Wohlen
Gemeinderat Wohlen geht in die Offensive: Reorganisation soll zügig vorangehen

Die Wohler Behörde will trotz Unterbesetzung die längst fällige Reorganisation der Verwaltung zügig angehen. «Im Prinzip haben wir die Stellvertreter-Lösung zur (vorläufig) definitiven Lösung gemacht», erklärt Vizeammann Paul Huwiler.

Toni Widmer
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Neue Zeit: Die Amtsgeschäfte des suspendierten Walter Dubler hat Vizeammann Paul Huwiler (r.) übernommen.

Neue Zeit: Die Amtsgeschäfte des suspendierten Walter Dubler hat Vizeammann Paul Huwiler (r.) übernommen.

Chris Iseli

Es wirkt wie ein Befreiungsschlag. Obwohl er wohl noch über Monate in Unterbesetzung arbeiten muss, beschränkt sich der Wohler Gemeinderat keineswegs darauf, die dringlichsten Aufgaben einigermassen anständig zu erledigen.

Im Gegenteil: er geht in die Offensive und packt auch Probleme an, die seit Jahren pendent sind.

So will er bis in einem halben Jahr Vorschläge für ein «nach modernen Prinzipien ausgerichtetes Führungsmodell» für die Verwaltung präsentieren.

Ziel ist ein Konzept, das Führung, Funktionen und Kompetenzen verbindlich regelt und letztlich auch die Grundlage für die Schaffung eines internen Kontrollsystems (IKS) bilden, welches in der vom Gesetzgeber verlangten Form noch nicht vorhanden ist.

Arbeitsgruppe gebildet

Mit dem Führungskonzept befasst sich eine Arbeitsgruppe der Vizeammann Paul Huwiler, Gemeinderat Arsène Perroud, Gemeindeschreiber Christoph Weibel und Beat Rüegger von der BDO AG angehören.

In Betracht gezogen werden verschiedene Varianten, auch die Motion und das Postulat, die Fiko-Präsident Thomas Hoffmann (CVP) und Jan Severa (FÐP) zum Thema eingereicht haben, sollen in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Die Reorganisation der Verwaltung war in den vergangenen Jahren ein Dauerthema, konkrete Bemühungen sind mehrmals versandet. Zu Beginn der laufenden Amtsperiode hat der Gemeinderat einen weiteren Anlauf unternommen und zusammen mit der Trigon AG eine Verwaltungsanalyse erarbeitet. Die Zusammenarbeit mit der Trigon AG wird zwar vorläufig sistiert, die Erkenntnisse aus der Analyse würden jedoch weiter verwendet.

Übergeordnete Koordination fehlt

Vizeammann Paul Huwiler und Gemeindeschreiber Christoph Weibel betonten an einer Medienorientierung, dass auf den einzelnen Abteilungen im Gemeindehaus durchaus zielorientiert und gut gearbeitet werde. Das Problem sei jedoch die übergeordnete Koordination, die teilweise fehle: «Es geht um den konzeptionellen Überbau, zu dem man sich bisher zu wenig Gedanken gemacht hat», sagte Weibel.

Mit der Ersatzwahl von Roland Vogt (SVP) vor knapp zwei Wochen kann der Wohler Gemeinderat jetzt zumindest wieder in einer Sechserbesetzung arbeiten. Vogt hat – wie zu erwarten war – das Finanzressort übernommen.

Nicht sein Wunschdepartement, wie er offen zugibt: «Ich bin kein Finanzfachmann. Aber selbstverständlich werde ich mich in die neue Aufgabe hineinknien und mir die nötigen Grundlagen so rasch als möglich aneignen», erklärte er sichtlich motiviert.

Bei der Verteilung der durch die Suspendierung von Gemeindeammann Walter Dubler vakanten Ressorts ist der Gemeinderat pragmatisch vorgegangen: «Im Prinzip haben wir die Stellvertreter-Lösung zur (vorläufig) definitiven Lösung gemacht», erklärte Paul Huwiler.

Vizeammann und Gemeinderat Arsène Perroud übernehmen als jeweilige Stellvertreter die Ressorts «Allgemeine Verwaltung» sowie «Planung Bau und Umwelt». Paul Huwiler konnte sich beruflich entlasten und wird rund 40 % in die Führung der Gemeinde investieren. Auch das Dossier Schulraumplanung gibt er ab; dafür ist neu Arsène Perroud zuständig.

Mehraufwand wird entschädigt

Für den zu leistenden Mehraufwand werden die einzelnen Gemeinderatsmitglieder entschädigt. Weil die Mehrausgaben Folge eines Regierungsratsbeschlusses sind, liegt deren Bewilligung in der Kompetenz des Gemeinderates.

Bericht erstattet hat mittlerweile auch das Gemeindeinspektorat über die Rechnungsprüfung, die von Mitarbeitenden der Gemeindeabteilung am 18./19. November unter der koordinierenden Mitwirkung des regierungsrätlichen Rechtsdienstes vorgenommen worden ist.

In Wohlen geht man davon aus, dass der Regierungsrat der Rechnung 2014 demnächst grünes Licht gibt, das aber mit einem ergänzenden Anhang zu eventuellen Guthaben im Zusammenhang mit der Causa Dubler.

Auch diese ist im Gemeindehaus weiterhin Thema. Letzte Woche wurden Gemeindeschreiber Christoph Weibel und Finanzverwalter Gregor Kaufmann im Rahmen der eingeleiteten Administrativuntersuchung von Mitarbeitern der Finanzkontrolle des Kantons Aargau detailliert zum Fall sowie den organisatorischen Abläufen im Gemeindehaus befragt.