfang Mai das «Vegano» an der Zentralstrasse 11 eröffnet; dort verkauft er türkisches Fast Food, aber vegan.

Britta Gut (11. Mai 2021)

Doch der einfallsreiche Gastronom verlor nicht den Mut. Er erinnert sich: «Auch durch Internetrecherchen habe ich gemerkt, dass gesunde, vegetarische und vegane Kost absolut im Trend liegt. Da ich selber ebenfalls dahinter stehen kann, kam mir die Idee, ein veganes Restaurant zu eröffnen.» Lachend fügt er hinzu:

«Der Name war sofort klar. Ich stellte mir vor, wie die Leute sagen würden: ‹Komm, gehen wir zum Vegano!›»

Das leer stehende Lokal habe ein Freund entdeckt und ihm Bescheid gegeben. «In Wohlen gibt es viele Restaurants und Take-aways. Aber ein veganes Restaurant fehlte noch», findet Aslan.

«Die Zukunft wird noch viele feine Rezepte bringen»

Neben dem veganen Essen ist ihm auch der Hintergrund der veganen beziehungsweise naturnahen Bewegung wichtig. «Ich weiss noch, wie meine Mutter die Kühe von Hand gemolken hat. Sie war nahe am Tier. Heute gibt es Melkroboter und grosse Schlachthäuser. Ich möchte das nicht weiter unterstützen. Aber ich möchte dennoch, dass die Leute gut essen können und nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen.»

Im Moment bietet er jeden Tag ein Menu an. Zudem gibt es sechs Hauptgerichte, die mit Saucen und Salaten frei wählbar angereichert werden können. «Nur Cigköfte, also Bulgur und Kräuter, kann nicht abgeändert werden», sagt er, und man spürt den Stolz des Kochs. «Das muss original sein, denn sonst würde man nur die Sauce schmecken, das wäre schade.»

Turac Aslan zeigt Alternativen für das klassische Kebabfleisch, das sind z.B. Seitanschnetzel, Kichererbsen oder Jackfruit.

Turac Aslan zeigt Alternativen für das klassische Kebabfleisch, das sind z.B. Seitanschnetzel, Kichererbsen oder Jackfruit.

Britta Gut (11. Mai 2021)

Er probiert immer neue Rezepte aus und möchte die Speisekarte möglichst bald erweitern. «Die Zukunft wird noch viele tolle Rezepte in mein Restaurant bringen», verspricht er. Als Dessert bietet er derzeit einzig ein Tiramisu an. «Auch da habe ich noch viele Ideen, aber im Moment bin ich alleine in der Küche und habe erst eine Angestellte, die am Morgen serviert, da fange ich lieber klein an und baue später aus.» Eine Angestellte für den Mittagsservice sucht er übrigens noch.

Auch hat er momentan von montags bis sonntags durchgehend geöffnet. «Die Leute sollen erst einmal entdecken können, was es hier alles Feines gibt. Danach kann ich immer noch einen freien Montag einlegen.»

Vielleicht kommen bald die veganen Gipfeli zum Kafi

Seine drei Kinder sind sich nicht ganz einig, was das neue Lokal des Vaters betrifft. «Mein mittlerer Sohn ist 16 Jahre alt und begeistert von der Idee. Mein ältester Sohn dagegen ist 21, isst sehr gerne Fleisch und versteht überhaupt nicht, was das soll», berichtet Aslan mit einem Lächeln. «Aber ich bin der Beweis: Seit ich mich seit zwei Jahren vegetarisch ernähre und auch auf gesunde Ernährung achte, habe ich viel Gewicht verloren und fühle mich richtig fit.» Dass er sich schon bald vegan ernähren könnte, schliesst er überhaupt nicht aus.

Veganes Cigköfte auf einer Basis von Couscous und Bulgur.

Veganes Cigköfte auf einer Basis von Couscous und Bulgur.

Britta Gut (11. Mai 2021)

Und auch, was seine Speisekarte angeht, hat er noch viele Ideen:

«Derzeit bin ich mit lokalen Bäckereien im Gespräch. Ich wünsche mir morgens vegane Gipfeli zum Kaffee.»

Und wer sich fragt, warum er das Tiramisu – ganz unökologisch – in Plastikbehältern anbietet, dem antwortet der neue Wohler Gastronom aufrichtig: «Wegen Corona gehen die meisten Desserts momentan als Take-away raus, darum stelle ich sie direkt in den Take-away-Plastikbehältern kühl. Aber auch das will ich unbedingt noch ändern und bin auf der Suche nach einer Alternative zum Plastik.»

Hummusbrot, getoppt mit speziell zubereiteten Kichererbsen und Jack-Fruit-Fleischersatz.

Hummusbrot, getoppt mit speziell zubereiteten Kichererbsen und Jack-Fruit-Fleischersatz.

Britta Gut (11. Mai 2021)

Wie sich selber muss er aber auch die Kundschaft teilweise erst an die vegane Idee gewöhnen. Einen Cappuccino mit Hafermilch kann er beispielsweise sehr empfehlen. «Aber ich weiss, dass einige Leute halt einfach ihr Rähmli zum Kafi möchten. Das ist die Ausnahme, die ich derzeit noch mache», berichtet er gut gelaunt.

Aargauer Gastro-News 2021:

Wohlen, 14. Mai: Turac Aslan hat in Wohlen Anfang Mai das «Vegano» eröffnet. Dort verkauft er türkisches Fast Food, aber alles vegan.
38 Bilder
Baden, 13. April: Tim Munz übernimmt das «Oberstadt». Der 31-Jährige ist mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet.
Mülligen, 21. April: Die Unternehmer Robin Deb Jensen und seine Frau Marloes Tjalsma übernehmen das Restaurant Müli.
Aarburg, 20. April: Gastro-Aargau-Präsident Bruno Lustenberger kocht im Hotel Krone wieder für seine Gäste.
Baden, 19. April: Die Restaurants dürfen ihre Aussenbereiche nach vier Monate langer Schliessung wieder öffnen. Rüeggs aus Untersiggenthal/Remetschwil gehören zu den ersten Gästen im «Schwyzerhüsli».
Baden, 8. April: Das «Armando’s Pane e Vino» feiert mitten im Lockdown Neueröffnung. Im Bild: Inhaber Joel Ibernini und seine rechte Hand, Gastgeberin Nora Fassino.
Künten-Sulz, 18. März: Spitzenkoch Manuel Steigmeier (26) vom Restaurant Fahr kocht neuerdings coronabedingt auch in den Küchen seiner Kunden als sogenannter «Störkoch». Daneben läuft weiterhin das Take-Away Angebot seines Restaurants.
Mülligen, 6. März: Tessa Schneider gibt ihr Restaurant Müli nach zehn Jahren auf.
Boswil, 3. März: «Löwen»-Wirt Pitsch Wyrsch (links) hält sein Take-Away Angebot weiterhin aufrecht. Seit Anfang März allerdings können «Büezer» über Mittag auch in seiner Beiz speisen.
Stein, 27. Februar: Das Alte Zollhaus am Steiner Brückenkopf bietet derzeit einen recht trostlosen Anblick. Bei der Referendumsabstimmung vom 7. März wird mitunter darüber entschieden, ob die Liegenschaft in private Hand wechselt, sowie aufgewertet und umgenutzt wird.
Waltenschwil, 26. Februar: Auf dem Parkplatz des Restaurants «Volare» sind derzeit keine Autos, sondern Wohnmobile zu finden. Adriano Caranci bewirtet seine Gäste in ihrem Wohnmobil auf seinem Restaurantparkplatz.
Unterentfelden, 24. Februar: Die Unterentfelder eine Sammelaktion für ihre einzige Dorfbeiz, das Restaurant Post, gestartet. Keine 24 Stunden später sind die 18'000 Franken bereits zusammen. Die der Wirtefamilie Sengül und die Initianten können es kaum fassen.
Wettingen, 24. Februar: Mit Ideenreichtum und kleinen Aktionen wie der Krisenkiste, der Quarantänebox oder einem Strassenverkauf stemmte sich Lägerebräu gegen die Auswirkungen der Pandemie. Das überschüssige Winterbier wurde unter die Leute gebracht.
Herznach, 23. Februar: Im Dezember 2020 haben Markus und Urs Müller die frühere Metzgerei Gasser übernommen. Das Team freut sich über den gelungenen Start: Das Geschäft sei «sehr gut angelaufen, die Umsätze stimmen».
Rheinfelden, 20. Februar: Am 1. April will ein neues Bistro am Rheinufer «festmachen:» «Dock 11» soll es heissen und laut Andreas Probst, der das Bistro mit seiner Schwester führen wird, Hafenfeeling im Zähringerstädtchen verbreiten.
Aarau, 17. Februar: Es ist noch ein langer Weg, bis das KIFF 2.0 eröffnet werden kann. Auf dem Weg zum grossen Ziel ist den Initianten aber ein grosser Schritt gelungen: Sie fanden in der Aargauischen Kantonalbank einen Hauptsponsor.
Baden, 17. Februar: Für Felix Meier, Chef von "Müllerbräu", gibt es trotz der schwierigen Lage aufgrund der Pandemie eine gute Nachricht: Die Leute trinken deutlich mehr Bier zu Hause als vor Corona.
Rietheim, 13. Februar: Sali Mehmetaj, der ehemalige Koch des Restaurants Krone, übernimmt auf Anfang März den Betrieb. Anbieten will er Schweizer und internationale Spezialitäten wie heisser Stein und als Besonderheit Cordon-bleu-Festival.
Bözen, 12. Februar: Das Restaurant Post bietet neben dem Take-away-auch ein «Do it yourself»-Angebot mit Video-Anleitung für den Genuss zu Hause.
Würenlingen, 12. Februar: Nach einem schwierigen Jahr für Andreas Meier, Besitzer des Weinguts zum Sternen, entstand die Idee, die Kunden mit einem Degustationskoffer mit zwölf verschiedenen Weinen «gluschtig» zu machen.
Stetten, 11. Februar: Auch Schnapsbrenner Lorenz Humbel setzt die Coronakrise zu. Doch Not machte erfinderisch: Mit seinem Desinfektoinsmittel auf Kirschbasis schaffte es Humbel mit dem «edelsten Desinfektionsmittel der Schweiz» in die nationalen Schlagzeilen.
Aarau, 8. Februar: Vor sieben Jahren rief Urs Marrer (l.) mit seinem langjährigen Freund, Küchenchef Robin Dürlewanger, das «Beluga» ins Leben. Einst zum besten Lokal Aaraus gekürt, muss das Restaurant nun wegen Krankheit und den Auswirkungen der Coronapandemie schliessen.
Endingen, 2. Februar: Patrick Arnold betreibt ab der kommenden Saison 2021 den Kiosk in der Badi Endingen. «Ich suche eine neue Herausforderung», sagt der gelernte Koch.
Muri, 29. Januar: Burkard Kreyenbühl bäckt vor seiner Filiale seit kurzem frisches Holzofenbrot. So kann er seine Angestellten in der Backstube trotz wegen Corona geschlossenem Café beschäftigen.
Gränichen, 29. Januar: Thomas Rey (63) war langjähriger Koch im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Im August geht er in Rente.
Niederrohrdorf, 25. Januar: Roberto Kaiser war im Catering tätig. Seit Corona betreibt er einen VW-Foodtruck und serviert unter anderem Uruguayische Chivitos und argentinische Chimichurri-Sauce.
Uezwil, 12. Januar: Generationen kauften im Uezwiler «Stiefeliryter» Brot, assen im Restaurant oder tranken in der Bar. Mitte Januar wird er abgerissen.
Schöftland, 10. Januar: Das Lokal «Haltestelle» wurde abgerissen. Die Schöftler Innenarchitekten Markus Würgler und Dominic Bäni bewahrten 33 Stühle vor der Schuttmulde
Veltheim, 6. Januar: Pächter Christian Schübert will im Februar mit dem Konzept «Trinity» im Gasthaus Bären neu starten.
Bad Zurzach, 4. Januar: Der Traditionsgasthof Schlüssel verschwindet. An seiner Stelle werden Wohnungen gebaut. Das Tavernenrecht im seit zwei Jahren leerstehenden Gebäude im Bad Zurzacher Ortskern bleibt allerdings erhalten.
Wohlen, 4. Januar: Mit der Eröffnung ihres «Tom’s Diner» in Wohlen erfüllt sich für Carmen Stadelmann und Thomas Gieler heute ein lang gehegter Traum.
Leibstadt, 31. Dezember: Ein halbes Jahrhundert haben Theres und Urs Welte-Michel ihre Gäste im Landgasthaus «Schützen» bewirtet. 1970 übernahmen sie es in dritter Generation – jetzt schalten sie einen Gang zurück.
Villmergen, 31. Dezember: Die Wohler Frits van der Graaff und Sarah Dubler wagen trotz Coronakrise etwas in der Gastronomie und haben das Villmerger Bistro «Güggibueb» neu gepachtet.
Schinznach, 22. Dezember: Rettung in letzter Sekunde: Der «Bären» schlägt im 2021 neues Kapitel auf. Der Betrieb des Schinznacher Gasthofs soll dank einer neuen GmbH gewährleistet bleiben.
Wohlen/Brugg, 22. Dezember: Weil die Kunden wegblieben, hat Marco Polo seine Hotels in Wohlen und Brugg zu möblierten Wohnungen umgestellt. Das Hotel Sonne in Bremgarten bleibt wie bisher. Und in Bremgarten gibt es bald Take-away-Sushi.
Gränichen, 17. Dezember: Ein emotionales Schreiben erreichte die Gäste des Erlebniswirtshaus Rütihof am Mittwoch. Wirt Andreas Fetscher informiert über die temporäre Schliessung bis März 2021 – aber auch über die ungewisse Zukunft.
Bözberg, 17. Dezember: Die Türen des traditionsreichen Landgasthofs Vierlinden an der Bözbergstrasse bleiben zu. Im Amtsblatt ist der Konkurs der Vierlinden Gastro GmbH vorläufig publiziert.
Koblenz, 16. Dezember: Ferdinand und Angie Breg verkaufen die Liegenschaft samt Gasthaus «Engel». Was mit dem Lokal passiert, ist ungewiss. Das Ehepaar hat derweil im Kanton St. Gallen eine neue Herausforderung gefunden.

Wohlen, 14. Mai: Turac Aslan hat in Wohlen Anfang Mai das «Vegano» eröffnet. Dort verkauft er türkisches Fast Food, aber alles vegan.

Britta Gut