Klassik

Freiämter Jugendliche verwandeln Zürcher Tonhalle in Party-Palast

Verantwortlich für den musikalischen Stilbruch: Die Kantischüler Nina Marra und Gabriel Obrecht.

Verantwortlich für den musikalischen Stilbruch: Die Kantischüler Nina Marra und Gabriel Obrecht.

Nach dem klassischen Konzert haben Electro- und Hip-Hop-Klänge die Räume der Tonhalle dominiert. «Unser Ziel war es, die klassische Musik der Tonhalle mit anderen, moderneren Stilen zu kombinieren», erklären die jungen Organisatoren aus dem Freiamt.

Noch hallen die Geigenklänge in der Tonhalle Zürich nach. Noch hat das Publikum den subtilen Dialog zwischen Violine und Bratsche in Mozarts Sinfonia Concertante in Es-Dur im Ohr. Doch schon kurz nach dem Abflauen des Applauses im grossen Saal werden diese feinen akustischen Klänge übertönt.

Denn sobald die Türen zum Foyer geöffnet werden, erwartet die Konzertbesucher eine andere Welt: grelle Lichter, hochprozentiger Alkohol und vor allem ein harter Elektrobass. Zwischen tanzenden Gästen gibt es schon bald kein Durchkommen mehr. Inmitten der feierfreudigen Menge stehen die beiden Freiämter Nina Marra aus Villmergen und Gabriel Obrecht aus Arni. Sie sind verantwortlich für den musikalischen Stilbruch. Seit vergangenem Sommer beschäftigen sich die beiden Kantonsschüler im Projekt TOZdiscover der Tonhalle Zürich damit, wie man Jugendlichen den Weg zur klassischen Musik ebnen könnte. Am vergangenen Freitag präsentierten sie das Resultat.

«Unser Ziel war es, die klassische Musik der Tonhalle mit anderen, moderneren Stilen zu kombinieren», erklärt Obrecht. Mit diesem Konzept wolle man vor allem Personen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren ansprechen.

Nach dem klassischen Konzert unter der Leitung des französischen Chefdirigenten Lionel Bringuier dominierten am vergangenen Freitag deshalb vor allem Electro-, Hip-Hop-, Jazz- und Experimental-Klänge die Räume der Tonhalle. «Eine solche musikalische Diversität in einem solch edlen Ambiente – das ist absolut einzigartig!», sagt der 18-Jährige.

Insgesamt neun Jugendliche arbeiten seit August als Schulmanager für die Tonhalle – die Organisation vom TOZdiscover ist der Höhepunkt ihres Praktikums. In den vergangenen Monaten beschäftigten sich die Teilnehmer dabei nicht nur mit Budget- und Finanzplanung, sondern auch mit Marketing, Präsentationstechnik und Webdesign. Vor allem von der engen Zusammenarbeit mit der Tonhalle habe man enorm profitiert, erzählt Marra: «Wir hatten nicht nur Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen einer Kulturinstitution zu werfen, sondern auch die Chance, selbstständig und nach unseren eigenen Vorstellungen mit den verschiedenen Abteilungen im Haus zusammenzuarbeiten.» Dennoch sei es eine sehr intensive Zeit gewesen, so die Kantonsschülerin: «Ich habe einen grossen Teil meiner Freizeit dafür investiert, aber es hat sich definitiv gelohnt! Wir konnten enorm von diesem Projekt profitieren und haben unglaublich viel gelernt.»

Die Gäste am TOZdiscover sind durchmischt. Es sind erfahrene Musikkenner, aber auch junge Teenager in Feierlaune. Einen erkennbaren Dresscode gibt es nicht: «Ich hätte mich eben doch eleganter anziehen sollen», stellt eine junge Frau konsterniert fest. Sie trägt ein grelles Top und fühlt sich damit im edlen Ambiente sichtlich unwohl.

Eine Party in der Tonhalle ist ein einzigartiges Erlebnis. Es wird friedlich und stilvoll gefeiert – ohne Aggressionen und Eskapaden, wie man sie sonst vom Zürcher Nachtleben kennt. Über tausend Personen wollten sich am vergangenen Freitag das erste TOZdiscover nicht entgehen lassen. Die letzte Ausgabe sei es sicher nicht gewesen, sagt Marra: «Nach dieser grossartigen Premiere und den tollen Rückmeldungen wird das Projekt auch im kommenden Jahr wieder durchgeführt.» Bereits jetzt kann man sich über die Website der Tonhalle für eine Stelle als Schülermanager und damit als Organisator für die zweite Ausgabe von TOZdiscover bewerben.

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