Bremgarten

Gewirtet wird im Stadthof bald nicht mehr – dafür gewohnt

Im Hotel und Restaurant Stadthof werden auch in nächster Zeit Gäste beherbergt und bewirtet. Doch das Ende des Betriebs zeichnet sich ab.

Nach 46 Jahren wird das Hotel und Restaurant in der Altstadt von Bremgarten bald geschlossen. Einem Baugesuch zufolge sind fünf Wohnungen geplant.

In der Bremgarter Altstadt, gleich neben dem Spittelturm, lädt das Hotel und Restaurant Stadthof zu Speis und Trank. Gestern Mittag gab es Fleischspiessli mit Reis, ein Cordon bleu mit Pommes frites oder, wer es lieber fleischlos mochte, Gemüsecurry im Reisring. Stammgäste müssen sich aber langsam mit dem Gedanken abfinden, dass sie sich ein neues Restaurant suchen müssen.

Zwar noch nicht heute oder morgen, doch in ein paar Monaten könnte es so weit sein. Der Grund: Die beiden Direktorinnen, Gabriella Mariniello und Beatrice Gauch, wollen in den Ruhestand. Und da niemand aus der Familie der beiden Schwestern den Betrieb übernehmen will, soll der «Stadthof» umgebaut werden. Statt eines Hotels und Restaurants wird er in Zukunft sechs Wohnungen beherbergen, wie dem Baugesuch zu entnehmen ist, das seit Montag für 30 Tage öffentlich auf der Stadtverwaltung aufliegt.

Im «Stadthof» entstehen fünf neue Wohnungen

Gemäss dem Baugesuch sind fünf neue Wohnungen geplant. Im Untergeschoss entsteht ein Studio und im Erdgeschoss sowie im ersten bis dritten Obergeschoss jeweils eine 4,5-Zimmer-Wohnung. Im vierten Obergeschoss gibt es bereits heute eine 5,5- Zimmer-Wohnung. Im Zuge des Umbaus wird diese renoviert. Die geschätzten Baukosten betragen 2,5 Mio. Franken, wie dem Baugesuch weiter zu entnehmen ist.

Der Zeitpunkt der Schliessung des Hotel- und Restaurantbetriebs und damit Start der Umbauarbeiten ist noch offen, wie Gabriella Mariniello auf Anfrage sagt. Das könne in drei Monaten oder auch erst in einem halben Jahr der Fall sein. «Bis dahin freuen wir uns, unsere Gäste weiter zu verköstigen und zu beherbergen», sagt die 64-Jährige, die 42 Jahre im Stadthof arbeitete. Zuerst noch als Unterstützung für ihre Eltern, 2005 übernahm sie die Leitung des Betriebs gemeinsam mit ihrer Schwester.

Altershalber sei jetzt Schluss, sagt Mariniello. «Wir hören auf mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt sie und betont, dass weder der Verkauf infrage gekommen sei, noch den «Stadthof» zu verpachten. «Wir wollen den ‹Stadthof› in unseren Händen behalten. Er ist Familie.»

An der Antonigasse 22 war früher ein Patrizierhaus, das einen kleinen Blumenladen und den Sitz der Kantonalbank beherbergte, bis Paul und Lisbeth Stierli, die damaligen Inhaber der Metzgerei an der Marktgasse 33, das Gebäude kauften. 1973 eröffnete das Hotel Stadthof, damals noch verpachtet, ab 1978 führte die Familie den Betrieb in Eigenregie. Eine Zeit, die nun bald zu Ende geht. Zum Leid von vielen Bremgartern.

Im sozialen Netzwerk Facebook drücken viele ihr Bedauern und ihre Überraschung in Worten aus. «Oh nein, ist das schade», schreibt ein User. «Sind ab und zu noch gerne in den ‹Stadthof› gegangen.» Jemand anderes meint traurig: «Jesses, ein Stück Heimat geht zu Ende, aber in herzlicher Erinnerung an schöne Zeiten.»

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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