Bevor Schreiner Simon Heusser das alte Haus in der Steingasse als sein Bauprojekt entdeckte, stand es 20 Jahre leer und verfiel zunehmend. bis in etwa zwei Jahren sollen darin drei moderne Mietwohnungen entstehen.

Vor mehr als 200 Jahren liess der Kantonsrat und Seckelmeister Anton Isler das Haus aus dicken Bruchsteinen erbauen. Im Laufe der Jahre diente es als Wohnung und Gaststätte, denn es lag sehr günstig für Reisende auf dem Weg nach Bremgarten und Zürich.

Ersatzteile vom Fuhrhalter

Nach einigen Vorarbeiten konnte der Umbau Anfang 2018 starten. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Dirk Keller arbeitet Simon Heusser an diesem Projekt. Die historische Bausubstanz möchte Heusser nach Möglichkeit erhalten, ausserdem setzt er auf biologische Wertstoffe. Er geht sogar so weit, das Gebäude mit einem Stangengerüst aus Holz einzurüsten, wie es ab Mitte des 18. Jahrhunderts üblich war.

Dafür werden Holzstangen entlang der Fassade aufgestellt und daran Metallwinkel befestigt auf denen die Gerüstläden liegen. In den letzten 50 Jahren seien modernere Systeme eingeführt worden, führt Heusser aus und fügt hinzu: «Aber einige ältere Leute, die vorbeikommen, können sich noch an solche Gerüste erinnern und freuen sich.»

Ein besonderes Erlebnis sei es gewesen, als Fuhrhalter Meier mit seiner Kutsche vorbeikam und ihn auf das Gestell ansprach. «Er hatte tatsächlich noch solche alten Metallwinkel und fragte, ob wir noch welche gebrauchen könnten. Das war toll. Leider brachte er sie mit dem Auto nicht mit dem Pferdegespann vorbei», lacht Heusser.

Momentan restauriert er die Fensterstöcke. Der Einbau muss aber noch warten. Es sei noch zu kalt für den Kalkputz. Heusser erklärt: «Dafür müssen die Temperaturen auch nachts über fünf Grad liegen.» Wenn es ab Mitte April wärmer wird, soll dann die Arbeit am Dach beginnen.

Ein interessanter Fund

Ein Schmuckstück des alten Hauses ist der Ofen von 1818, den Ofenbauer Heinz Loher aus Muri jetzt renoviert. Unter der Deckenbemalung im Untergeschoss machten die Handwerker sogar eine besondere Entdeckung: eine blaue Ziermalerei.

«Aber», so der Baumeister, «es ist vermutlich nur ein bemaltes Brett, das wieder verwendet wurde.» Bei der Aufklärung des Rätsels half auch die Denkmalpflege. Der interessante Fund wurde dokumentiert und sorgsam behandelt.

«Wer weiss, vielleicht entdeckt jemand in hundert Jahren die Malerei erneut und fragt sich, was es damit auf sich hat», schmunzelt der Schreiner. Für die Denkmalpflege ist es ein spannendes Projekt, das gut zum laufenden «Europäischen Jahr des Kulturerbes» passt.

Wie es mit der Arbeit auf dem Bau vorangeht dokumentiert Simon Heusser ausführlich auf seinem Blog www.steingasse47.ch.