Bettwil

Er demonstriert für eine ökologische Landwirtschaft – und fährt dafür mit dem Elektromähtraktor nach Bern

Guido Winterberg stellt seine umgebaute Elektromähmaschine vor – «Ich will zeigen, dass wir in der Landwirtschaft schon Ideen haben»

Guido Winterberg stellt seine umgebaute Elektromähmaschine vor – «Ich will zeigen, dass wir in der Landwirtschaft schon Ideen haben.»

Der Bettwiler Landwirt nimmt mit seinem elektrischen Mäher am Samstag an der Demo «Landwirtschaft mit Zukunft» teil.

Sein Vorhaben hat den Hauch eines ungewissen Abenteuers in sich. Mit seinem umgebauten Elektromähtraktor vom Typ Reform 3003S nahm der Bettwiler Biolandwirt Guido Winterberg den weiten Weg vom Erushof bis nach Bern auf den Bundesplatz unter die Räder. Am Freitagnachmittag setzte sich Winterberg hinters Lenkrad. Nur ein leises Schnurren des Elektromotors störte die Idylle, kein lautes Brummen eines Benzin- oder Dieselantriebs war zu hören. Winterbergs Ziel ist die Demo des Bündnisses Landwirtschaft mit Zukunft, die am Samstag in Bern stattfindet und sich für eine ökologischere Landwirtschaft einsetzt.

«Für die knapp 100 Kilometer benötige ich etwa vier bis viereinhalb Stunden. Zum Glück ist das Wetter gut und ich habe auch noch ein bisschen Proviant dabei. Meine Route führt zuerst über Sursee und Huttwil bis nach Stettlen bei Bern», sagte Winterberg kurz vor der Abfahrt. Dort übernachtete er vergangene Nacht in einem Bed and Breakfast, um den Elektromotor wieder vollständig aufzuladen.

Ohne grosse Last hält die 40-KW-Batterie rund sieben Stunden durch. «So kann ich nach der Demo ohne Zwischenstopp wieder nach Hause fahren», erklärte der Biolandwirt. Sein Elektromähtraktor ziert eine grosse Tafel mit dem Slogan: «Wir bieten: Klimaschutz, Insektenschutz, Bodenschutz.»

Winterberg spart 600 bis 800 Liter Treibstoff jährlich

Die Idee zur ungewohnten Fahr-Aktion nach Bern kam Winterberg spontan. «Ich bin gespannt, ob noch andere ähnliche Elektrofahrzeuge auftauchen werden», blickt er Richtung Demo. Als langjähriger Biolandwirt liegt ihm die nachhaltige Landwirtschaft besonders am Herzen.

Seit zehn Jahren hat er auf den Dächern seines Betriebs Solarzellen installiert, die gegen 400'000 kWh Strom produzieren und so über 120 Haushalte versorgen können. Nebst dem Elektromähtraktor setzt er auf seinem Hof auch einen elektrischen Hoflader ein. «Mir geht’s darum, zu zeigen, dass sich auch in der Landwirtschaft etwas tut. Ein Umdenken findet statt. Eine fortschrittliche Technik ist wichtig für die Lösung der Klimaproblematik», beschreibt Winterberg seine Motivation.

Seit der Umstellung auf die Elektroantriebe spart er nach seinen Angaben geschätzte 600 bis 800 Liter fossilen Treibstoff pro Jahr. Im Stich gelassen haben ihn die beiden elektrischen Motoren bisher noch nie. «Sie funktionieren tadellos. Gerade für kleinere Arbeiten eignen sich der Mähtraktor und der Hoflader bestens», sagt Winterberg.

Das Ende der Fahnenstange soll aber nicht erreicht sein. Sein Ziel ist es, dereinst einen elektrisch angetriebenen grossen Traktor auf seinem Erushof einsetzen zu können. Noch ist dieses Angebot aber serienmässig nicht erhältlich. Winterberg: «Ein Anbieter hat bereits einen Prototypen gebaut. Das Interesse daran nimmt zu. Ich kenne einige Kollegen in der Region, die einen solchen Elektro-Traktor sofort für sich kaufen würden.»

Sein Credo bezüglich nachhaltiger Landwirtschaft und Klimapolitik ist klar: «Man darf nicht lockerlassen und muss hartnäckig dranbleiben.» Winterberg liebäugelt als nächste Idee mit einer kleinen Windanlage auf dem Lindenberg. Er kritisiert aber die zu tiefe Einspeisevergütung der Stromanbieter, die seiner Meinung nach zwischen zehn und zwölf Rappen pro kWh liegen sollte statt bei aktuell sechs bis sieben.

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