Bezirksgericht Muri

Er wollte die Pornos doch nur den Behörden melden: 26-jähriger Deutscher verurteilt

Blick auf den Murianer Klosterflügel, in dem auch das Bezirksgericht untergebracht ist.

Blick auf den Murianer Klosterflügel, in dem auch das Bezirksgericht untergebracht ist.

Für seine Taten drohten einem 26-jährigen Angeklagten eine Freiheitsstrafe, eine hohe Geldbusse und zehn Jahre Landesverweis.

Torben (Name geändert) betritt den Gerichtssaal in kurzärmeligem Hemd, Arbeitshosen und -schuhen. Während der Verhandlung wirkt er gefasst. Er bekennt sich fast aller seiner Vergehen schuldig. Die Liste ist lang.

Er wird unter anderem wegen Gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung in mehreren Fällen angeklagt. Für seine Delikte muss er sich vor dem Bezirksgericht Muri verantworten. Neben hohen Geldbussen und einer Freiheitsstrafe droht dem Deutschen der Landesverweis für 10 Jahre.

Er verkaufte online Elektrogeräte – die Kunden bekamen sie nie

Es war Januar 2016, als Torben begann, auf Onlinebörsen zu betrügen. Er inserierte und verkaufte Elektrogeräte im Wert von rund 14800 Franken. Die gekauften Geräte erhielten seine Kunden nie. Das blieb nicht unbemerkt. Doch als ricardo.ch sein Konto sperrte, eröffnete Torben kurzerhand mit dem Namen seines damaligen Nachbarns ein neues Profil.

Der Anklageschrift zufolge finanzierte er damit seine Spielsucht und unterstützte seine Familie. Während der Befragung von Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner gab Torben an, dass er mit dem Geld seiner Mutter helfen, ihr aber auch etwas beweisen wollte. «Ich hatte immer das Gefühl, nicht zu genügen.» Um das verdiente Geld zu vermehren, sei er in Casinos gegangen oder habe online gespielt.

Auch in anderen Punkten gab Torben seine Mutter als Intention für seine Verbrechen an. So habe er auf ihre Bitte hin ihr Arbeitszeugnis gefälscht. Zudem war er mehrmals ohne Führerausweis mit ihrem Auto unterwegs – auch darum habe sie ihn gebeten.

Torben wollte «einmal im Leben das Richtige tun»

Seine letzte in der Anklage aufgeführte Straftat beging Torben am 4.Dezember 2018, als er probierte, Videodateien, die sexuelle Handlungen mit Minderjährigen beinhalteten, über Facebook zu versenden. Dies ist die einzige Anschuldigung, die Torben bestreitet. Die Videos habe er über eine Onlineplattform ungefragt zugesandt bekommen. Über Facebook habe er die Dateien an seinen Laptop senden und sie anschliessend der zuständigen Behörde weiterleiten wollen, «um einmal im Leben das Richtige zu tun», wie er sagt. Wer ihm die Videos geschickt und weshalb er sie nicht sofort versandt habe, weiss Torben nicht mehr.

Torben gesteht: Er habe einen Windelfetisch gehabt. Er beteuert jedoch, dieser habe nie im Zusammenhang mit seiner früheren Arbeit in einem Vergnügungspark gestanden. «Es ging nie darum, Macht über Kinder zu haben, sondern darum, selbst wieder ein Kind zu sein», erklärt er. Und: Würde man heute seinen Laptop untersuchen, fände man keine solchen Videos.

Die Ursachen für seine Vergehen habe er in den vergangenen vier Jahren mit der Hilfe seiner Freundin gut aufgearbeitet. Er sei mittlerweile in eine Kirchgemeinde integriert und habe im August eine Ausbildung begonnen. Für das Bezirksgericht war das Anlass für eine gute Prognose.

Kein Landesverweis, weil das Gericht noch Hoffnung hat

Für den gewerbsmässigen Betrug wird Torben zu 16 Monate bedingter Freiheitsstrafe mit Probezeit von 4 Jahren verurteilt. Für das Entwenden und Lenken des Motorfahrzeuges und die Pornografie erhielt er eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken und dazu eine Verbindungsbusse von 1000 Franken. Anwalts- und Gerichtskosten muss er selbst bezahlen.

Von einer Landesverweisung sah das Gericht ab, da die Delikte keine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder der Sicherheit darstellen. Da die gefälschte Rechnung keine Urkundequalität hatte und er das Arbeitszeugnis in Deutschland fälschte, wurde er dafür freigesprochen. Zudem seien die Fälschungen unterdessen verjährt. «Wir haben grosse Hoffnung in sie», schloss Baumgartner die Verhandlung.

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