Muri

Experiment geglückt: Hip-Hop und Breakdance in der Kirche

Breakdance vor dem Altar – die Jugendfeier in der katholischen Kirche Muri war ein Experiment, das bei den Kirchgängern sehr gut angekommen ist.

Breakdance vor dem Altar – die Jugendfeier in der katholischen Kirche Muri war ein Experiment, das bei den Kirchgängern sehr gut angekommen ist.

Künftige Firmlinge zeigten an ihrer Jugendfeier in der katholischen Kirche St. Goar, wie moderner Tanz und religiöse Inhalte zusammenpassen. Die Idee gefiel am Schluss nicht nur den Teilnehmern.

Am vergangenen Samstag erlebte die katholische Kirche St. Goar für einmal einen komplett anderen Gottesdienst: Anstelle eines Kirchenchors spielte eine Liveband, wenn nicht gerade Bligg oder Imagine Dragons in Konzertlautstärke aus den Boxen dröhnten. Und anstelle der Kommunion war der Höhepunkt diesmal der Auftritt einer Hip-Hop- und einer Breakdance-Gruppe. Will sich die katholische Kirche nun cool und modern geben?

«Nein», kann Pastoralassistent und Mitorganisator Stefan Heinzmann vom Pastoralraum Muri und Umgebung alle jene beruhigen, die um die traditionellen Gottesdienste bangen. «Uns geht es überhaupt nicht darum, cool zu wirken. Aber uns ist die Jugend wichtig, und wir haben ein Gefäss gesucht, in dem auch sie sich auf ihre ganz eigene Weise einbringen können.»

Dabei ist ihm wichtig: «Wir wollten auf keinen Fall einen inhaltlosen Event veranstalten. Im Gegenteil, der christliche Inhalt ist uns sehr wichtig – und das scheint auch bei den Gottesdienstbesuchern angekommen zu sein.»

Aber wie kommen die Verantwortlichen auf die Idee von Hip-Hop- und Breakdance-Elementen im Gottesdienst? Heinzmann lächelt und erklärt: «Das war ein Experiment, wir wussten nicht, ob es klappen würde. Aber am Ende sind wir alle sehr positiv überrascht.»

Lotto im Altersheim

Eine ähnliche Veranstaltung gab es – soweit Heinzmann weiss – im Pastoralraum Muri noch nie. Woher stammt also die Idee, an einem ganz normalen 20. Januar eine solche Feier durchzuführen? Er muss etwas ausholen: «In unserem Pastoralraum haben wir eine spezielle Art der Firmvorbereitung.

In der ersten und zweiten Oberstufe müssen alle künftigen Firmlinge pro Jahr drei Kurse plus einen geistlichen Impuls besuchen. Die Impulse sind von ihnen mitgestaltete Gottesdienste.» In den Kursen hingegen sind die Themen weit gefächert: Von der Klosterführung by night über Lotto im Altersheim oder das Kennenlernen einer ehemaligen Gefängnisseelsorgerin bis hin zu Menschenrechten hinter den Smartphones bietet das Team der Oberstufenkatechese viele Themen an.

Man mag sich fragen, was das mit Firmvorbereitung zu tun hat. Heinzmann kennt die Frage und sagt: «Christentum ist nicht nur Gottesdienst und Bibellesen, sondern auch das geschwisterliche Miteinander, die Gemeinschaft. Das wollen wir unseren künftigen Firmlingen – neben theoretischem Wissen – auch mitgeben.»

«Auf Hip-Hop und Breakdance kam eine unserer Katechetinnen, die von Hip-Hop-Gottesdiensten in Bern gehört hatte. Das Hiphop Center Bern bietet Workshops an, da fanden wir, probieren wir, ob sich unsere Oberstufenschüler dafür interessieren.» Das taten sie: Am Ende standen sieben Hip-Hopperinnen, zwei Breakdancerinnen und fünf Breakdancer auf der Bühne beziehungsweise vor dem Altar und lieferten ihre Show.

«Es war so cool, so macht Kirche Spass», fand eine der Hip-Hopperinnen. Das freut Heinzmann, der als Schlagzeuger mit Diakon Francesco Marra an der Gitarre und Kirchenmusiker Lothar Erbel am Klavier die Band bildete. «Die Feier sollte von Jugendlichen für Jugendliche sein, die Erst- und Zweitoberstüfler tanzten für die Firmlinge aus der dritten Oberstufe.» Erneut weist er darauf hin, dass aber nicht nur die Show im Zentrum stand, sondern die gesamte Feier mit Inhalt gefüllt war. Auch die Musik.

«Zeig mir dä Wäg», singt Bligg

Das Lied «Zeig mir dä Wäg» des Schweizer Mundartsängers Bligg ist quasi der Soundtrack zum diesjährigen Firmjahr des Pastoralraums Muri und Umgebung. «Es ist tiefgründig, dennoch modern und bei den Jugendlichen bekannt.»

Dazu passt das Thema der Firmvorbereitung: Wegweiser. Firmbegleiter trugen dazu Texte vor. Pfarrer Georges Schwickerath zeigte in seiner Predigt, dass es nicht nur blecherne Wegweiser am Strassenrand gibt, sondern dass auch Menschen Wegweiser sein können. «Besonders, wenn es einem schlecht geht, braucht man Wegweiser, die einen nicht im Stich lassen», war seine Botschaft an Firmlinge und Firmpaten. «Es sind die Leute, die einem zeigen: Ich liebe dich, obwohl ich dich kenne.»

Heinzmann freut sich, dass die Jugendfeier gut angekommen ist: «Wir haben alles von Anfang an selber erarbeitet. Wir waren wirklich nervös und wussten nicht, wie das ankommen würde. Nun freut es uns umso mehr, dass wir so gute Rückmeldungen von Kirchenbesuchern erhalten haben.» Ob sie wieder einmal einen ähnlichen Gottesdienst durchführen, weiss er noch nicht. «Aber wenn es passt, könnte ich mir das durchaus vorstellen.»

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