Benzenschwil

Fahrender: «Wir bringen wieder eine Schweizer Kultur ins Freiamt»

Die Gegner haben schon einmal ein Plakat beim Kreisel in Benzenschwil montiert.

Die Gegner haben schon einmal ein Plakat beim Kreisel in Benzenschwil montiert.

An einer Informationsveranstaltung zum geplanten Durchgangsplatz in Benzenschwil konnten viele Fragen geklärt, aber nicht alle Skepsis ausgeräumt werden. Auch Vertreter von Fahrenden waren vor Ort.

Warum ein Durchgangsplatz für Fahrende in Benzenschwil? Weil er eine gute, übergeordnete Lage aufweist, weil er nicht direkt an eine Wohnzone angrenzt und weil er über eine gute Erschliessung mit Elektrizität, Wasser und Abwasser verfügt, führte Jörg Hartmann von der Fachstelle für Fahrende Kanton Aargau gestern an der Informationsveranstaltung in Benzenschwil aus. Es tauchten viele Fragen auf.


Nicht gegen die Bevölkerung
«Der Platz kann nicht gegen die Bevölkerung gebaut werden», unterstrich der Merenschwander Gemeindeammann Karl Suter. Der Gemeinderat habe aber Ja gesagt zum Richtplanverfahren, das einer Realisierung des Durchgangsplatzes vorangeht. «Wir wollen in diesem Verfahren die Stimmung in der Bevölkerung spüren.» Eine Umzonung müsste letztlich die Gemeindeversammlung beschliessen.

«Wenn sich eine Riesengegnerschaft entwickelt, kann man sich das Richtplanverfahren sparen.» Vorteile für die Gemeinde gebe es jedenfalls keine. Das sieht der Jenische Venanz Nobel vom Verein «schäft qwant» anders: «Wir bringen wieder eine Schweizer Kultur ins Freiamt, die früher hier heimischer war.»


Sauberkeit im eigenen Interesse
Fritz Beck machte darauf aufmerksam, dass es viele Bauern gebe, die ihre Gründe hätten, weshalb sie Fahrende nicht mehr für Spontanhalte auf ihr Land lassen. Grössere Probleme bei Spontanhalteplätzen sei fast immer mit ausländischen Fahrenden entstanden und nicht mit Schweizern, führte Hartmann aus.

«Wenn Fahrende Lärm und Unordnung machen, wird selbstverständlich interveniert und weggewiesen», betonte Beyeler. Das sei auch im Interesse der «Radgenossenschaft der Landstrasse». Das bestätigte deren Präsident, Daniel Huber: «Für uns sind Durchgangsplätze heilig. Wir wollen die Plätze sauber halten, weil wir nächstes Jahr wieder da hin wollen.»


Nicht kalte Schulter zeigen
Daniel Ringier, Chef Stadtpolizei Aarau, stellte den Schweizer Fahrenden ein gutes Zeugnis aus. Aarau kennt den Platz für Fahrende seit rund 30 Jahren. «Mit Schweizer Fahrenden haben wir bisher nichts gehabt. Sie halten Ordnung, zahlen korrekt und im Voraus.» Josef Nogara, Präsident des Regionalplanungsverbandes, machte klar, dass sich «sicher keine Gemeinde freiwillig für einen solchen Durchgangsplatz finden lässt.» Aber man müsse sich schon Überlegungen für eine Lösung machen. «Wir können dem Kanton nicht einfach die kalte Schulter zeigen, wenn er seinen Verpflichtungen nachkommen muss.»

Bauer Erwin Stöckli machte deutlich, dass er als direkter Anstösser rund um den geplanten Durchgangsplatz bauern und Kühe weiden lassen müsse. «Das gibt garantiert Konflikte.» Beyeler anerkannte, dass diese Situation noch genau angeschaut werden muss. «Aber möglicherweise finden wir auch dafür eine guten Lösung.»

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