Bahnverbindung

Freiämter fahren ja kaum ins Tessin – Grossräte scheitern mit Anfrage bei der Regierung

Freiämter Grossräte machen sich für bessere Bahnverbindungen vom und ins Freiamt stark, der Erfolg ist (bisher noch) bescheiden.

Freiämter Grossräte machen sich für bessere Bahnverbindungen vom und ins Freiamt stark, der Erfolg ist (bisher noch) bescheiden.

Freiämter Grossräte pochen beim Kanton auf mehr Werbung für Bahnverbindungen in den Süden – doch die Regierung schmettert ihr Anliegen ab.

Ab Juni 2019 bis Dezember 2020 profitiert der Aargau von einer SBB-Baustelle am Zugersee. Die direkte Verbindung von Zug nach Arth-Goldau ist gesperrt und die Züge müssen über Rotkreuz ausweichen.

Als Folge davon gibt es dort bessere Anschlüsse für die Züge aus dem Raum Aarau-Lenzburg-Freiamt – die Reisezeit in den Süden verkürzt sich um rund eine halbe Stunde. Damit kann endlich auch das Freiamt vom Gotthard-Basistunnel profitieren und muss nicht bloss den zunehmenden Güterverkehr auf der SBB-Südbahnlinie ertragen.

Weichen für Zukunft stellen

Leider nur für eine begrenzte Zeit, denn wenn der Ausbau im Raum Walchwil fertig ist, fällt der Anschluss in Rotkreuz wieder weg und vorbei ist es mit der schlanken Neat-Verbindung für den Aargau.

Die Freiämter Grossräte Herbert Strebel (CVP, Muri), Stefan Huwyler (FDP, Muri) und Arsène Perroud (SP, Wohlen) wollten zusammen mit Grossratskollegin Sabine Sutter-Suter (CVP, Lenzburg) Gegensteuer geben und die Weichen für eine bessere Aargauer Neat-Zukunft stellen.

Der Kanton, verlangten sie in einer Interpellation, solle für die attraktive Ad-interim-Verbindung intensiv Werbung machen und mit einem Monitoring beobachten, wie sich die Reisetätigkeit dank dem neuen Angebot entwickle. Mit den Resultaten könne der Aargau dann bei den SBB Druck für langfristig bessere Anschlüsse an die Neat aufbauen.

Alles zwecklos. Aus dem Freiamt will eh kaum jemand ins Tessin reisen, steht in der jetzt vorliegenden Antwort des Regierungsrats sinngemäss.

Nachfragepotenzial zu gering

Wörtlich hält er in seiner Antwort fest: «Aufgrund des im Verhältnis kleinen Nachfragepotenzials aus dem Kanton Aargau beziehungsweise aus dem Freiamt Richtung Gotthard–Tessin, beschränken sich die Werbemassnahmen der SBB auf Plakate, die auf das Übergangskonzept aufmerksam machen. Eine weitere Werbeaktion im Freiamt erachtet der Regierungsrat aus Kosten-Nutzen-Überlegungen als nicht verhältnismässig.»

Der Kanton stützt sich bei seiner Interpretation der Nachfrage nach Zugsverbindungen auf Abklärungen: «Eine im Jahr 2014 in Auftrag gegebene Potenzialstudie über die öV-Nachfrage aus dem Korridor Olten–Aarau–Lenzburg–Wohlen–Muri–Sins in Richtung Arth-Goldau–Flüelen–Gotthard/Basistunnel–Tessin zeigt, dass nur wenig zusätzliche Fahrgäste die Bahn benutzen, auch wenn die Reisezeiten Richtung Süden attraktiver werden.»

«Es geht nicht ums Wollen»

«Ist der Regierungsrat überhaupt gewillt, diese sich bietende, einmalige Gelegenheit einer stark verkürzten und verbilligten Fahrt Richtung Süden der Aargauer Bevölkerung in angemessener Form bekannt zu machen?», hatten die Interpellanten in ihrem Vorstoss von Mitte November 2018 weiter gefragt.

«Es gehe nicht ums Wollen», antwortet der Regierungsrat auf diese harte Frage: «Mit der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels haben sich die Reisezeiten aus dem Kanton Aargau wie auch auf der gesamten Nord-Süd-Achse bereits stark reduziert. Der Nachfragesprung fiel deutlich geringer aus als erwartet.» Der Mehrverkehr auf der Gotthard-Achse, schreibt die Regierung weiter, liege rund 600 Reisende pro Tag unter den erwarteten Prognosewerten der SBB.

Da zudem lediglich ein kleiner Teil der Reisenden aus dem Raum Aarau/Lenzburg beziehungsweise dem Freiamt in Richtung Süden fahre, würden auch die Reisezeiteinsparungen während der Übergangsphase mit Spitzkehre Rotkreuz nur zu wenig Neu- beziehungsweise Umsteigeverkehr führen.

Der Regierungsrat erachte die vorgesehenen Werbemassnahmen der SBB als angemessen. Er nehme positiv zur Kenntnis, dass die Region Initiativen ergreife, die vorübergehenden besseren Verbindungen bekannter zu machen. Diese Initiative werde positiven Einfluss auf die Entscheide zur geplanten Bestellung eines Versuchsbetriebs für Zusatzleistungen ab Dezember 2020 haben, hält er fest. Was den Schluss erlaubt: Die Interpellation war zumindest nicht ganz für die Katz.

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