Bremgarten
Ein Mann mit einem riesigen Herzen: Armando Caravetta führt seit 1972 das Centro Italiano

Der 79-Jährige hilft in Bremgarten und Umgebung seit Jahrzehnten seinen Landsleuten und organisiert Reisen. Für seine Treue zur Feriendestination Gabicce Mare wurde er vom dortigen Bürgermeister ausgezeichnet.

Simon Kuhn
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Armando Caravetta

Armando Caravetta

Simon Kuhn
Armando Caravetta zusammen mit dem Bürgermeister von Gabicce Mare

Armando Caravetta zusammen mit dem Bürgermeister von Gabicce Mare

Zur Verfügung gestellt

Das Centro Italiano ist zwar klein und etwas versteckt, aber in Bremgarten weitbekannt. An den Wänden des Restaurants an der Schenkgasse 6 hängen verschiedene Bilder, Fotos und anderen Erinnerungen des 79-jährigen Armando Caravetta.

Man merkt sofort, wie viel Herzblut hinter dem Projekt steckt. Das Centro Italiano ist nämlich noch viel mehr als nur ein Restaurant. Es handelt sich um einen Verein, der sich für ausgewanderte Italiener einsetzt. Caravetta ist der Präsident davon.

Direkt neben dem Restaurant befindet sich auch gleich sein Büro. Dort engagiert er sich für die «Associazione Italiana Tutela Emigrati Famiglie» und hilft auch allen anderen Italienern aus der Region. Er bietet, ohne Geld zu verlangen, Beratungen an, hilft bei Problemen und verhandelt auch mit Behörden, damit es seinen ausgewanderten Landsleuten in der Schweiz so gut wie möglich gehen kann.

Ausgezeichnet vom Bürgermeister von Gabicce Mare

Mit demselben Personenkreis, den er unterstützt, aber auch mit weiteren interessierten Schweizern und Italienern, fährt er jährlich nach Gabicce Mare, eine kleine Stadt in der Nähe von Rimini. «Es ist ein unglaublich schöner Ort», sagt Caravetta. «Es ist sauber, hat eine zuverlässige Polizei und unglaublich nette Leute. Man fühlt sich dort richtig in Italien.»

Seit über 20 Jahren ist dies nun sein Hauptreiseziel, einzig das Hotel musste aus Platzgründen gewechselt werden. Wegen seiner Treue zu dieser Feriendestination, wurde er dieses Jahr sogar vom dortigen Bürgermeister mit einer Dankesurkunde ausgezeichnet.

Armando Carvetta unterstützt seine Landsleute, seit er 1960 in die Schweiz kam. Damals hatte er seine Heimatstadt Cosenza im Süden Italiens verlassen, um in der Schweiz Arbeit zu finden. Er absolvierte eine Ausbildung zum Maurer, musste aber kurze Zeit später nach einem Arbeitsunfall damit aufhören.

Später eröffnete er einen italienischen Feinkostladen in Wohlen, den er 35 Jahre lang führte. «Das Centro Italiano gründete ich 1972, aber schon vorher standen die Türen meines Büros offen für alle, die meine Hilfe brauchten. Der Standort davon änderte sich aber einige Male.»

Seitdem engagiert er sich immer mehr in diversen Bereichen. Unter anderem organisiert er regelmässig einen Bus, um nach Italien einkaufen zu gehen, ist seit 14 Jahren freiwilliger Fahrer für das Rote Kreuz und zudem Korrespondent für das italienische Konsulat in Basel.

Peter Hochuli, Gemeindeammann von Unterlunkhofen, beschreibt ihn als «einen Mann mit einem überdimensionalen Herzen.» Hochuli wurde durch Caravettas grosses Engagement auf ihn aufmerksam. Mittlerweile ist auch er ein Teil des Vereins und unterstützt den Italiener in verschiednen Bereichen, wie etwa bei Anlässen oder während Verhandlungen mit Behörden. Hochuli sagt: «Armando Caravetta denkt immer zuerst an alle anderen und erst ganz am Schluss an sich selbst.»

Für immer ein wichtiger Teil von Bremgarten

Der Italiener wird nächstes Jahr 80 Jahre alt, aber das Centro Italiano zu schliessen, ist für ihn noch keine Option. Trotzdem braucht er irgendeinmal einen Nachfolger. «Ich will jemanden finden, der meine Arbeit gleich engagiert weiterführt und sich genauso für seine Mitmenschen einsetzt», erzählt Caravetta.

«Leider habe ich eine solche Person noch nicht gefunden. In der Schweiz scheint es nur einen Armando zu geben», ergänzt er lächelnd. Leider verlieren Caravettas Dienstleistungen langsam an Kundschaft. Er sagt: «Die jüngeren Leute brauchen meine Hilfe weniger. Sie können meistens gut Deutsch und sind in der Regel auch besser integriert.»

Aber auch das Restaurant hat in den letzten Jahren immer weniger Kundschaft. «Viele der älteren Italiener sind nach ihrer Pensionierung zurück nach Italien gezogen», sagt Caravetta. «Mein Restaurant ist aber natürlich nicht nur für Italiener. Jeden Abend ist dieser Tisch voll mit Schweizern», sagt er und zeigt auf einen 12er-Tisch. «Hier ist jeder willkommen.»

Das Centro Italiano und Armando Caravetta werden für immer ein Teil von Bremgarten bleiben und dies nicht nur im übertragenen Sinne. Caravetta erzählt: «Ich habe mich und das Centro Italiano in einem der neuen Pflastersteine in der Altstadt von Bremgarten verewigen lassen. So wird das Centro Italiano nie vergessen werden.» Dies würde aber auch ohne den Pflasterstein sicher nicht so schnell passieren.

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