Rottenschwil

Eulen beobachten via Livestream: Flauschiges geht vor sich im Rottenschwiler Werkhof

Über eine Livekamera kann im Werkhof eine Schleiereulenfamilie beobachtet werden.

Lange Zeit galt die langbeinige Eule mit dem silbergrauen Federkleid und dem herzförmigen Gesicht als Hexen- und Teufelsvogel, der Feuer und Tod verkündete. Ein Aberglaube, der heute kaum vorstellbar ist. Vor allem, wenn man eine Schleiereulenfamilie eng aneinander gekuschelt in ihrem Nest sieht. Leider ist es beinahe unmöglich, eine solche Szene mit eigenen Augen zu beobachten.

Glücklicherweise hat es sich auch in diesem Jahr wieder ein Schleiereulenpärchen im für sie bereitgestellten Nistkasten des kantonalen Werkhofs der Abteilung Landschaft und Gewässer in Rottenschwil gemütlich gemacht.

Über eine Livekamera können die beiden Vögel bei der Aufzucht ihrer Nestlinge rund um die Uhr beobachtet werden. Aber Vorsicht: Wer konzentriert arbeiten will, sollte die Liveübertragung nicht nebenbei öffnen. Denn die flauschigen jungen Eulen können einen stärker um den Finger wickeln als jedes Katzenvideo auf Facebook.

Vier Küken sind bereits geschlüpft

«Den Nistkasten in Rottenschwil gibt es bereits seit Jahrzehnten und er wird auch regelmässig benutzt», gibt Roland Temperli, Fachspezialist für Naturschutzunterhalt vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, Auskunft. Das Weibchen, das im Moment brütet, hat mindestens acht Eier gelegt, das erste davon Mitte Juli.

Mitte August sei dann das erste der aktuell vier Küken geschlüpft. «Das ist recht spät», sagt Temperli. «Wahrscheinlich handelt es sich um eine Spätbrut, auch Ersatzbrut genannt. Schleiereulen können ein bis zwei Jahresbruten haben. Teilweise sind sie auch geschachtelt.» Es sei also möglich, dass das Männchen noch Nestlinge aus erster Brut füttere, während das Weibchen am neuen Ort bereits wieder neue Eier ausbrütet.

Ansonsten sorgen die erwachsenen Eulen gemeinsam für ihre Jungen, wobei das Weibchen im Nest bleibt und das Männchen für Nahrung sorgt. Aber auch Geschwisterfütterungen sind laut dem Steckbrief der Schleiereule keine Seltenheit. Denn «aktuell kann der Altersunterschied vom kleinsten bis zum grössten Jungvogel bis zwei Wochen betragen», wie Temperli erklärt.

Während einige andere Vogelarten mit dem Ausbrüten warten, bis das Weibchen alle Eier gelegt hat, brütet das Schleiereulenweibchen bereits ab dem ersten Ei. Da sie alle zwei Tage ein neues legt, führt das zu unterschiedlichen Grössen der Nestlinge. Dieses Phänomen wird liebevoll «Orgelpfeife» genannt.

Wenn die jungen Eulen etwa einen Monat alt sind, üben sie ihre Jagdtechnik und machen sogenannte «Mäuselsprünge». Trotz des Altersunterschieds werden sie alle zur gleichen Zeit flügge. Die Nestlinge in Rottenschwil werden laut Temperli den Nistkasten erst Anfang Oktober verlassen. Auch danach werden die erwachsenen Vögel bis an ihr Lebensende zusammenbleiben. Denn Schleiereulen führen eine monogame Dauerehe.

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