Freiamt
Viel gelernt über Hanfanbau – Landi Freiamt hatte ein Spitzenjahr

Nicht nur ihr Hanfprojekt ist sehr gut angelaufen, wie die Landi Freiamt in ihrem Jahresbericht aufzeigt. Auch konnte sie im Coronajahr «nie dagewesene Umsatzzahlen» verbuchen. Der Detailhandelsumsatz vom Topshop und den 18 Volg-Läden wurde um 18,2% auf gesteigert.

Andrea Weibel
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Lohnunternehmer Maurus Rosenberg aus Bünzen (vorne) und Daniel Appert, Geschäftsführer Landi Freiamt, begutachteten das erste Hanffeld, das geerntet wurde.

Lohnunternehmer Maurus Rosenberg aus Bünzen (vorne) und Daniel Appert, Geschäftsführer Landi Freiamt, begutachteten das erste Hanffeld, das geerntet wurde.

Eddy Schambron (28.8.2019)

Bereits im zweiten Jahr baut die Landi Freiamt Hanf an. Und zwar ist diese im Freiamt traditionelle und doch beinahe vergessene Pflanze für den menschlichen Verzehr gedacht. Im August 2020 kamen die geschälten Hanfnüsse und das Hanföl in den eigenen Verkaufsstellen erstmals in die Regale. Sie sollen nicht nur hochwertiges, pflanzliches Protein, gesunde Fette, viele Ballaststoffe, Vitamine und Spurenelemente liefern, sondern auch ohne Pflanzenschutz und Dünger angebaut werden können. Die ersten Verkaufszahlen stimmen positiv, schreibt Daniel Appert, Geschäftsführer Landi Freiamt, im Jahresbericht.

Landwirte aus dem Freiamt, angrenzenden Gebieten und den Kantonen Basel-Land, Bern sowie Solothurn produzierten 2020 Hanf im konventionellen und biologischen Anbau. Appert hält fest: «Auch im konventionellen Anbau sollen Landwirte die Möglichkeit erhalten, Kulturen ohne Pflanzenschutz und Kunstdünger anbauen zu können. Das kann ein kleiner Beitrag zur ökologischeren Landwirtschaft sein, ohne gleich den gesamten Betrieb auf Bio umstellen zu müssen.»

Emil Bächler beim Säen von Hanf in Benzenschwil.

Emil Bächler beim Säen von Hanf in Benzenschwil.

Eddy Schambron (16.5.2019)

Die Haupternte mit den hochwachsenden Sorten erfolgte im Freiamt Mitte September und damit zur idealen Zeit für die Hanfnüsse. Die ersten Erfahrungen liessen die Freiämter Hanfbauern viel lernen. Die Landi beschloss, in eine Trocknungs- und Reinigungsanlage zu investieren. «Leider verunmöglichte das nasse Herbstwetter erneut, das Hanfstroh in der gewünschten Zeit und Trockenheit einzubringen», schreibt Appert. Die Erfahrungen aus den beiden ersten Anbaujahren bewogen die Landi dazu, 2021 nur noch die niedrigwachsende Sorte Finola und damit ohne Strohernte anzubauen. «Der Hanf kann mit normalen Dreschern aus der Region geerntet werden, und wir haben in diesem Jahr auch keinen Bedarf für Stroh.»

Zivilschützer halfen bei Zutrittskontrollen

Abgesehen vom Hanf war natürlich auch bei der Landi Freiamt Corona ein allumfassendes Thema. Im Geschäftsbericht erinnert sich Adrian König, Bereichsleiter Agro: «Beim ersten Lockdown Mitte März wurden unsere Läden richtiggehend gestürmt. Insbesondere die Regale mit den länger haltbaren Lebensmitteln und Haushaltsverbrauchsmaterialien waren stets leergefegt, temporär wurde Toilettenpapier zum begehrtesten Gut.» Und:

«Als die Zutrittskontrollen am 23. März in Kraft traten, waren wir sehr erleichtert, während der folgenden beiden turbulenten Tage auf die Unterstützung der regionalen Zivilschutzorganisation zählen zu dürfen.»

Die Zahl der Kunden und die Höhe der getätigten Einkäufe sind im Coronajahr «erfreulich gestiegen». Die Volg-, Topshop- und Landi-Läden waren insbesondere während des Lockdowns im Frühling wichtig für die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum. So wurde der Detailhandelsumsatz vom Topshop und den 18 Volg-Läden «um sagenhafte 18,2% auf erstmals über 50 Mio. Franken» gesteigert.

Onlineshop war zeitweise überlastet

Dass die Landi in den vergangenen Jahren auch ihren Onlineshop ausgebaut hat, kam ihr während der Coronazeit zugute. Die Kunden konnten online bestellen und die Produkte vor Ort abholen, ohne den Laden zu betreten. «Von dieser Möglichkeit wurde so rege Gebrauch gemacht, dass unsere Infrastruktur, die Lagerkapazitäten und Prozesse teilweise überfordert wurden», heisst es im Jahresbericht. Dies bedeutete sogar:

«Zwischenzeitlich musste sogar der Landi-Onlineshop infolge Überlastung inaktiv gesetzt werden.»

Appert schreibt: «Für Händler ist es wohl das Grösste, wenn sich am Morgen vor Ladenöffnung bereits Schlangen von wartenden Kunden bilden. Nach dem Corona-Lockdown und Neustart mitten in der Hauptsaison wurden wir in den Landi-Läden regelrecht von Kunden überrannt. Trotz weiter geltender Einschränkungen erreichten wir noch nie dagewesene Umsätze.»

In Zahlen: Der Warenverkauf stieg von 90,2 Mio. auf 97,4 Mio. Franken. Die Mehrumsätze bei den 18 Volg- und den drei Landi-Läden sowie dem Topshop fielen markant aus. Der Bruttogewinn nahm entsprechend deutlich von 15,8 Mio. auf 18,1 Mio. Franken zu. Zusammen mit den Miet- und Dienstleistungserträgen resultiert ein Betriebsertrag von 19,8 Mio. (Vorjahr: 17,5 Mio.) Franken.

Ausserdem wurde der Volg Beinwil umgebaut, jener in Merenschwand zügelte für rund drei Jahre in ein grosses Provisorium, da der Laden neu gebaut wird. Dafür wurde auch der ehemalige «Hirschen» abgerissen. Zudem hat die Landi Freiamt in mehrere nachhaltige Immobilienprojekte investiert.

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