Villmergen
Friedensforschung im Schloss Hilfikon

Der Historiker Josef Kunz will 2012 mehr als eine Gedenkfeier für den 2. Villmergerkrieg. er fordert unter andrem ein die Schaffung eines interkulturellen Friedensforschungsinstituts mit Sitz im Schloss Hilfikon.

Andrea Weibel
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Josef Kunz vor dem Gedenkstein von 1959 in Villmergen.

Josef Kunz vor dem Gedenkstein von 1959 in Villmergen.

«Der 300. Jahrestag des 2. Villmergerkrieges ist eine riesige Chance für den Kanton Aargau, sich zu profilieren», findet der Villmerger Kantonsschullehrer Josef Kunz. Im Frühling 2010 hat er dem Regierungsrat daher vier Projektvorschläge unterbreitet, deren Ziel es ist, im Andenken an die opferreiche Konfessionsschlacht von 1712 nachhaltig Sorge für einen religiösen Frieden zu tragen.

«Nicht Schlacht hochleben lassen»

Eine Gedenkfeier allein sei nicht genug, findet der Geschichtslehrer. Ihm gehe es nicht darum, die Schlacht hochleben zu lassen. «Es war eine einschneidende konfessionelle Auseinandersetzung. Der Konflikt zwischen Katholiken und Reformierten ist heute kein Thema mehr. Dennoch muss die Schweiz Sorge tragen, dass nicht weitere konfessionelle Konflikte aufbrechen.»

Seine vier Projektvorschläge beinhalten eine Festschrift, in der ein «Bogen zu aktuellen Themen der Schweiz gezogen» werden könnte, sowie Unterrichtsmaterial für sämt-liche Schulstufen. Sein dritter Vorschlag ist ein Denkmal. «Es besteht zwar schon ein Dorfbrunnen mit Gedenkstein von 1959», sagt Kunz. «Dennoch wäre es eine besondere Geste aller Beteiligten, zum 300. Jahrestag ein besonderes Erinnerungszeichen zu setzen.»

Zusammenarbeit mit Universitäten

Sein vierter und visionärster Vorschlag ist die Schaffung eines interkulturellen Friedensforschungsinstituts mit Sitz im Schloss Hilfikon. «Diese Idee scheint utopisch, wäre aber durchaus machbar», findet Josef Kunz. Er stellt sich eine Zusammenarbeit mit den Universitäten Zürich, Bern, Luzern und dem Institut für Demokratie in Aarau vor. «Dadurch würde im Aargau ein zukunftsweisendes Institut entstehen, das sich vor allem mit Konflikten im interreligiösen und interkulturellen Bereich auseinandersetzen würde. Fachleute aus verschiedenen Fachdisziplinen könnten dort forschen», erklärt Kunz seine Vision. Es wäre eine Pioniertat, ein Meilenstein für den Aargau und die Schweiz, sagt er, denn «es gibt zwar schon Konflikt- und Friedensforschungsinstitute im Ausland, die sich aber meist nur mit Abrüstungsfragen auseinandersetzen».

Kanton unterstützt nur subsidiär

Die Reaktion des Regierungsrats auf die Anfrage war verhalten. «Der 2. Villmergerkrieg stellt für die Eidgenossenschaft in der Tat ein einschneidendes historisches Ereignis dar. Entsprechend sinnvoll ist es, dieses Ereignisses zu gedenken», hält Staatsschreiber Peter Grünenfelder im Namen des Regierungsrates fest. Er verweist jedoch darauf, dass die Nachhaltigkeit der Gedenkanlässe im Habsburgerjahr 2008 «wesentlich dadurch erreicht wurde, dass die Initiative zum Gedenkjahr von einem privaten Verein ausging und nicht vom Kanton angeordnet wurde». Zu einem entsprechenden Vorgehen rät der Regierungsrat auch Josef Kunz.

Ein Friedensforschungsinstitut würde «ein wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement in hohem Masse verdienen». Doch reichten die momentan verfügbaren Ressourcen dafür nicht aus, so der Regierungsrat. Falls Kunz sich weiter für das Gedenkjahr einsetzen würde,
wäre der Kanton aber gerne bereit, ihn «subsidiär zu unterstützen».

«Vom Kanton enttäuscht»

Josef Kunz ist sehr enttäuscht von dieser Reaktion. «Ich verstehe nicht, dass der Kanton eine solche Chance verstreichen lässt», sagt er. Unterdessen hat er selbst mit kantonalen und nationalen Politikern sowie mit Historikern Kontakt aufgenommen.

«Ich möchte eine Arbeitsgruppe bilden, um zumindest die Gedenkschrift und das Unterrichtsmaterial zusammenstellen zu können.» Ausserdem sucht er Unterstützung bei den Universitäten, denn die Idee des Friedensforschungsinstituts will er ebenfalls nicht aufgeben.

Nach Kunz, jedoch unabhängig
davon, hat sich der Zuger Nationalrat Jo Lang mit einer Motion dafür eingesetzt, dass der Bund der opferreichen Schlacht auf dem Langelenfeld in würdiger Form gedenkt (az vom 13. Januar).

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