Zwei gefälschte Unterschriften brachten Anton, 62 (Name geändert), in die Bredouille. Er, der bisher unbescholten war, nahm bei seiner damaligen Geliebten 2010 ein Darlehen von 35 000 Franken auf. Nach dem Tod der Frau meldete sich ihr Ehemann. Er zeigte den Nebenbuhler an, weil dieser das Darlehen nie zurückbezahlt haben soll. Nachdem mehrere Jahre verstrichen sind, musste sich der Bremgarter Bezirksgerichtspräsident Lukas Trost gestern mit dem Fall befassen.

Anton wehrte sich gegen den Vorwurf der Urkundenfälschung. Er legte über seinen Anwalt eine von seiner Geliebten unterzeichnete Bestätigung vor, wonach er das Darlehen getilgt habe. Nur: Anton habe die Unterschrift auf dieser Erklärung gefälscht und einen mit seiner Freundin abgeschlossenen Autoleihvertrag fingiert, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Das warf ihm die Staatsanwaltschaft vor. Das Auto habe er zudem widerrechtlich verkauft. Wie kamen die Unterschriften auf die Dokumente? Anton wollte sich nicht konkret dazu äussern. Aber er habe nichts Unrechtes begangen. Vielmehr habe er seiner Geliebten eine Arbeitsstelle vermittelt, sie entlöhnt und sie finanziell unterstützt. «Wir waren fünf Jahre lang zusammen», sagte Anton.

Dem Anwalt des Ehemannes kam die Sache merkwürdig vor. Die Unterschriften seien kriminaltechnisch untersucht worden. Dabei habe man festgestellt, dass mindestens eine Unterschrift gefälscht sei, denn diese gleiche der anderen wie einem Ei dem anderen. Das sei höchst verdächtig und deute auf eine Fälschung hin. Der Urheber müsse Anton sein. Dafür müsse Anton angemessen bestraft werden. Zudem müsse er dem Ehemann 45 000 Franken plus Zinsen zurückzahlen und die Anwalts- und Verfahrenskosten übernehmen.

Vorwürfe an Staatsanwaltschaft

Antons Verteidiger führte an, hier werde ein Rachefeldzug inszeniert. Sein Mandant solle als Nebenbuhler «nachträglich gequält und bestraft» werden. Die Staatsanwaltschaft habe die Vorwürfe zu wenig konkret dargestellt. In diesem Fall würden die vom Bundesgericht aufgestellten Anklageprinzipien gleich mehrfach verletzt. Sein Mandant sei unschuldig und müsse freigesprochen werden.

Gerichtspräsident Lukas Trost wies die Kritik vehement zurück. In den Kernpunkten, der Urkundenfälschung, äussere sich die Staatsanwaltschaft präzis. Was daneben passiert sei und ob und wie Geld geflossen sei, interessiere ihn nicht. Sicher sei aber, dass Anton mehrmals gelogen habe.

«Die Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt», sagte der Gerichtspräsident. In einem emotionalen Umfeld bleibe ein schaler Beigeschmack zurück. Trost wies die Zivilforderungen des Strafklägers ab, zumal sie ohnehin zu spät eingereicht worden seien. Er verurteilte Anton zu einer bedingten Geldstrafe von 33 600 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von 8000 Franken. Ob der Fall ans Obergericht weitergezogen wird, ist offen.