Lindenberg

Einen Bürojob konnte er sich nie vorstellen: «Der Wald hat etwas sehr Beruhigendes für mich»

Der 2013 erbaute Laufstall mit Innenhof ist Ruedi Mosimanns ganzer Stolz.

Der 2013 erbaute Laufstall mit Innenhof ist Ruedi Mosimanns ganzer Stolz.

Ruedi Mosimann, 54, aus Kallern feiert sein 30-Jahr-Jubiläum als Forstarbeiter auf dem Lindenberg – 21 Milchkühe betreut er nebenher.

«Es ist ganz viel Herzblut mit dabei», sagt Ruedi Mosimann aus Kallern und blickt stolz von der Heubühne aus auf den geräumigen Laufstall seiner 21Milchkühe hinunter. Dass er Landwirt aus Leidenschaft ist, spürt man in jedem seiner Worte. Doch nicht nur die Landwirtschaft hat es ihm angetan, sondern auch der Wald. Diesen November feiert der 54-Jährige sein 30-Jahr-Jubiläum als Arbeiter im Forstbetrieb Lindenberg der Gemeinden Bettwil, Büttikon, Fahrwangen, Meisterschwanden, Sarmenstorf, und Uezwil.

Am 5.November 1990 trat Mosimann seine Stelle im Forstbetrieb Lindenberg an, nachdem er zuvor drei Jahre lang in Uezwil, dessen Forstbetrieb damals noch selbstständig war, tätig war. Holz liegt dem Bauernsohn genauso im Blut, wie die Landwirtschaft. Bereits als Kind nahmen ihn Grossvater und Vater mit in den Wald zum Holzen. Seit anhin besitzt die Familie eigene Waldflächen.

1928 erwarb sein Grossvater das Anwesen im Bünztal, ursprünglich stammt die Familie aus dem Emmental. Der Heimatort ist Sumiswald. Als ältester Sohn der Familie – er hat einen fünf Jahre jüngeren Bruder und vier Schwestern – war eigentlich immer klar, dass er den elterlichen Betrieb übernehmen würde. Dennoch legte er nach der 8. Oberstufe ein 9. Schuljahr, eine Art Berufswahljahr, ein. Während des Werkjahrs in Dottikon kam er mit den Materialien Holz und Metall in Kontakt.

Nach der Bauernlehre arbeitete er in einer Sägerei in Uezwil, bevor er nach der Rekrutenschule in Waltenschwil eine Anstellung im Forst fand. Zwischenzeitlich war er auch als Sanitär bei Werner Stöckli in Boswil tätig, bevor er in Uezwil wieder in den Forst ging.

«Mechanisierung hat die Arbeit deutlich erleichtert»

1997 übernahm der Kallerer von seinem Vater den elterlichen Bauernhof gleich neben dem Restaurant Jäger-Stübli. Seither hat er sein Pensum im Forst von 100 auf 50 Prozent reduziert. «Für mich ist es wichtig, dass ich gesund bleibe und Freude an der Arbeit habe», sagt der Naturfreund. Zwar liessen auch bei ihm Seh- und Hörkraft altershalber mittlerweile etwas nach, die harte Arbeit auf dem Hof und im Wald hat aber keine grösseren Spuren hinterlassen. «Die Mechanisierung hat die Arbeit im Wald deutlich erleichtert», meint er.

Insbesondere im Forstbetrieb Lindenberg wurde schon früh in Maschinen investiert. So war bereits 1990 in Bettwil der erste grosse Vollernter der Schweiz im Einsatz, um die Schäden, die Orkan Vivian hinterliess, zu beseitigen.

Auch im Kuhstall setzt der Landwirt auf moderne Technik. Die Fütterung in dem 2013 erstellten Laufstall übernimmt ein Roboter. Jede Kuh hat einen Chip am Halsband, mit dem sie sich täglich bis zu fünf Rationen Kraftfutter an der Futterstation abholen kann. Trotz Modernisierung bleiben beide Jobs – im Stall und im Forst – mit harter körperlicher Arbeit verbunden, die Arbeitstage lang. Missen möchte Mosimann dennoch keines von beidem. «Einen Bürojob konnte ich mir nie vorstellen.»

Der Klimawandel und seine Folgen bereiten ihm Sorgen

Entspannen kann sich der Single bei seinen sonntäglichen Spaziergängen mit Hofhund Chico durch den eigenen Wald. «Der Wald hat etwas sehr Beruhigendes für mich. Ich kann den Kopf auslüften und neue Ideen sammeln», meint er.

Der Wald von vor 30 Jahren sei dabei nicht mehr der gleiche, der er heute ist. «Das Waldbild ändert sich schneller, als man denkt», sagt Mosimann. Das Artensterben und der immer verbreitetere Borkenkäfer bereiten ihm Sorgen. «Die alten Bäume leiden sehr unter dem Klimawandel.» Dennoch ist sich Mosimann sicher, dass sich der Wald den neuen Gegebenheiten anpassen wird. «Den Wald wird es auch noch geben, wenn die Menschheit ausgestorben ist», meint er schmunzelnd.

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