Annie Taylor

Ehre für Bremgarter Bassist und seine Band: «Wir konnten es kaum fassen»

Die Band Annie Taylor mit Bassist Michael Mutter (rechts) ist SRF3-Best-Talent des Monats September.

Die Band Annie Taylor mit Bassist Michael Mutter (rechts) ist SRF3-Best-Talent des Monats September.

Der Bremgarter Bassist Michael Mutter und seine Band Annie Taylor sind in diesem Monat SRF3 Best Talent.

Eigentlich startete die Band Annie Taylor gut ins neue Jahr. Ihr allererstes Album war fertig und der Kalender voll mit Liveauftritten in der ganzen Welt. Dann folgte die grosse Enttäuschung: «Am 12. März haben wir auf der US-Botschaft unsere Visa abgeholt. Und einen Tag später kam der Lockdown», erinnert sich der in Bremgarten aufgewachsene Bassist Michael Mutter. Ihre US-Tournee fiel ins Wasser, der Auftritt am South by Southwest, einem der grössten Festivals der Welt, wurde abgesagt und auch die Konzerte in der Schweiz konnten nicht stattfinden.

Doch dann kam SRF3 und setzte dieser Pechsträhne ein Ende. «In der letzten Augustwoche lud der Radiosender Jan und Gini unserer Band zu einem Interview ins Studio ein. Da wurde ihnen überraschend mitgeteilt, dass wir als Best Talent für den Monat September auserkoren worden waren. Wir konnten es kaum fassen», erzählt Mutter lachend.

Dieser kleine Ritterschlag kam pünktlich zum Erscheinen ihres Albums «Sweet Mortality», das seit dem 4. September erhältlich ist. Und obwohl die Songs vorher schon im Radio liefen, gewann die Band noch einmal an Bekanntheit. Zum Glück, denn ihre Geschichte ist es wert, erzählt zu werden.

Sängerin Gini wollte mal ein Rockstar werden

Allein schon die Entstehungsgeschichte ist einzigartig. Sängerin Gini Jungi hat vor einer Handvoll Jahren zusammen mit Michael Mutter in einer Bar in Laax gejobbt. Schlagzeuger Jan Winkler war dort Snowboardlehrer, ebenso wie ein guter Freund des Gitarristen Tobi Arn. «Eines Abends trafen wir uns alle in einer Bar. Tobi und ich spielten bereits in Bands und fingen an über Musik zu sprechen.»

Gini war als einzige in keiner Band. «Doch sie sagte, sie werde mal Rockstar», erinnert sich der Bassist schmunzelnd. «Als Gini mich irgendwann fragte, ob ich in der Band mitmachen wolle, war ich nicht sehr begeistert. Ich weiss, wie viel Arbeit es ist, so ein Projekt zu starten. Aber als sie mir ein paar Stücke gezeigt hatte, fand ich die so geil, dass ich nicht wollte, dass jemand anderes sie spielen würde.»

Die Songs könnten gut aus den 80er und 90ern stammen, enthalten aber auch Elemente aus früheren Jahrzehnten. Auf Facebook steht zur Musikrichtung: «Grunge, psychedelic Rock, Space Pop Baby.» Welcher Stil beschreibt die Band am besten? «Unser Stil?», fragt Mutter zurück. «Das sind einfach wir.» Meist bringe die Sängerin neue Textzeilen oder Riffs mit in die Proben, die gemeinsam weiterentwickelt würden. «Wir wollen uns in keine Schublade pressen. Wir haben einfach Spass daran, unsere eigenen Ideen hineinzuspielen. Ich wüsste wirklich nicht, wie ich es anders beschreiben könnte.»

In einem Holzfass die Niagarafälle hinunter

Im neuen Album gehe es oft um Alltagssituationen. «Wir wollen niemanden belehren, sondern erzählen, was wir erleben», hält der Harley-Davidson-Verkäufer fest. Im Song «Lucy» kommt beispielsweise Satan vor. «Um das klarzustellen: Wir sind keine Satanisten», so Mutter. «Im Song geht es darum, dass man zu 100 Prozent alles richtig machen müsste, um den Jesusweg zu gehen. Dabei ist es doch völlig legitim, sich auch mal ein Bier zu viel zu gönnen oder zu rebellieren, so lange es moralisch vertretbar ist. Deswegen ist man kein schlechter Mensch.»

Das passt auch zu Annie Taylor, der Frau im Bandnamen. Wieder lacht Mutter. «Wir suchten nach einer starken Frau für den Bandnamen. Da kam unserem ehemaligen Schlagzeuger Anna Edson Taylor in den Sinn, eine 63-jährige Lehrerin, die, um Geld zu verdienen, 1901 den Versuch wagte, in einem Holzfass die Niagarafälle hinunterzufahren. Sie war die erste, die das überlebte. Später ging sie damit als Freakshow auf Tournee. Doch das Fass wurde gestohlen und sie starb mausarm in einem Kloster. Wir fanden das eine abenteuerliche Geschichte.»

Die Band freut sich auf die kommenden Liveauftritte und ihre Plattentaufe am 2. Oktober. «Wir hatten viel Spass im Studio, aber im Grunde sind wir durch und durch eine Liveband.»

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