«Menschen wie du und ich»

Eine Aargauerin kämpft gegen Vorurteile – mit Geschichten, die unter die Haut gehen

Aargauerin portraitiert Menschen rund um den Globus – ihr Buch ist ein Erfolg

Aargauerin portraitiert Menschen rund um den Globus – ihr Buch ist ein Erfolg

Sandra Schmid und ihre beste Freundin interviewten Menschen rund um den Globus. Daraus wurde ein Buch, das nun sogar ins Englische übersetzt werden soll.

Zwei Frauen sind in ihrer Freizeit um die Welt gereist und haben sich von wildfremden Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen lassen. Daraus haben sie ein erfolgreiches Buch geschrieben. Die Geschichten haben sie geprägt und gehen unter die Haut.

Die in Hägglingen aufgewachsene Sandra Schmid (*1990) und ihre beste Freundin Sandra Bühler (*1988), eine gebürtige Luzernerin, haben Vorurteilen den Kampf angesagt – und sind dadurch zu erfolgreichen Autorinnen geworden. Ihr Buch «Menschen wie du und ich» soll sogar ins Englische übersetzt werden und erscheint in der Schweiz bald schon in der dritten Auflage. Es handelt sich beim Buch allerdings nicht um einen rührenden Roman oder einen packenden Krimi, sondern um einen grossen Bildband mit edlen schwarz-weiss Portraits.

Für das Buch haben Schmid und Bühler, heute beide in Zürich lebend, über vier Jahre hinweg auf verschiedenen Reisen rund 80 Personen aus aller Welt fotografiert und interviewt. Nonnen aus dem Appenzell, Obdachlose aus den USA, Holocaust-Überlebende und viele weitere Menschen kommen zu Wort. Es ist auch die eine oder andere Berühmtheit darunter, zum Beispiel der Schweizer Schauspieler Carlos Leal.

Die Gespräche seien bis zu mehreren Stunden lang und sehr, sehr intim gewesen, erzählte Schmid gegenüber dem Fernsehsender Tele M1. Die meisten Portraitierten haben die beiden Freundinnen spontan angefragt, ob sie Interesse hätten, Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen. Die ganze Arbeit hinter dem Buch haben die zwei Frauen in ihrer Freizeit geleistet. Es war ihnen ein Herzensprojekt, Menschen dazu anzuregen, hinter die Fassade zu sehen. 

Die Idee zum Buch entstand aus Schmids Maturaabschlussarbeit zum Thema Gestaltung. Damals, vor achteinhalb Jahren, porträtierte sie Menschen aus ihrem Umfeld – und erhielt Unterstützung von ihrer Freundin, Sandra Bühler. Als sie dann gemeinsam an der Fachhochschule in Aarau studierten, konkretisierten sich die Pläne zum Werk. Im Mai 2018 erschien die erste Ausgabe von «Menschen wie du und ich» beim Verlag Stämpfli. Bereits im August folgte die zweite Auflage. 

Unschuldig im Todestrakt

Alle Geschichten haben die Frauen geprägt, wie sie erzählen. Bühler sagt, der Austausch mit den vielen verschieden Personen habe sie enorm gestärkt. «Wir sagen immer wieder, das war die beste Lebensschule, die wir je haben konnten. Innerhalb dieser vier Jahre durften wir enorm viel lernen», berichtet sie. 

Einige Schicksale haben die Autorinnen ganz besonders bewegt. So die Geschichte des US-Amerikaners Nick, den sie in Los Angeles kennen gelernt haben. Nick sass 23 Jahre lang unschuldig im Todestrakt. «Es war sehr schön zu sehen, wie weise er heute ist, was für ein Glück und wie viel Liebe er heute ausstrahlt», kommentiert Schmid. Im Teaser zum Buch erzählt Nick, wie er sich beim selben Gefängniswärter, der seine linke Hand in der Gefängnistüre zerschmetterte, danach immer bedankt hat, weil dieser ihn jeden Tag fütterte. «Ich wollte meinen Anstand nicht aufgeben», gesteht Nick. 

Youtube-Teaser zum Buch «Menschen wie du und ich»

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Autor

Cecilia Zoeller

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