Muri

Es gab einmal neun Bruderschaften

Historiker Josef Kunz. AW/Archiv

Historiker Josef Kunz. AW/Archiv

Zum Jubiläum 400 Jahre Michaelsbruderschaft forscht der Historiker Josef Kunz. Er gab einen ersten, spannenden Einblick in seine Arbeit.

Sie linderten materielle Not, verschönerten Gottesdienste, sorgten für Totenmessen: Von den neun Bruderschaften, die es in Muri einmal gab, existiert noch die Michaelsbruderschaft. Der Historiker Josef Kunz aus Villmergen kam in seinen Forschungen zu sehr interessanten Ergebnissen, die er an einem Vortrag bekannt gab. Seine Arbeit wird in Buchform erscheinen.

Die Michaelsbruderschaft ist nicht die älteste in Muri. «Aber die einzige noch existierende», wie Kunz betonte. In seiner Forschungsarbeit ist er auf die Sankt-Barbara-Bruderschaft gestossen, die 1058 gegründet wurde. Es gab einmal neun solche Vereinigungen in Muri – von der Sebastians- über die Rosenkranz- bis hin zur göttlichen Herz-Jesu- oder Skapulier-Bruderschaft. «Sie waren immer Kinder ihrer Zeit», machte Kunz klar.

Sie reagierten auf die aktuellen Probleme: Pest, Krieg, sittlicher Niedergang, wirtschaftliche Not oder Glaubensverlust. «Die Bruderschaften waren oft Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit.» Mit der Reformation verschwanden sie in den reformierten Gebieten, erlebten aber in den katholischen Gebieten einen Aufschwung. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte das Ende vieler Bruderschaften.

Mögliche Erklärungen

Nicht aber das der Michaelsbruderschaft in Muri. Gemäss Kunz ist das Gründungsjahr 1618 nicht zufällig. Er fand dafür verschiedene mögliche Erklärungen. Der Abt des Klosters Muri, Jodokus Singisen, hat sich stark für die Erneuerung des religiösen Lebens eingesetzt. Vielleicht ist die Gründung eine Folge der Ereignisse 1611, als der schwarze Tod, die Pest, in Muri 176 Menschen dahinraffte – vier- bis fünfmal so viele Sterbefälle wie in einem normalen Jahr.

Schliesslich war ein Komet 1618 über ganz Mitteleuropa zu sehen. «Die Erscheinung eines Kometen wurde als Vorbote für Hunger, Katastrophen und Weltuntergang gesehen.» 1618 begann der 30-jährige Krieg mit über 5 Millionen Toten . . .

Schwierige Grundlagenarbeit

Einfach ist es für Kunz nicht, Informationen zur Michaels- und zu anderen Bruderschaften zu finden. Muri gehörte zum Bistum Konstanz, das später aufgelöst wurde. «Die Akten wurden auf zehn verschiedene Standorte verteilt, vieles ging wohl einfach verloren.»

Im Aargauer Staatsarchiv ist nichts zu finden, vor 1803 wurden keine Unterlagen von Kirchgemeinden archiviert. Aber der Historiker, der auch das Pfarrarchiv von Muri betreut, ist hartnäckig und findig.

Nach dem Vortrag lud Bruderschaftspfleger Hans Keusch zum Jubiläumswein ein, der mit einer von Bernhard Kägi extra gestalteten Etikette auch in der Flasche schön daherkommt.

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