1. Wie sehen Sie die Gemeinde Muri aktuell? 

Christoph Fricker (SP) Muri ist ein wunderbarer Ort zum Wohnen, Arbeiten und Leben, geografisch optimal gelegen, mit einem sehr attraktiven Freizeit- und Erholungsangebot, einer starken Schule und einer (noch) guten Gesundheitsversorgung. Durch das schnelle Wachstum in Vergangenheit und Zukunft haben wir es vermehrt mit urbanen Herausforderungen bezüglich Infrastruktur zu tun. Das beschäftigt die Murianerinnen und Murianer.

Daniel Räber (CVP) Muri ist eine dynamische Zentrumsgemeinde, landschaftlich schön und nahe bei städtischen Zentren gelegen. Das Zusammenleben funktioniert dank engagierten Menschen in Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kirche, Kultur und Vereinen. Zu den herausragenden Qualitäten gehören das grosse Angebot an Arbeitsplätzen, Schu-len, Pflegeeinrichtungen, Sportanlagen, die kulturelle Vielfalt und natürlich das Kloster.

2. Wo sehen Sie den vordringlichsten Handlungsbedarf?

Christoph Fricker Muri steht vor grossen Investitionen. Diese müssen sorgfältig und unter Berücksichtigung vieler Aspekte, zum Beispiel Umwelt und demografischer Entwicklung, getätigt werden. Das ungelöste Verkehrsproblem bedarf weiterhin grösster Aufmerksamkeit, der Langsamverkehr muss gestärkt werden. Ausserdem droht die Abschaffung der Schulpflege. Falls das eintrifft, werden wir die daraus resultierenden organisatorischen Änderungen für Schule und Gemeinderat mit grösster Dringlichkeit behandeln müssen.

Daniel Räber In der qualitativen Entwicklung unserer wachsenden Gemeinde. Die Vereinigung Wohnliches Muri-Dorf feiert gerade ihr 40-jähriges Bestehen. Das wäre doch ein toller Anlass, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was heute und morgen «ein wohnliches Muri» ausmacht. Dazu gehört sicher die Lösung dringlicher Verkehrs- und Infrastrukturfragen. Im Vordergrund sollten aber Mensch und Natur stehen.

3. Welche Ziele sollte die Gemeinde Muri mittel- und längerfristig verfolgen?

Christoph Fricker Grundsätzlich soll Muri ein attraktiver, umweltbewusster Standort für Einwohnerinnen und Einwohner und Gewerbe bleiben. Die anzustrebenden Ziele ergeben sich daraus. Wir müssen bei Bautätigkeiten im Rahmen des Möglichen mitreden, ein langfristiges Verkehrskonzept erstellen und eine zeitgemässe, zentrale Verwaltung anstreben, welche sowohl digitale wie auch persönliche Kontaktaufnahme ermöglicht. Ausserdem soll Muri Energiestadt werden.

Daniel Räber Meine Vision ist ein «vitales Muri in gesundem Gleichgewicht». Damit meine ich primär zufriedene Einwohner, eine intakte Umwelt und geordnete Finanzen.
Schlüsselziele sind für mich der gesellschaftliche Zusammenhalt, günstiger Wohnraum, lebendige Quartiere, ein solides Schul- und Bildungsangebot, gute Arbeitsplätze, gelöste Verkehrs- und Infrastrukturfragen und der sorgsame Umgang mit der Natur.

4. Muri ist Bezirkshauptort und regionales Zentrum mit entsprechenden Lasten. Müssen sich Aussengemeinden stärker an diesen beteiligen?

Christoph Fricker Natürlich sollen sich Aussengemeinden an Zentrumslasten beteiligen, insbesondere dort, wo der Nutzen messbar ist, beispielsweise im Pflegebereich. Ob die Beteiligung verstärkt werden muss, wage ich im Moment nicht zu beurteilen, die Gemeinde soll das periodisch überprüfen. Wir dürfen aber auch nicht in Kleinkrämerei verfallen. Letztendlich sind wir als Region nur gemeinsam stark. Ich vertraue darauf, dass sich auch die Aussengemeinden dessen bewusst sind.

Daniel Räber Hier fehlt mir noch der Überblick. Grundsätzlich gehe ich aber von bestehenden Verträgen zwischen den Gemeinden aus. Verändert sich die Ausgangslage, sind diese neu zu verhandeln. In solchen Fällen vertraue ich auf die Kraft von Argumenten und die Kooperation aller Beteiligter. Als gutes Beispiel kommt mir hier die Zivilschutzorganisation Freiamt in den Sinn, Daniel Räberdie am 1. Januar 2020 neu an den Start geht.

5. Luwa-Areal, Bahnhof-Quartier, Überbauungen Dorf, vielleicht Brühl-Areal: Steht Muri vor einem Bevölkerungswachstum, das die Identität der Gemeinde verändern wird?

Christoph Fricker Das ist doch bis zu einem gewissen Grad schon geschehen, es ist nicht mehr das gleiche Muri wie zu meiner Schulzeit hier. Ich glaube aber, dass wir den Kern unserer Identität bewahrt haben und sie auch in Zukunft bewahren können. Das verdanken wir unter anderem den vielen engagierten Vereinen. Wer will, dem stehen in Muri alle Türen offen, letztendlich sind wir es selbst, die die Identität ausmachen.

Daniel Räber Das Luwa-Areal ist bezugsbereit. Die Projektentwickler wollen es nun zu neuem Leben erwecken. Ich wünsche ihnen und allen beschlossenen Überbauungsprojekten, dass dies klappt. Die Bevölkerung muss moderat wachsen, sonst wäre Muri ja bald mit Leerständen und leblosen Quartieren konfrontiert. Dass sich unser Dorf laufend verändern wird, steht fest. Umso wichtiger ist es, dass wir über das Wie reden.

6. Welchen Stellenwert messen Sie der Parteipolitik auf Gemeindeebene zu?

Christoph Fricker Ich denke, die Ortsparteien übernehmen in der Gemeinde wichtige Aufgaben. Sie prüfen die Arbeit des Gemeinderats und geben Empfehlungen heraus, sie ermöglichen der Bevölkerung, sich politisch ohne grosse Hürden zu engagieren, sie suchen und stellen Menschen für zahlreiche Gemeindeaufgaben. Zu wünschen ist, dass sich auch in Zukunft Leute finden, welche sich dafür engagieren. Dazu möchte ich alle, insbesondere auch Neuzuzügerinnen und -zuzüger, ermuntern.

Ich bin seit meiner Jugend politisch interessiert und habe mich früher aber eher punktuell zu Wort gemeldet. Seit einigen Jahren bin ich Vorstandsmitglied der SP-Ortspartei und habe mich verschiedentlich engagiert, beispielsweise beim Erstellen des neuen Leitbildes unserer Gemeinde und in den Workshops zum neuen Gemeindehaus. Ausserdem bin ich Präsident der Bezirkspartei und habe dadurch einen Link zur kantonalen Politik.

Daniel Räber Ortsparteien stiften Identität, nehmen Stimmungen im Dorf auf, sind Diskussionsplattformen, können neue Impulse setzen und dienen Gemeinderat und Verwaltung als Resonanzboden. Wichtig ist, dass sie und andere Interessengruppen ihre Positionen darlegen, Differenzen austragen und gemeinsam passende Lösungen finden. Ihre Gemeinderäte brauchen Passion, Einsatzbereitschaft und Teamfähigkeit.

Ich identifiziere mich mit den CVP-Werten. Mein Entscheiden und Handeln orientieren sich daran. Meine politischen Rechte nehme ich gerne wahr. Gesellschaftlich engagiert habe ich mich schon immer, sei es als Pfarreiratspräsident, im Murianer Sport, beim Hilfswerk Una Terra Una Familia oder bei der Begleitung von Flüchtlingen. Berufsbedingt war ich jedoch bisher auf der Politbühne weniger aktiv.

7. Sagen Sie uns ein paar Worte zu Ihrer beruflichen und privaten Situation.

Christoph Fricker Nach einer Chemielaborantenlehre und einigen Jahren Berufserfahrung habe ich auf dem zweiten Bildungsweg das Studium zum Lehrer absolviert und bin seit 15 Jahren als Seklehrer in Villmergen tätig, wo ich ausserdem seit mehreren Jahren Studentinnen und Studenten betreue. Privat bin ich vielseitig interessiert, ich musiziere, bin gerne am Fotografieren in der Natur und auf Reisen und engagiere mich als Chemiefachberater des Kantons Aargau.

Daniel Räber Bis 2018 war ich über 35 Jahre lang in Fach- und Führungsfunktionen in der Finanzindustrie tätig. Prägend waren je sieben Jahre als Firmenkundenberater in den USA und als Strategie- und Unternehmensberater. In Olten und Chicago habe ich Betriebsökonomie studiert. Meine Frau Joy lernte ich 1983 während eines Volontariats in den USA kennen. Unsere drei erwachsenen Söhne sind auch im Freiamt verwurzelt.

8. Weshalb wollen Sie Gemeinderat werden?

Christoph Fricker Muri und seine Einwohnerinnen und Einwohner liegen mir sehr am Herzen, mein Lokalpatriotismus ist ausgeprägt, hier sind meine Wurzeln, meine Freunde und Familie, mein Lebensmittelpunkt. Damit ich mich auch in Zukunft so stark mit Muri identifizieren kann, möchte ich die gute Arbeit von Yvonne Leuppi weiterführen und mitgestalten. Ich bin gewillt, die anstehenden Herausforderungen anzupacken und gute Lösungen für unsere Gemeinde zu erarbeiten. Dafür würde ich auch mein Arbeitspensum reduzieren.

Daniel Räber Muri, die Region und seine Menschen liegen mir am Herzen. Hier die Zukunft mitzugestalten ist eine sinn- und anspruchsvolle Aufgabe, die mich sehr reizt. Daher würde ich meine Fähigkeiten, Energie und Zeit gerne einbringen. Letzten Herbst brach ich beruflich nochmals neu auf und gründete eine kleine Beratungsfirma. Als eigener Chef kann ich selber entscheiden, wofür ich meine Kraft einsetze.

9. Weshalb sollten die Wählerinnen und Wähler Ihnen die Stimmen geben?

Christoph Fricker Ich denke, dass ich als 42-jähriger, kinderloser Single im Angestelltenverhältnis ein untervertretenes Wählersegment verkörpere und habe trotzdem ein offenes Ohr für Familien- und Gewerbeanliegen. Ausserdem bringe ich durch meinen beruflichen Hintergrund das nötige Rüstzeug für das frei werdende Ressort mit. Zu guter Letzt finde ich, dass eine mittragende und engagierte Ortspartei wie die SP einen Sitz verdient, die CVP hätte ja trotzdem noch einen.

Daniel Räber Ich bin ausgeglichen, robust, kann gut Brücken bauen und viele Aufgaben unter einen Hut bringen. Als Ex-Banker und Betriebswirt kenne ich die Wirtschaft und elementare Anliegen von Privaten und Firmen aus der Praxis. Und als Ressortleiter «Bildung, Soziales, Gesellschaft, Gesundheit» könnte ich meine Erfahrungen aus Ausbildung, Beruf, Familie und ehrenamtlichen Engagements besonders gut einbringen.