Übernachtungen

Freiämter Hotels leiden nicht unter Eurokurs: «Leute zahlen weiterhin für Qualität»

Die Hoteliers der Region – hier Robert Stöckli – sind nicht beunruhigt.ES

Die Hoteliers der Region – hier Robert Stöckli – sind nicht beunruhigt.ES

Das Aufheben des Euro-Mindestkurses hat die Wirtschaft zünftig auf den Kopf gestellt. Doch was für eine Auswirkung hat diese Massnahme auf die Hotelbelegung der Region?

Nachdem letzte Woche der Euro-Mindestkurs aufgehoben wurde, zieht es wohl die wenigsten noch in die Schweizer Berge. Vielmehr buchen die Leute ihre Ferien im Ausland, wo sie von ungewöhnlich günstigen Preisen profitieren können. Doch wie sieht die Situation für Freiämter Hotels aus? Die AZ hat nachgefragt, ob der teuer gewordene Franken Gäste fernhält.

Kaum Veränderungen spürbar

«Wir spüren noch nichts», sagt Mehmet Calikusu, Inhaber des «Freiämterhofs» in Wohlen. Dieser Aussage können sich die zuständigen Leute der beiden Hotels Stadthof und Sonne in Bremgarten nur anschliessen. Auch Robert Stöckli, Hotelier des «Ochsen» in Muri, berichtet, dass es zurzeit keine Probleme gebe. «Wir haben zwar Gäste, die in Euro zahlen, doch die haben ihren Aufenthalt hier schon länger geplant und sagen nicht einfach so ab.»

Das mag vor allem daran liegen, dass es sich bei den meisten Kunden um Geschäftsleute handelt. «Wenn Leute aus geschäftlichen Gründen an einen bestimmten Ort müssen, haben sie kaum eine andere Wahl.» Severin Brugger, Direktor des Hotels Villmergen, sieht es ähnlich: «Wir sind weniger vom Euro abhängig, sondern vielmehr von der Industrie der Umgebung. Vereinfacht gesagt: Geht es der Industrie gut, dann geht es auch uns gut.» Josef Füglistaller, Besitzer des Kellerämterhofs in Oberlunkhofen sowie Verbandspräsident von Gastro Aargau, erklärt: «Wir haben hier im Freiamt einen beachtlichen Wirtschaftsraum. Solange dieser gut funktioniert, tun wir das auch. Deshalb ist die Frankenstärke kaum spürbar.»

Im Hotel Arcade in Sins zeitige die Aufhebung des Euro-Mindestkurses kleine Folgen, sagt Jenny Schwotzer. Die Mitarbeiter würden zwar kaum etwas davon mitbekommen. Reisegruppen aus dem Ausland – im Sinser Hotel gastieren oft Gruppen aus Asien – müsse man aber entgegenkommen, weil sie meist in Euro zahlten. Damit diese jetzt nicht mit groben Preissaufschlägen konfrontiert werden, gewähre man ihnen Rabatt.

«Das wird sich schon einpendeln»

Was macht das Freiamt für Geschäftsleute überhaupt so attraktiv? «Das Freiamt verfügt über einen grossen, internatonal genutzten Wirtschafts- und Industrieraum», erklärt Hotelier Severin Brugger. Zudem seien die beiden Bezirke Bremgarten und Muri sehr gut gelegen. «Die zentrale Lage ermöglicht eine schnelle Verbindung zu Städten wie Zürich, Zug und Luzern» streicht Berufskollege Josef Füglistaller hervor. Laut den Hoteliers stammen die meisten Gäste aus dem europäischen Raum, einige aber auch aus fernen Ländern wie USA, China oder Indien. Laut Evelyne Deon-Röllin, Gastgeberin des Hotels Sonne, übernachten in ihrem Betrieb sehr oft ausländische Mitarbeiter einer Bremgarter Firma, der Georg Utz AG.

Wie könnte sich die Situation für die Hotels nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses weiterentwickeln? «Eine Einschätzung zum heutigen Zeitpunkt ist schwierig», sagt Severin Brugger. Robert Stöckli vermutet, dass sich die Hysterie bald wieder legen wird: «Das Ganze wird sich früher oder später vernünftig einpendeln.» Josef Füglistaller hält die Euro-Schwäche für keinen sehr grossen Nachteil: «Die Kunden werden weiterhin bereit sein, für gute Qualität angemessen zu bezahlen.»

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