Muri

«Gegenseitig befruchten»: Muri geht Partnerschaft mit ungarischer Stadt ein

Hampi Budmiger, Gemeindepräsident von Muri, ist überzeugt, dass Gemeindepartnerschaften bereichernd sein können.

Hampi Budmiger, Gemeindepräsident von Muri, ist überzeugt, dass Gemeindepartnerschaften bereichernd sein können.

Das Klosterdorf will die Beziehungen zu Pannonhalma (Ungarn) und Holič (Slowakei) pflegen und ausbauen. Der Murianer Gemeindepräsidenten Hampi Budmiger sagt, von den Partnerschaften könne man lernen – und den Tourismus stärken.

Die Gemeinde Muri und die ungarische Stadt Pannonhalma schlossen einen Vertrag über Partnerschaft und Zusammenarbeit ab. Sie weisen Gemeinsamkeiten auf – etwa den Benediktiner-Orden mit dem Kloster in Muri und der Erzabtei Martinsberg in Pannonhalma oder die Wurzeln bei den Habsburgern. Anfang Mai war eine Delegation aus Ungarn in Muri. Für den Murianer Gemeindepräsidenten Hampi Budmiger ist klar: «Wir können viel voneinander lernen.»

Weshalb geht Muri eine solche Partnerschaft ein?

Hampi Budmiger: Eine Partnerschaft ist immer etwas Spannendes und man kann voneinander lernen. Mit einer solchen Partnerschaft zeigen wir aber auch, dass wir offen und eine Gemeinde sind, die auf andere zugeht. Wir sind bereit, andere in ihren Bestrebungen zu unterstützen. Pannonhalma, zum Beispiel, will den Tourismus stärken. Wir in Muri mit dem Kloster auch.

Ging die Initiative für diese Partnerschaft von Muri aus?

Nein, die ersten Fäden hat die ungarische Botschaft gespannt. Wir haben den Faden dann irgendwann aufgenommen.

Weshalb die Stadt Pannonhalma?

Wir hatten in den letzten Jahren verschiedentlich Anfragen für Partnerschaften. In der Europäischen Union gibt es offenbar für diesen Austausch gewisse Fördergelder. Pannonhalma passte einfach sehr gut zu uns, mit schönem Benediktinerkloster, mit dem gleichen Kirchenpatron, mit der Habsburger Vergangenheit. Es ist ein Ort, der also sowohl aus kultureller als auch historischer Sicht passt. Wir können uns auch im touristischen Bereich gegenseitig befruchten.

Der Fokus dieser Partnerschaft scheint stark auf den historischen und sakralen Bereich ausgerichtet zu sein.

Ja, das ist so. Aber auch andere Bevölkerungskreise können an der Partnerschaft teilhaben. Beispiel: Der FC Muri hat reagiert und gesagt, da müssen wir etwas machen, da liegt ein sportlicher Austausch drin. Oder unser Schulleiter Hubi Anderhub – das wussten wir vorher nicht – ist mit einer Ungarin verheiratet, welche verwandt ist mit dem Bürgermeister von Pannonhalma. Ein Schüleraustausch wäre doch eine wunderbare Sache.

Die Bandbreite soll und kann sich so weiter öffnen?

Genau. Klar kann man nicht ausblenden, dass Pannonhalma stark auf den touristischen Bereich zielt. Pannonhalma ist Unesco-Weltkulturerbe und verzeichnet schon heute jährlich rund 150 000 Touristen. Aber die erwähnten Gemeinsamkeiten sind Anknüpfungspunkte für weitere Entwicklungen.

Was bringt die Partnerschaft Muri konkret?

Es gibt Erfahrungen, einen erweiterten Horizont, Möglichkeiten zum Austausch in verschiedenen Bereichen. Es geht aber weniger um einen konkreten Nutzen, sondern vielmehr um eine Haltung: dass man weltoffen, dass man sich bewusst ist, nicht allein auf der Welt zu sein und anerkennt, wie es andernorts anders auch läuft.

Sprachliche Hürden gibt es keine?

Oh doch (lacht), diese haben wir völlig unterschätzt. Pannonhalma ist keine 100 Kilometer von Wien entfernt. Unsere Annahme, dass damit Deutschkenntnisse vorhanden sind, ist falsch. Bei der Delegation, die da war, beherrschte genau einer der Teilnehmer Deutsch, und ein weiterer sprach und verstand schlecht Englisch. Diesem Umstand müssen wir das nächste Mal mehr Bedeutung zumessen.

Funktionierte die Konversation trotzdem?

Ja, aber eher langsam. Es war nur ein Dolmetscher dabei. Für ihn war das sehr anstrengend, nach mehreren Stunden war er ziemlich fertig. Wir haben dann noch improvisiert mit Leuten aus Muri, die auch ungarisch verstehen.

Gibt es in Muri für diese Partnerschaft eigentlich ein Budget?

Nein, das gab es dieses Jahr nicht. Wir kamen für die Verpflegung und die Unterbringung der kleinen Delegation auf. Das kostete nicht viel. Bezahlt wurde das im Rahmen unserer normalen Repräsentationsspesen. Im nächsten Budget wollen wir jedoch einen solchen, kleinen Posten aufnehmen.

Und wenn der Gemeinderat Muri nach Ungarn reist?

Sollte es zum Gegenbesuch kommen, dann ist sonnenklar, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Reise aus dem eigenen Sack bezahlen. Das haben wir auch bei der anderen Partnerstadt, Holič in der Slowakei, so gehandhabt.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, eine Partnerschaft zu suchen, die etwas näher liegt?

So weit entfernt liegt Pannonhalma gar nicht. Es ist zudem möglicherweise spannender, mit Menschen und einer Kultur in Kontakt zu treten, die etwas weiter weg von der unseren ist.

Sind weitere Partnerschaften geplant?

Nein, Holič und Pannonhalma genügen. Mit Holič haben Treffen stattgefunden, eines bei ihnen, eines bei uns. Aber es ist uns in den ersten zwei Jahren nicht gelungene, einen intensiveren Austausch zustande zu bringen. Im Moment fühlen wir uns Pannonhalma etwas näher, aber das liegt vielleicht daran, dass der Besuch der dortigen Behörde erst kürzlich stattgefunden hat.

Sind die Partnerschaften zeitlich eigentlich beschränkt?

Die entsprechenden Absichtserklärungen laufen bis 2020, dann werden wir sehen, wie sich die Partnerschaften entwickeln, ob sich wirklich eine Beziehung zwischen den Gemeinden ergibt. Bei Pannonhalma habe ich diesbezüglich ein sehr gutes Gefühl.

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