Oberes Freiamt

Geplante Gemeindefusionen: aus der Zukunftsvision wurde – nichts

Boswil wäre, neben Muri, Sins und Merenschwand, eine der vier grossen Gemeinden im oberen Freiamt gewesen.

Boswil wäre, neben Muri, Sins und Merenschwand, eine der vier grossen Gemeinden im oberen Freiamt gewesen.

Eine Planungsarbeit des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt mit Gemeindefusionen hat trotzdem ihre Früchte getragen.

Was gegenwärtig in Aarau und Umgebung auf dem Tisch ist – der «Zukunftsraum Aarau» mit der durch Fusionen entstehenden neuen Kantonshauptstadt «Gross-Aarau» – wurde im Bezirk Muri vor 15 Jahren auch diskutiert. Damals ging ein Ruck durchs obere Freiamt: Der Regionalplanungsverband präsentierte seine Vision mit der Fusion der damals 20 Gemeinden zu vier grossen Gemeinden Sins, Merenschwand, Muri, Boswil und löste eine intensive Diskussion aus.

Heute hat der Bezirk Muri immer noch 19 eigenständige Gemeinden, wie Repla-Präsident Pius Wiss einräumt. Aber vielleicht hat die Zukunftsvision, beziehungsweise die Auseinandersetzung darüber, doch etwas bewirkt: «Wir haben es in den letzten Jahren fertig gebracht, das obere Freiamt als Gesamtwirtschaftsregion zu positionieren.» Und das Bewusstsein, dass gewisse Probleme nur gemeindeübergreifend gelöst werden können, dürfte zugenommen haben.

Fusionen sind aktuell kein Thema mehr

Es gab seit der Präsentation der Zukunftsvision 2005 nur eine einzige Fusion, jene von Merenschwand und Benzenschwil 2012. Diese Fusion ist jedoch nicht auf die Planungsarbeit der Repla zurückzuführen, ist Wiss überzeugt. Aber möglicherweise seien Diskussionen angestossen worden, die sonst so nicht geführt worden wären. Aktuell sind Fusionen aber kein Thema mehr. «Es gibt in der Regel zwei Hauptgründe für eine Fusion: Schlechte Finanzen und/oder Behördenstellen, die nicht mehr besetzt werden können.»

Im Moment gehe es den Gemeinden nicht so schlecht, stellt Wiss fest, und so hat auch die Repla andere Schwerpunkt ins Visier genommen, etwa das Regionale Raumkonzept 2040. Es steht im Kontext des kantonalen Richtplans, der die Entwicklung des Kantons bis 2040 skizziert und aufzeigt, wie die Region Oberes Freiamt mit einer um 30 Prozent gewachsenen Bevölkerungszahl umgehen will und wie die Arbeitsplätze in der Region behalten und ausgebaut werden.

Auf Wirtschaftsförderung ging die Zukunftsvision Oberes Freiamt damals nicht vertieft ein. Das wurde in der Vernehmlassung unter den Gemeinden auch bemängelt. Bis auf eine hatten sich alle Verbandsgemeinden zum erarbeiteten Papier vernehmen lassen, mit 78 Stellungnahmen hatte sich die Bevölkerung mager beteiligt. Zentrales Thema war die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung. Beim Thema Neubeurteilung der Gemeindestrukturen hielten sich übrigens die befürwortenden und ablehnenden Stellungnahmen die Waage. Einzelne Stimmen votierten gar für den Anschluss des obersten Freiamts an die Kantone Zug oder Luzern.

Für Josef Nogara, damaliger Präsident der Repla Oberes Freiamt, und Planer Hugo Wandeler war klar, dass sich die Arbeit gelohnt hat, auch wenn keine eindeutigen Antworten vorlagen. Für Heiner Speck von der kantonalen Abteilung Raumentwicklung war die Durchführung des Projektes sogar «eine kleine Sternstunde». Die Ergebnisse seien eine solide Basis für alle weiteren Arbeiten.

«Der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt ist mit diesem Projekt einen Schritt voraus, indem er bereits konkrete Massnahmen und Prioritäten angedacht hat», sagt Speck. Diesen Schwung solle der Verband beibehalten.

Was die Repla Oberes Freiamt auch tat und tut, unter anderem mit dem Entwicklungskonzept Lindenberg/Horben (2009), mit der Strategie Arbeitsplätze Oberfreiamt (2015), mit dem erwähnten Regionalen Raumkonzept (2018), mit dem Hochwasserschutz Reusstal oder mit Wirtschaftsanlässen – neben dauernd aktuellen Themen wie öffentlicher Verkehr, Windenergie Lindenberg oder Deponien für sauberes Aushubmaterial.

Die Drehscheibe Gesundes Freiamt, die rat- und hilfesuchende Menschen aller Generationen Antwort auf alle Fragen zur Begleitung im häuslichen Umfeld und zur Pflege im Alter gibt, entstand zwar nicht in der Repla, sondern durch das Engagement der Gemeindeammänner und der Anbieter im Gesundheits- und Pflegebereich. «Aber vielleicht haben die damaligen Diskussionen solche Zusammenarbeiten angestossen oder gefördert», erklärt Wiss.

So oder so sind diese Aktivitäten im Sinne der Repla Oberes Freiamt. «Die Gemeinden der Region haben sich zum Ziel gesetzt, sich für eine gehobene Lebensqualität einzusetzen. Zwischen Wohnen, Arbeiten und Freizeit wird eine ausgewogene, hochwertige und nachhaltige Entwicklung angestrebt», umreisst der Verband sein Tätigkeitsfeld.

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