Die Schweiz schreibt den 3. Februar 1989 und die kleine Iris eine Postkarte. Iris Hofstetter, damals 11 Jahre alt, ist mit der Schule im Berner Oberland im Skilager und will ihrer Tante Christine Berger Grüsse schicken.

24 Jahre später, am 6. Mai 2013, trifft die Postkarte in Niederwil ein und lässt alle staunend zurück. Die Poststelle in Nesselnbach gibt es längst nicht mehr, die Hauptstrasse, an der Berger wohnt, heisst mittlerweile Niederwilerstrasse und das Porto kostet heute 35 Rappen mehr – doch die Postkarte ist da.

Die Schwester sagt’s dem «Blick»

«Ich habe es selbst nicht geglaubt, als der Pöstler abends um fünf bei mir vorbeikam», sagt Christine Berger. Umgehend hat sie ihre Schwester angerufen und gefragt, ob Iris am 3. 2. 1989 im Skilager war. «Ich habe eine Postkarte von ihr bekommen», fügt sie an.

Daraufhin kontaktiert ihre Schwester den «Blick» und macht so die Geschichte der Postkarte in der ganzen Schweiz bekannt.

Seither wird Berger des öfteren von Coop-Kunden angesprochen. Die 62-Jährige arbeitet Teilzeit in der Filiale Wohlen und wird nun des öfteren angelächelt: «Sind Sie das mit der Karte?», wollen die Leute wissen und staunen dann ihrerseits über die ultimative «Schneckenpost».

Der Schlitz hinter dem Schlitz

Diesen Donnerstag ging Christine Berger der Sache nach und besuchte die Poststelle in Niederwil. Allerdings ist ihr der Name des Pöstlers entfallen und die Poststellenleiterin hat Ferien. Am Schalter steht Silvia Kopp und hält eine mögliche Erklärung parat.

Kopp arbeitete auf der Post in Wohlen, als die Hauptpost zum Bahnhof verschoben wurde. Als sie beim Umzug den Briefkasten abmontiert, kommen Briefe und Karten zum Vorschein, die schon 20 Jahre dort gesteckt haben mussten.

Offenbar haben einige Briefeinwürfe hinter dem grossen Schlitz noch eine Art «doppelte Rückwand», hinter der die Briefe verschwinden können und danach «lange unterwegs» sind.

Zu sagen, dass auch die Karte von Iris Hofstetter und ihrer Tante aus diesem Grund verschollen blieb, wäre reine Spekulation. Jedenfalls wird Berger die Karte samt Zeitungsartikel demnächst einrahmen.

«Diese Karte ist schon ein Phänomen», meint auch Silvia Kopp, «es ist sehr erstaunlich, dass sie nach so vielen Jahren noch zugestellt worden ist.» Christine Berger hat jetzt die späte Gewissheit, dass ihre Nichte im Skilager anno dazumal an sie dachte, in der Karte schreibt sie wörtlich: «Viele grüsse aus dem Skilager sendet euch Iris»