Expo 1964

Einsatz für die Landesausstellung: Aargauer Botschafterin kam aus Geltwil

Elisabeth Bucher-Rey vertrat vor 55 Jahren als Zwölfjährige den Kanton an der Expo in Lausanne. Sie überreichte einen symbolischem Geldbetrag – den einzigen aus dem Aargau.

Sie wuchs im heutigen Steuerparadies Geltwil auf und stand vor 55 Jahren als Vertreterin des Kantons Aargau im Mittelpunkt – wegen Geld: Bethli Rey überreichte an der Expo 1964 in Lausanne symbolisch den Beitrag des Kantons Aargau an die Landesausstellung. «Für mich aus dem kleinen Geltwil war die Fahrt nach Lausanne fast eine kleine Weltreise», sagt Elisabeth Bucher-Rey heute, in Boswil lebend. Die Aargauer Stimmberechtigten hatten damals den Kantonsbeitrag an die Expo abgelehnt. In Geltwil aber sprach die Ortsbürgergemeinde auf Antrag des damaligen Gesamtschullehrers und Gemeindeschreibers Arthur Brühlmeier einen Beitrag von 1000 Franken an die Landesausstellung. Es war der höchste Pro-Kopf-Beitrag aller Aargauer Gemeinden, weshalb ein Mädchen aus Geltwil dazu erkoren werden sollte, den Kantonsbeitrag symbolisch dem damaligen Ständerat und Expo-Präsidenten Gabriel Despland in Lausanne zu überreichen.

Auch das Küssen ging problemlos über die Bühne

Es hatte eine Bürgerin zu sein und ein Mädchen, erzählt Elisabeth Bucher heute. Viele davon gab es in der etwa 150 Menschen zählenden Kleinstgemeinde Geltwil nicht. Eine Expo-Delegation kam extra ins Dorf, um die Aargauer Botschafterin vorher zu begutachten. Bethli passte. Die Zwölfjährige wurde für den grossen Tag geschminkt und hübsch zurechtgemacht. Da sie gross gewachsen war, passte sie in die Tracht der Mutter und wurde ermahnt, sich bei der Übergabe ja vom Ständerat küssen zu lassen, wie das im Welschland halt so üblich ist.

«Mir wurde auch eine Hostess an meine Seite gestellt, die mich begleitete», erinnert sie sich. Das Küssen ging problemlos über die Bühne, der Rest auch. «Es war ein schönes Erlebnis.» Besonders beeindruckt hat sie als «ein schüches Landei», wie sie selber sagt, die Extrafahrt in einem Zug voller Jugendlicher und die bewegte Eisenplastik «Heureka» von Jean Tinguely. Geblieben ist, neben der Erinnerung, ein schönes Foto vom Umzug in Lausanne, mit einem strahlenden Bethli an der Spitze.

Eine heile Welt im kleinen Dorf

Elisabeth Bucher-Rey hat gute Erinnerungen an ihre Jugend in Geltwil, damals alles andere als ein Steuerparadies. «Es war eine heile Welt», stellt sie fest. Natur pur, Ballspiele hinter dem Haus, manchmal ein Streich oder etwas «Verbotenes», mit dem Velo in die Bezirksschule Muri, Nachbarschaftshilfe, wenn sie nötig war, schnell im Restaurant Strebel aushelfen, wenn Wirt Strebel Martin das Haus voll hatte und keine Serviertochter.

Sie wollte eigentlich Krankenschwester werden, aber da das erst mit 18 Jahren möglich war, machte sie nach der Schulzeit erst einmal eine kaufmännische Lehre im Wohler Baugeschäft Otto Notter. Am Morgen mit dem Töffli nach Muri, mit dem Zug nach Wohlen, am Abend umgekehrt zurück. «Das war überhaupt kein Problem.»

Krankenschwester wurde das Bethli von damals nicht, aber mit der Heirat von Hans Bucher Mutter zweier Söhne. Als Betagtenbetreuerin kam sie ihrem ursprünglichen Berufswunsch später jedoch noch sehr nahe, und mit 48 Jahren absolvierte sie erfolgreich die entsprechende Ausbildung. Die Arbeit im Boswiler Altersheim Solino gefiel ihr sehr gut. «Es kommt von den alten Leuten mit ihrer grossen Lebenserfahrung viel zurück», erklärt sie die Freude an dieser Tätigkeit.

Blick auf alte Häuser und schöne Gärten

Das Elternhaus in Geltwil ist verkauft. Hin und wieder zieht es Elisabeth Bucher trotzdem wieder ins heutige Steuerparadies. Dann steigt sie auf ihr E-Bike und radelt durch die Gemeinde – und noch viel weiter. «3000 bis 4000 Kilometer pro Jahr mit dem Velo kommen schon zusammen», teilt sie eine Leidenschaft mit ihrem Mann, der es auf 10 000 Kilometer pro Jahr auf seinen Fahrrädern bringt, ohne elektrische Unterstützung, wohlverstanden. Das Velo bringt die beiden durch den ganzen Kanton und darüber hinaus.

«Besonders gerne schaue ich mir alte Häuser an und blicke in bunte Gärten», sagt Elisabeth Bucher. Möglich, dass dabei eine frühkindliche Prägung zum Vorschein tritt: Sie wuchs in einem wunderschönen Bauernhaus auf, und ihre Mutter pflegte den vielleicht schönsten Garten in der Gemeinde.

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