Für die Einweihung des frisch renovierten «Schlössli» hat der Oberstufenlehrer Claude Hasler, den man unter seinem Rappernamen «Tonki MC» kennt, einen Rap geschrieben. Darin erzählt er die Geschichte des historischen Gebäudes in dessen eigener Ich-Perspektive. Das Zentrum der Macht sei es gewesen, Heim der Richter und hohen Herren, bevor es im letzten Jahrhundert verkommen sei. «I be nor en alti Hötte, bi mer esch nüdme z’hole, de Schandfläck vom Dorf, i be s’Schlössli z’Wohle», heisst es im Refrain.

Bei der Frage, wie gut er die Geschichte des Schlössli aber vor dem Song kannte, muss Tonki lachen: «Ich wusste nichts darüber.» Er kannte es, wie viele andere, als «Häxebar» von der Wohler Fasnacht. Nun kann sich jeder den Rap online anhören und die Geschichte kennen lernen. «Mer hedmi uf- ond ombout, mis Innere vercholet, i ha scho vell erläbt, i be s’Schlössli z’Wohle.»

Texte entstehen im Auto

Obwohl er seit Anfang der 2000er-Jahre in Wohlen arbeitet, wohnt Hasler mit seiner Frau und seiner neun Monate alten Tochter in Hunzenschwil. So bietet ihm sein Arbeitsweg die perfekte Gelegenheit, um neue Ideen zu sammeln. «Autofahren ist für mich tote Zeit. Deshalb lasse ich Beats laufen und Rappe dabei frei.» Kommen ihm dabei gute Texte in den Sinn, nimmt er diese gleich mit dem Handy auf oder schreibt sie auf dem Parkplatz nieder.

Sein erstes Lied nahm er als Teenager, damals noch mit Kassettenrekorder und Mikrofon, auf. Als Hintergrundmusik liess er gleichzeitig eine zweite Kassette mit Musik laufen. Damals träumte er davon, gross raus zu kommen. Heute sieht Hasler das anders: «Man muss realistisch bleiben, das Rappen ist für mich in erster Linie ein Hobby. Ich mache es für mich. Wenn es andere Leute lässig finden, ist das aber natürlich schön», erzählt er.

Wenn er nicht an neuen Texten feilt, unterrichtet der 41-Jährige Oberstufenschüler im Schulhaus Bünzmatt in Wohlen. Neben anderen Fächern gibt er Musikunterricht und hat mit ihnen bereits einige Songs produziert. So zum Beispiel das Lied zur Rettung der Eishalle und der Badi. Die Jugendlichen konnten ihre Standpunkte einfliessen lassen, geschrieben hat die Texte aber Hasler: «Ich habe die Schüler gefragt, was sie an der alten Badi und Eisbahn stört, damit ihre Ansichten ins Lied einfliessen.»

Sonst schreiben die Jugendlichen im Unterricht eigene Texte. Was halten sie von seinem Hobby? «Sie finden es schon cool», erzählt Hasler. Einige schauen regelmässig online auf seinem Kanal vorbei, um zu sehen, ob er ein neues Lied veröffentlicht hat.

Noch mit 60 Jahren rappen

Woher nimmt Hasler die Inspiration für seine Texte? «Das würden wohl alle Künstler gleich beantworten: Direkt aus dem Leben, man sieht Sachen und verarbeitet sie.» So hat er kürzlich ein Lied für seine Tochter geschrieben, in dem er über seine Erfahrungen als frischgebackener Vater spricht.

Seit fünf Jahren nimmt er jeden Winter einen Rap auf, den er als Weihnachtsgruss verschickt. Der diesjährige ist bereits geschrieben. Thema: Jeder Rappen zählt. «Es ist der inoffizielle offizielle Song für die Aktion», lacht er. «Dieses Jahr wird das Geld für Kinder gesammelt, die ein Dach über dem Kopf benötigen. Seit ich eine Tochter habe, sehe ich, wie sehr Kinder auf Erwachsene angewiesen sind.»

Früher verschenkte er zu Weihnachten jeweils eine ganze CD. Dafür reicht seine Zeit nicht mehr. Mit dem Rap will er aber weiter machen. Wie lange, weiss er nicht: «Ich habe weder Zahlen zu erfüllen, noch ein Label zu befriedigen. Wenn es mir Freude macht, rappe ich auch noch mit sechzig.»