Streitgespräch

Glarner gegen Uebelhart – der grosse TV-Schlagabtausch zur Asyldebatte Oberwil-Lieli

Glarner gegen Uebelhart – sehen Sie die wichtigsten Ausschnitte aus dem ersten TV-Schlagabtausch zum Asylstreit in Oberwil-Lieli

Glarner gegen Uebelhart – sehen Sie die wichtigsten Ausschnitte aus dem ersten TV-Schlagabtausch zum Asylstreit in Oberwil-Lieli

Wann die Einwohner über die Aufnahme von Flüchtlinge abstimmt, ist noch nicht klar. Doch die Debatte ist in vollem Gange. In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 lieferten sich Martin Uebelhart (Pro) und Andreas Glarner (Kontra) ein Streitgespräch. Zum ersten Mal vor laufender Kamera.

Ob bereits am 28. Februar darüber abstimmen können, ob sie Flüchtlinge in ihrer Gemeinde aufnehmen wollen oder nicht, das ist im Moment nicht mehr so klar.

Grund: Der Aargauer Regierungsrat hat noch nicht über eine Beschwerde gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung entschieden.

Die hitzige Debatte ist aber – nach wie vor – in vollem Gange. Am Dienstagabend duellierten sich Befürworter und Gegner zum ersten Mal live im Fernsehen.

In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 sassen sich Martin Uebelhart, Vertreter der IG Solidarität für Obewil-Lieli, und SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner gegenüber. Johanna Gündel, Anführerin der Solidaritätsbewegung, war zwar eingeladen, liess sich aber durch Martin Uebelhart vertreten.

Die Fronten blieben selbstverständlich unverändert – die beiden Kontrahenten lieferten sich aber einen intensiven Schlagabtausch.

Darum gehts:

Die Freiämter Gemeinde Oberwil-Lieli mit 2250 Einwohnern soll sechs bis acht Flüchtlinge aufnehmen. Der Gemeinderat plante im Budget 290 000 Franken ein, um sich von der Aufnahmepflicht freizukaufen. Nach einem Antrag der Studentin Johanna Gündel entschied die «Gmeind» am 27. November, dass dieses Geld nicht für die Ersatzabgabe verwendet werden darf. Gegen den Beschluss reichte der pensionierte Fabrikant Robert Mayer beim Kanton eine Beschwerde ein. Er verlangte eine neue, geheime Abstimmung – es sei falsch gewesen, die Asylfrage innerhalb des Budgets zu behandeln.

Die Positionen:

  • Dem SVP-Nationalrat Andreas Glarner sind die Flüchtlinge zu teuer. Seine Devise: «Wenn man die Hilfe vor Ort leisten würde, müsste niemand in ein Boot steigen. Wenn wir die zu uns nehmen, wird das unbezahlbar für jede Gemeinde.» 

  • Martin Uebelhart, Personalberater und Publizist, fordert, dass die Schweiz und Oberwil-Lieli den Flüchtlingen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. «Es ist mir schleierhaft, wie sich Herr Glarner eine Betreuung vor Ort in Syrien oder im Irak vorstellt», kontert er.

Das Streitgespräch in Kürze:

Laut Uebelhart könne man «in einer Gemeinde besser für Integration sorgen, als in diesen Asylzentren».

«Aber warum wollen sie diese Leute integrieren? Die müssen doch wieder zurück», gibt sich Glarner darauf leicht entrüstet.

Uebelhart kann nach der Aufnahme von bisher 40 000 Flüchtlingen in der Schweiz kein «Asylchaos» feststellen. «Es werden noch mehr kommen, das ist sicher», sagt er. Und vertraut dabei auf die Gesetzgebung: «Es wird abgeklärt, wer wirklich Asylgründe hat.»

Andreas Glarner sieht das Problem hingegen darin, dass immer mehr Flüchtlinge und vor allem die «falschen» ins Land kommen: «Der syrische Pass wird gefälscht wie Anton – da kommen reine Wirtschaftsflüchtlinge, die als Syrer getarnt sind. Und nur ganz wenige Frauen und Kinder.»

«Sie stellen einfach unmögliche Behauptungen auf, die jede sachliche Diskussion verunmöglichen!», lautet da Uebelharts Entgegnung.

Es fallen Schlagworte wie Konzentrationslager und Stacheldraht, diese «Nazikeule» wehrt Glarner verbal ab. Er sticht stattdessen ins Wespennest mit der Frage: «Vielleicht haben sie ja auch noch ein Zimmer frei?»

Inakzeptabel findet Uebelhart diese. Jetzt und damals, als der Gemeindeammann an einer Versammlung die Lösung präsentiert hatte, dass die 50 Befürworter des Antrags für eine Aufnahme von Flüchtlingen, diese auch aufnehmen könnten.

«Eine absolut inakzeptable Haltung von einem Gemeindeammann, der dafür sorgen muss, dass man anständig diskutiert», so Uebelhart.

Doch Glarner kontert: «Es geht nicht um Oberwil-Lieli, es geht um ein Signal nach Bern!» Es müsse definiert werden, wann die Grenze erreicht ist.

«Wenn das Flüchtlings-Elend immer grösser wird, dann ist klar die internationale Staatengemeinschaft gefordert. Das kann die Schweiz nicht alleine lösen», sagt Uebelhart. «Aber was jetzt vorliegt – da muss man anpacken und helfen, die Not zu lindern.»

Zum Schluss, als bereits der Abspann lief, gaben sich die beiden Streithähne immerhin die Hände. (smo)

Asyl-Referendum in Oberwil-Lieli – sehen Sie hier den ganzen Talk vom Dienstagabend.

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