Bünzen

Erfolgreiches Familien-Duo: fünf Goldmedaillen dank einer Nierentransplantation

Sandra Strebel (37) mit ihrem Vater Alfred Strebel (69) und mit ihren Goldmedaillen.

Sandra Strebel (37) mit ihrem Vater Alfred Strebel (69) und mit ihren Goldmedaillen.

Sandra Strebel und ihr Vater aus Bünzen holten an den World Transplant Winter Games im Wallis fünf Goldmedaillen. Papa Alfred spendete seiner Tochter vor zwölf Jahren eine Niere. Nun freut sich das Duo auf die Sommerspiele in Cagliari auf Sardinien.

«Verschneite Winterlandschaft, Tee-und Glühweinduft. Es ist dieses Gefühl von Zusammengehörigkeit, von einmal nicht anders sein, echter Zuneigung und Akzeptanz. Alles war sehr familiär.» – Die vierfache Goldmedaillengewinnerin Sandra Strebel und ihr Vater Alfred schwelgen immer noch in Erinnerungen an die Winterspiele der Transplantierten in Anzère im Kanton Wallis im Januar.

Sandra Strebel hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gab: Super-G, Riesenslalom, Parallelslalom und Spezialslalom. Allen ist sie davongefahren und alle haben es ihr von Herzen gegönnt. «So viele Umarmungen wie in dieser Woche werde ich wohl das ganze Jahr über nicht mehr bekommen», lächelt die Sportlerin sichtlich gerührt. Sie ist nicht die einzige Gewinnerin dieser speziellen Winterspiele. Alle Hobbysportler haben gewonnen: ein neues Leben. Ohne Spender gäbe es keine Empfänger und somit auch keine World Transplant Winter Games. Neu war diesmal, dass auch die Spender und die Angehörigen der verstorbenen Spender mitmachen durften.

Wille und Dankbarkeit

Das Gewinnen liegt den Strebels im Blut. So konnte Vater Alfred Strebel ebenfalls auf das Siegerpodest steigen. Er holte in der Disziplin zwei Kilometer Schneeschuh-Laufen die Goldmedaille. Die Strecke führte nach dem Start erst einmal 500 Meter beinahe senkrecht den Berg hinauf, über die Hälfte der gestarteten Athleten mussten aufgeben. «Mein Ziel war es eigentlich nur, das Ziel zu erreichen. Ich hätte nie gedacht, dass ich siegen würde.»

Besonders freut er sich, dass auf der Rückseite seiner Medaille «Thank you» steht. Das ist die Anerkennung für seine selbstlose Tat, seiner Tochter vor gut zwölf Jahren eine Niere zu spenden. Diese Woche in Anzère sei so viel Gutes zurückgekommen. Die Leute, die Stimmung – all das habe ihn tief berührt und glücklich gemacht. Vater und Tochter sind ein eingeschworenes Team und freuen sich über ihre gemeinsamen Erfolge.

Viel zu wenig Organe

Alfred Strebel möchte die Menschen dafür sensibilisieren, dass es immer noch viel zu wenig Organspender gibt. Auf eine Million Einwohner kommen gerade mal 17 mit einem Organspenderausweis. Das Ziel von Swisstransplant ist es, bis Ende 2018 diese Zahl auf 20 zu erhöhen. Sandras Vater hat erfahren, dass die Problematik der Organspende sehr wohl zur Kenntnis genommen, aber schnell auch wieder verdrängt wird. Die Leute müssten selber von etwas betroffen sein, damit sie bereit seien zu handeln. So versucht Alfred Strebel, im Kleinen zu wirken. Immer wieder sucht er mit seinen Wanderfreunden oder auch mit Bekannten aus dem Dorf das Gespräch und macht diese auf das akute Problem des Organmangels aufmerksam. Vater und Tochter können allerdings auch damit umgehen, dass es Leute gibt, die sich nicht vorstellen können, ihre Organe zu spenden.

Wunsch zu Lebzeiten äussern

Sie finden es enorm wichtig, dass potenzielle Spender ihren Wunsch zu Lebzeiten äussern. «Es gibt nichts Schlimmeres für Angehörige, als plötzlich über eine Organentnahme entscheiden zu müssen, wenn sie den Wunsch des Verstorbenen nicht kennen», meint Sandra Strebel. Man müsse das Thema immer wieder diskutieren, auch wenn es manchmal Unbehagen auslöse. Man müsse die Leute aufklären und ihnen die Angst nehmen (siehe auch Artikel rechts).

Sandra Strebel freut sich bereits auf die Sommerspiele in Cagliari auf Sardinien. Dort wird sie in den Disziplinen Badminton und Leichtathletik starten. «Ich will ja gar nicht gewinnen, nur dabei sein. Das ist es, was zählt. Ich fühle mich gesund und stark», erklärt sie. Bei so viel Talent wird eine weitere Edelmetall-Plakette wohl kaum lange auf sich warten lassen.

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