Seit Jahren hat sich eingebürgert, dass sich SVP, CVP, FDP und der Innere Ring (SP, Grüne, EVP und GLP) beim Amt des Einwohnerratspräsidenten abwechseln. Dementsprechend wäre bei der Besetzung des Vize-Präsidiums der Innere Ring an der Reihe gewesen, der Cyrille Meier (SP) als Kandidaten vorschlug.

Er hätte zwei Jahren als Einwohnerratspräsident nachrutschen sollen. Parteikollegin Corinne Manimanakis betonnte denn auch, dass es darum gehe, diesen Turnus einzuhalten. «Der Innere Ring hat immerhin elf Sitze.»

Meier sei zwar erst im zarten Alter von 27 Jahren, sei aber loyal und werde sich mit viel Engagement einsetzen. Meier ist in Wohlen geboren und aufgewachsen, hat nach einer Kochlehre die Berufsmatura nachgeholt, die Passerelle absolviert und studiert jetzt an der pädagogischen Hochschule in Brugg. Er ist seit vier Jahren im Einwohnerrat und seit dem Frühling in der Finanzkommission.

«Konsensfähig und beliebt»

Meier sei noch zu jung und unerfahren, meinten einige Bürgerliche Politiker. Als Gegenkandidat stellte sich Edi Brunner zur Verfügung, Fraktionspräsident der SVP. Er konnte nach der Demission von Andreas Glarner in den Grossen Rat nachrutschen.

Auch Brunner ist in Wohlen fest verwurzelt, der Vater von drei erwachsenen Kindern ist seit sechs Jahren im Einwohnerrat, zudem bei der Feuerwehr und als Schiedsrichter beim FC Wohlen engagiert.

«Er ist konsensfähig und beliebt, auch wenn er manchmal etwas ‹polderet›», beschrieb Christian Lanz den SVP-Kandidaten. Der gelernte Elektromonteur hat sich zum Lichtdesigner weitergebildet und war im Militär Panzergrenadier.

Bereits im ersten Wahlgang obsiegte Edi Brunner, wenn auch gänzlich knapp. Er erhielt auf die Stimme genau das absolute Mehr von 19, während Gegenkandidat Meier auf 17 Stimmen kam.

«Es macht mehr Freude, wenn man kämpfen muss», konstatierte Brunner und gratulierte seinem Kontrahenten. «Warum ich am glücklichen Ende war, kann ich mir nicht erklären», meinte er.

«Ich möchte auch denen, die mir ihre Stimme nicht gegeben haben, zeigen, dass ich für dieses Amt fähig bin.» Als Einwohnerratspräsident müsse man neutral sein. «Ich möchte meine Neutralität als Schiedsrichter in diesen Saal bringen, und glaubt mir, ich kann das.»

Weiter sagte Brunner, er sei gewählt worden, um nun zwei Jahre lang von Andrea Duschén zu lernen und freue sich, ihm über die Schulter schauen zu dürfen.