Muri

Freiwillige helfen auf ganz unterschiedliche Weise bei der Integration

Café Grüezi

Café Grüezi

Auf privater Basis sind erfolgreich Angebote entstanden, um den Asylsuchenden unter die Arme zu greifen.

Auf privater Basis sind erfolgreich Angebote entstanden, um den Asylsuchenden unter die Arme zu greifen. So beispielsweise das Café Grüezi, bei dem Flüchtlinge Deutsch lernen können – und das auch fleissig tun.

In Muri werden die Flüchtlinge, die im Notspital unterirdisch untergebracht sind, nicht allein gelassen. Es sind Angebote entstanden, welche die offizielle Betreuung wertvoll unterstützen.

Neben den sogenannten «Café Grüezi» im Zentrum Im Roos und in der Fremo jeweils am Dienstag und Donnerstag wird am Montagabend mit Fachleuten des FC Muri Fussball in der Halle Fussball gespielt.

Allen Aktivitäten gemeinsam ist: Schweizerinnen und Schweizer engagieren sich privat und ehrenamtlich für die Flüchtlinge. Und alle sind auf die Initiative von zwei Frauen, Eva Halter und Ursula Matter, zurückzuführen.

Ohne Sprache geht nichts

«Wichtig» ist ein Arbeitspapier überschrieben. «Important?», fragt Sajjad Ali. Der Afghane, der vor seiner Flucht als Grafikdesigner und Fotograf gearbeitet hat, kann etwas englisch.

Und unter dem Titel «Wichtig» auf seinem Zettel stehen Worte wie Entschuldigung, Auf Wiedersehen, Guten Tag oder Bitte langsam sprachen. Zusammen mit 30 weiteren Afghanen lernt er im Café Grüezi im Raum der Evangelischen Gemeinde in Muri die deutsche Sprache.

Sprachkenntnisse sind der Schlüssel, um mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen. Selbst das Spiel, das im zweiten Teil des Nachmittag an den Tischen für Vergnügen sorgt, wird für die Vermittlung von Sprachkenntnissen genutzt.

Im Café Grüezi im Zentrum Roos, das zuerst eröffnet wurde, ist es grundsätzlich nicht anders, nur dass sich hier am Donnerstagnachmittag inzwischen mit 60 Männern jeweils doppelt so viele Flüchtlinge einfinden.

Das ist möglich, weil hier die Platzverhältnisse diese grosse Zahl zulassen. Bis 15 freiwillige Helferinnen und Helfer engagieren sich auch hier ehrenamtlich. Auffallend ist: Die Flüchtlinge sind sehr lernbegierig und eifrig. Selbst in der Pause schreiben manche in ihre Notizblöcke und repetieren gelernte Sätze.

Wie ein Lauffeuer

Eva Halter und Ursula Matter wollten ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen, als sich Opposition gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in der Geschützten Operationsstelle (GOPS) manifestierte.

Sie haben Freunde und Bekannte angeschrieben und in der Lokalpresse ihren «Aufruf zur Gelassenheit» als Inserat erscheinen lassen. «Das ging dann herum wie ein Lauffeuer», erinnert sich Halter.

Immer mehr Menschen wollten sich engagieren, entweder mit Geld oder mit ehrenamtlichem Engagement oder gar mit beidem. Jedenfalls blieben nach der Bezahlung der Inserate 2315 Franken übrig, Geld, das die beiden Frauen in einer ergiebigen Form zugunsten der Flüchtlinge einsetzen wollten. Die Idee zum Café Grüezi entstand.

Starke Beteiligung

Die Gemeinde ermöglichte die kostenlose Benützung von Raum im Zentrum «Im Roos» und am 5. November war der Start für die erste Ausgabe, anfangs mit zurückhaltender Beteiligung, inzwischen mit jeweils über 60 Asylsuchenden.

Frauen, vor allem aus der reformierten Kirchgemeinde, backen Kuchen, etwa 30 Leute helfen abwechslungsweise beim Café Grüezi mit. «Wir haben nichts Neues erfunden», fasst Matter zusammen, «und wir wussten auch nicht, was auf uns zukommt oder ob wir uns wie auf diese Zusammenkünfte vorbereiten sollten.»

Ein Thema war beispielsweise, ob ein Schutz vor möglichen Krankheiten notwendig ist. «Aber dann begegnet man einfach Menschen und viele Befürchtungen rücken in den Hintergrund.»

Michelle Jordan und Maya Hauser haben zudem seit anfangs Dezember den Ableger des Café Grüezi im Fremo-Gebäude eingerichtet, der gleich funktioniert wie im «Roos».

Idee zieht Kreise

Doch damit nicht genug: Seit Anfang November besteht eine Wander- und Laufgruppe, die sich jeweils am Montag mit Flüchtlingen auf den Weg macht. Der Besenbürer Lehrer Martin Geiger hat seine Beziehungen genutzt, um für die Fussballer aus Afghanistan ein wöchentliches Fussballtraining in der Halle, betreut durch Fachleute des FC Muri, zu organisieren.

Nun versucht er, Flüchtlinge ins Volleyball zu integrieren. Andere Leute machen mit ihnen regelmässig Spaziergänge, spenden Kleider oder organisieren Eintrittskarten für Spiele der Murianer Hand- und Fussballer. «Es ist eine positive Dynamik entstanden», freuen sich Halter und Matter über die Wellenringe, die ihr Stein im «Wasser» erzeugt hat.

Ursula Matter und Eva Halter haben das Café Grüezi in Muri initiiert.

Ursula Matter und Eva Halter haben das Café Grüezi in Muri initiiert.

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