Wohlen

«Es macht einfach viel mehr Spass»: Projekt «Natur findet Stadt» hat Halbzeit

Christina Cotti in ihrem neuen, naturnahen Reich: In nur einem Jahr hat sie einen Teich und unzählige Versteckmöglichkeiten für Kleintiere geschaffen. Doch nicht nur die Tiere und Pflanzen, auch sie selbst kann sich in diesem Paradies sichtlich wohlfühlen.

Christina Cotti in ihrem neuen, naturnahen Reich: In nur einem Jahr hat sie einen Teich und unzählige Versteckmöglichkeiten für Kleintiere geschaffen. Doch nicht nur die Tiere und Pflanzen, auch sie selbst kann sich in diesem Paradies sichtlich wohlfühlen.

Das Projekt «Natur findet Stadt» der Gemeinde Wohlen hat Halbzeit. Zwei der 34 naturnah umgestalteten Gärten durften besichtigt werden.

Wer seinen Garten naturnaher gestalten will, lässt vielleicht hier eine Wiese stehen und legt dort einen Stein- oder Asthaufen an. Christina Cotti dagegen hängte gleich das Gartentürchen aus, um die Igel einzuladen. Natürlich hat sie auch eine kleine Magerwiese vor ihrem hübschen kleinen Häuschen stehen lassen. Doch schaut man um die Hausecke, kann man es kaum glauben: In nur wenigen Monaten hat die Wohlerin ein echtes Naturparadies für Mensch, Tier und Pflanzen geschaffen.

An einer Wand, die ihr noch nie richtig gefallen hat, hat sie ein Loch ausgehoben und eine Ruderalfläche, also einen Boden voller Kiesel, der von vielen Pflanzenarten genutzt werden kann, angelegt. «Den Humus musste ich irgendwo hintun», sagt sie schulterzuckend. Also hat sie an ihrer Grundstücksgrenze einen kleinen Erdwall aufgeschichtet und einheimische Sträucher gepflanzt.

Auch Brennnesseln und Disteln haben ihr eigenes Plätzchen. Auf Wanderungen hat sie teilweise Wildkräutersamen gesammelt und diese ausgestreut. «Es ist ein Experiment, bei dem ich immer wieder Neues entdecke», sagt sie und spaziert gleich weiter zum Herzen ihres prächtigen neuen Gartens.

«Gibt nicht weniger zu tun als ein normaler Garten»

Es ist im wahrsten Sinn das Herz des Gartens: ihr Herzteich. Diesen hat sie in nur zehn Tagen selber gebaut. «Aber ich habe von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang gearbeitet», verdeutlicht sie nicht ohne Stolz in ihrem Lächeln. «Ich fand einfach, ein Naturparadies ohne Wasser – da fehlt etwas. Aber ich wollte nicht Unmengen an Geld ausgeben.»

Also fragte sie Andrea Fuchs vom Natur- und Vogelschutz Wohlen (NVW) an, die ihr ein Buch zum Thema besorgte. «Schlussendlich habe ich etwa 350 Franken für den Teich ausgegeben.» Und den Aushub wiederum hat sie zu einem mediterranen Kräuterhügel aufgeschichtet.

«Ich schaue mir jeden Tag alles an, fische Algen aus dem Teich, sammle Rüebliraupen vom Fenchel und lasse sie sich an geschützter Stelle verpuppen oder pflanze irgendwas. Es gibt nicht weniger zu tun als ein normaler Garten. Aber es macht viel mehr Spass», sagt Cotti glücklich. Inspiriert wurde sie unter anderem von Naturgärtner Franz Weber und dessen kostenloser Gartenberatung. Diese wurde organisiert vom Projekt «Natur findet Stadt» der Gemeinde Wohlen zusammen mit dem NVW (Box unten).

34 Leute haben ihre Gärten naturnaher gestaltet

Das Projekt hat Halbzeit, darum zeigen Gemeinde und NVW, was sich bisher getan hat. «Wir wurden beinahe überrannt», sagt Andrea Fuchs. «Ich hatte gedacht, wenn die eine oder der andere sich zu einer Gratis-Gartenberatung durch einen Naturgärtner anmelden, ist das schon toll. Aber dass sich gleich 34 Leute gemeldet haben, damit hätte ich nie gerechnet.» Noch immer kann man sich für die kostenlosen Gartenberatungen anmelden.

Andrea Fuchs erklärt: «Ganz wichtig ist, dass man weiss, dass man nicht viel Geld ausgeben und auch nicht den ganzen Garten auf einmal umkrempeln muss. Man kann mit einer Ecke beginnen, einen Stein- oder Asthaufen liegen oder eine Fläche Rasen als Wildblumenwiese stehen lassen. Meistens führt dann ein Quadratmeter zum anderen. Und wenn sie einem gefallen, sollen auch Exoten im Garten ihren Platz behalten dürfen. Es geht nicht nur um den Naturschutz, sondern auch um die eigene Freude an der Natur.»

Viel mehr Vögel und Insekten im Garten

Auch alt Gemeinderat Bruno Breitschmid wollte vor anderthalb Jahren seinen Garten naturnaher gestalten. Mittlerweile hat er mitten im Rasen einheimische Sträucher gepflanzt, hat neue Apfelbäumchen, ein Igelhotel und sogar eine Stelle, an der Brennnesseln wachsen und Blindschleichen im alten Kompost überwintern dürfen. «Ich merke, dass ich viel mehr Vögel und Insekten im Garten habe», sagt er. «Und das wiederum lockt die Katzen der Gegend an. Ja, einige machen mir auf den Rasen. Aber andere kommen zum Spielen, das freut mich sehr.»

Bruno Breitschmid, Andrea Fuchs und Roger Isler freuen sich über die Brennnesseln in Breitschmids Garten.

Bruno Breitschmid, Andrea Fuchs und Roger Isler freuen sich über die Brennnesseln in Breitschmids Garten.

Auch er macht tolle Erfahrungen mit seinem naturnaheren Garten. «Invasive Pflanzen muss man natürlich ausreissen, man kann nicht alles wuchern lassen», hat er gemerkt. «Ich bin politisch kein Grüner, aber das Projekt ist toll. Und man hat plötzlich immer neue Ideen.»

Meistgesehen

Artboard 1