Unterlunkhofen/Hermetschwil

Erlebnisreiche Abkürzung dank den kräftigen «Gon­do­li­e­re» des Flachsees

Dominik Bär (vorne) und Roger Stöckli holen einen Passagier in Unterlunkhofen ab.

Dominik Bär (vorne) und Roger Stöckli holen einen Passagier in Unterlunkhofen ab.

Die Fähre der Pontoniere in der Nähe vom Geisshof Unterlunkhofen ist Tradition – aber eine anstrengende. Anders als andere Fähren ist das Boot nicht mit einem Seil befestigt, sondern schwimmt frei im Wasser. Eine weiter Folge der Serie Flachsee.

Das Klingeln der Glocke übertönt nur knapp das Rauschen der Reuss. Das leise Geräusch löst aber unmittelbar eine Reaktion auf der anderen Flussseite aus. Die Männer, die gemütlich um ein Feuer sitzen, ziehen ihre Schwimmwesten an und steigen in den Ponton, der sich auf der Sandbank neben dem Schilf sanft auf und ab bewegt.

Einer der Pontoniere schiebt ihn mit einem langen Stock vom Ufer weg, die beiden beginnen mit regelmässigen Ruderschlägen gegen den Strom zu schwimmen. «Wir könnten theoretisch auch in einer graden Linie herüberfahren. Wenn es uns zu fest nach unten treibt, wäre es aber schwierig, wieder heraufzupaddeln, weil die Strömung da stärker ist», erklärt Patrick Wendel von den Pontonieren Bremgarten.

Anders als andere Fähren ist das Boot in der Nähe vom Geisshof Unterlunkhofen nicht mit einem Seil befestigt, sondern schwimmt frei im Wasser. Dementsprechend müssen die Fährmänner viel Muskelkraft aufwenden. Der Ponton bringt es auf stattliche 450 Kilogramm, bis zu zehn Passagiere werden mit einer Fahrt über die Reuss befördert; damit bewegen die beiden Ruderer bei voller Ladung bis zu 1,5 Tonnen übers Wasser.

Von Ornithologen bis Familien

Die Fähre ist jeweils an Sonn- und Feiertagen zwischen Anfang März und Mitte September in Betrieb, ausgenommen während der Sommerferien. Natürlich muss auch das Wetter mitspielen. Von 11 bis 17 Uhr sind dann mindestens drei Pontoniere da, um die Spaziergänger, Wanderer und Hündeler sicher über die Reuss zu bringen. «Meistens kommen am Vormittag die Ornithologen, am Nachmittag eher Familien», sagt Wendel.

Am vergangenen Sonntag hat er zusammen mit Dominik Bär und Roger Stöckli für dieses Jahr zum letzten Mal Leute zwischen dem Weiler Geisshof und Hermetschwil hin und her gefahren. «Zu dritt muss man mindestens sein, damit man sich etwas abwechseln kann. Im Frühling zieht es viele Leute in die Natur, dann fahren wir praktisch nonstop hin und her – das wird dann mit der Zeit schon anstrengend.»

Brücke war zu teuer

Die Fähre, für manchen eine Abkürzung, für andere ein Erlebnis, befördert die Leute gratis zwischen den Ufern hin und her. Eine Gabe für die Vereinskasse ist zwar willkommen, mit den Einnahmen macht der Verein aber kaum Gewinn. «Es ist eine Tradition, den Fährbetrieb gibt es schon länger als die Dominiloch-Brücke», erzählt Wendel. «Es geht uns in erster Linie darum, unseren Verein zu präsentieren, die Kameradschaft zu fördern und einen gemütlichen Sonntag zu verbringen.»

Erstmals nahm der Verein in Zusammenhang mit dem Volksmarsch am 19. und 20. April 1968 an dieser Stelle eine Fähre in Betrieb. Zuvor gab es hier eine Holzbrücke, die der Genietrupp während des Zweiten Weltkriegs gebaut hatte, die den Geisshof mit dem andern Ufer wenig oberhalb des Klosters Hermetschwil verband.

Als die Brücke reparaturbedürftig geworden war, konnten sich die anliegenden und interessierten Gemeinden nicht zur Übernahme der Kosten für die Instandstellung und weiteren Unterhalt durchringen.

Es blieb daher nur der Abbruch der Brücke. Damit war der von unzähligen Spaziergängern geschätzte Flussübergang buchstäblich ins Wasser gefallen. Die Fähre des Pontonier-Fahrvereins fand sofort grossen Anklang, zumal sie als eine in der Schweiz ganz seltene Übersetzmöglichkeit eine besondere Attraktion war.

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