Fitnesscenter
Sie haben vier wichtige Monate verloren, den Mut und die Zuversicht hingegen nicht

Nach vier Monaten verordneter Pause haben die Fitnessstudios am Montag ihre Türen wieder geöffnet. Während die Kunden sich freuen, dass sie endlich wieder Gewichte stemmen dürfen, müssen die kleineren Studios den Gürtel enger schnallen.

Nathalie Wolgensinger
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Zahanna und Sandro Comolli von der Combi Fit AG in Zufikon bedauern die verlorenen vier Monate, geben jetzt aber Vollgas.

Zahanna und Sandro Comolli von der Combi Fit AG in Zufikon bedauern die verlorenen vier Monate, geben jetzt aber Vollgas.

Nathalie Wolgensinger

Die Freude war auf beiden Seiten gross, als am Montag die Fitnessstudios die Türen wieder öffnen durften. Während die Sportler jedoch Gewichte drückten, beugten sich viele Geschäftsführer mit Sorgenfalten über ihre Buchhaltung.

Der Zeitpunkt für die Wiedereröffnung der Fitnesscenter ist denkbar schlecht: «Sobald es wärmer wird, trainieren die Leute lieber draussen an der frischen Luft, dann löst man kein Fitnessabo», bringt es Sandro Comolli auf den Punkt. Er führt gemeinsam mit seiner Ehefrau Zhanna und Geschäftspartner Mauro de Minico das Fitnesstudio Combi Fit AG in Zufikon. Die vergangenen vier Monate wären die Umsatzstärksten gewesen, bedauert er.

Während der Pandemie kündigten rund 30 Prozent der Combi-Fit-Mitglieder ihre Verträge oder erneuerten sie nicht mehr. Mit diesen Problemen stehen die Zufiker Fitnessstudio-Betreiber nicht alleine da. Auch Peter Haenggi, der das Fitlife Training in Anglikon führt, kennt diese Sorgen. Er sagt:

«Uns sind mehr als 50 Prozent des Umsatzes weggebrochen.»
Peter Haenggi ist Inhaber des Fitlife Training in Anglikon.

Peter Haenggi ist Inhaber des Fitlife Training in Anglikon.

Nathalie Wolgensinger

Weder die Geschäftsführer in Zufikon noch Haenggi in Anglikon zaudern deshalb. Im Gegenteil, sie gehen mit viel Elan an die Wiedereröffnung. Und sie sind sich einig, dass es endlich Zeit wird, dass wieder trainiert werden darf. Der Lockdown war nämlich nicht nur für die Inhaber der Fitnessstudios hart, sondern auch für ihre Kundschaft.

Haenggi sagt: «Unsere Kunden haben das Training vermisst. Viele bedauern, dass sie die letzten Monate nicht trainieren konnten, und einige haben deswegen auch gesundheitliche Probleme bekommen.»

Sie haben sich umfangreiche Schutzkonzepte überlegt

Es sind mehrheitlich ältere Sportlerinnen und Sportler, die in den beiden Fitnesszentren trainieren. Sie schätzen die familiäre Atmosphäre und die persönliche Betreuung. Viele sind bereits geimpft und müssen sich deshalb weniger Sorgen um eine Ansteckung machen.

Hygienemassnahmen im Fitlife Training in Anglikon.

Hygienemassnahmen im Fitlife Training in Anglikon.

zvg

Beide Studios haben umfangreiche Hygienekonzepte ausgearbeitet, einzelne Geräte gesperrt oder Kartonwände zwischen die Ausdauergeräte gestellt, um die Kunden möglichst gut zu schützen. Es gilt Maskenpflicht und die Mitglieder sind angehalten, wenn möglich, nicht während den Stosszeiten am frühen Morgen oder während der Abendstunden zu trainieren. Und die Teilnehmerzahl der Gruppentrainings wurde reduziert.

Diese Vorgaben haben sich während der ersten beiden Tage nach der Öffnung bewährt. Sowohl Haenggi als auch das Ehepaar Comolli sind sich sicher, dass ihre Kundschaft diese Regeln auch künftig einhalten wird. Kopfzerbrechen bereitet ihnen allen hingegen die Tatsache, dass wohl nicht alle Kunden wieder in ihre Studios zurückkehren werden.

Einige haben sich ihr Fitnesscenter daheim im Keller eingerichtet

Einfach, aber effektiv: Die Ausdauergeräte wurden mit Kartonwänden voneinander abgetrennt.

Einfach, aber effektiv: Die Ausdauergeräte wurden mit Kartonwänden voneinander abgetrennt.

zvg

Sandro Comolli erzählt: «Ich weiss von Leuten, die sich daheim im Keller ein kleines Studio mit Geräten und Hanteln eingerichtet haben. Dass diese Kunden wieder ins Fitnesscenter zurückkehren, bezweifle ich.»

Als wäre dies nicht schon Sorge genug, gilt es auch, die Umsatzeinbussen der vergangenen vier Monate und des ersten Lockdowns wieder wettzumachen. Während Haenggi die Umsatzeinbussen mit Rücklagen aus den letzten Jahren auffangen konnte, mussten Zhanna und Sandro Comolli und Mauro di Minico Geld aus ihrem privaten Kapital einbringen.

Obendrauf kommt nun noch, dass beide Fitnesscenter ihren Kunden die trainingsfreien Monate erstatten möchten. Haenggi freut sich: «Ich hatte bereits einige Kunden, die aus Solidarität auf eine Rückerstattung verzichtet haben.»

Trotz dieser drückenden Sorgen blicken beide Unternehmer positiv in die Zukunft. Denn sowohl Haenggi als auch das Ehepaar Comolli und Mauro di Minico führen die beiden Zentren seit vielen Jahren und haben sich eine treue Stammkundschaft aufbauen können. Sandro Comolli blickt deshalb optimistisch in die Zukunft:

«Im Studio zu trainieren, ist viel mehr als nur Sport. Man trifft andere Leute, kommt ins Gespräch und tauscht sich aus. Das kann einem der private Fitnessraum im Keller nicht bieten, und sei er noch so gut eingerichtet. »

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